SIGINT und CSD in Köln

Vom 5. bis 7. Juli 2013 fand der Sommerkongress des Chaos Computer Clubs, die so genannte SIGINT 2013 im Kölner Mediapark statt. Wie immer gab es ein paar Vortrags-Highlights, zum Beispiel den Vortrag von Kay Hamacher über statistische Fallen und – besonders unterhaltsam und erschreckend zugleich: einen Vortrag über die Möglichkeit, Briefwahlen zu fälschen.

Zufälligerweise fand an diesem Wochenende auch der Christopher-Street-Day in Köln statt, den ich noch nicht kannte. Dank einer Einladung von Kölner Piraten durfte ich auf dem CSD-Wagen mitfahren. Das war schon ein besonderes Erlebnis. Ich bin zwar kürzlich auch auf dem CSD-Truck der Berliner mitgefahren, aber der Kölner CSD ist anders: Er hat weniger den Charakter einer Demo als den eines Karnevalszugs. Das soll jetzt nicht abwertend klingen, denn natürlich ist es in jedem Fall eine Demo, aber wie so oft zeigt sich, dass sich auch politische Veranstaltung den lokalen Traditionen anpassen, und so kann der Eindruck entstehen, der CSD sei so etwas wie der Rosenmontagszug des Sommers. Jedenfalls ist wirklich ganz Köln auf den Beinen und feiert am Straßenrand mit.
Das ist eben anders als in Berlin, wo sich die Feiernden mehr auf der Demo selbst tummeln und nur in geringerem Ausmaß am Straßenrand. In Kölns ist das anders. Der Zug durch die engen Straßen der Innenstadt ist auch sehr interessant, weil die Menschen in den Fenstern liegen, sozusagen auf Augenhöhe mit den Mitfahrenden auf den Wagen.

Mir hat der CSD jedenfalls sehr viel Spaß gemacht. Vielen Dank an die Orga! Uns haben übrigens sehr viele Leute zugejubelt – ganz so schlimm kann es also um die Piraten nicht stehen!

Berlinale: Die Jungs vom Bahnhof Zoo

Rosa von Praunheims Spielfilme mag ich ja nicht so, jedenfalls waren Can I be your Bratwurst, please! und Der Einstein des Sex ziemlich unerträglich. Dafür empfiehlt sich der Regisseur mit seinen Dokumentarfilmen. Einen solchen sah ich gestern auf der Berlinale, nämlich Die Jungs vom Bahnhof Zoo (Beschreibung im Berlinaleprogramm). Es ist ein sehr politischer Film über die Situation und die Biografien von Strichern in Berlin. Eigentlich ist der Titel etwas irreführend, denn der Film spielt mehr in Schöneberg als am Bahnhof Zoo, aber das machte ihn ja für mich als Schöneberger umso interessanter. Auch mein Rumänisch konnte ich etwas auffrischen (die Synchronisation könnte genauer sein; ich hätte hier auch Untertitel vorgezogen, um besser zuhören zu können). Der Film ist erzählerisch gut gelungen, es gibt immer einen Spannungsbogen. Leider kann sich der Regisseur nicht ganz von (s)einem belehrenden Habitus befreien: So vermittelt der Film den Eindruck, dass ein Stricher praktisch immer Opfer von Misshandlungen im Kindesalter sei und deshalb unschuldig an der „Situation, in der er lebt.“ Diese Botschaft wirkt nicht sehr überzeugend im Zusammenhang mit der Prostitution aus wirtschaftlichen Gründen, die im Film auch beschrieben wird. Diese kritische Bemerkung soll aber niemanden davon abhalten, sich den interessanten Film anzuschauen. Sehr schön ist übrigens der am Anfang hineingeschnittene Bericht der Berliner Abendschau aus den fünfziger Jahren, der zeigt, wie sehr sich die Gesellschaft und die in ihr vorherrschenden Auffassungen von Moral seither verändert haben.

Berlinale II: הזמן הוורוד

Gestern habe ich dann den in meinem vorletzten Blogpost angekündigten Dokumentarfilm הזמן הוורוד (Hazman havarod, Gay Days) aus Israel gesehen. Er schildert die Entwicklung der Schwulen- und Lesbenszene in Israel bis 1998. Eine Fortsetzung ist geplant. Der Film ist sehr humorvoll, und trotz der bisweilen sehr ernsten Thematik verliert er nie seinen Optimismus und seine Heiterkeit.

Besonders faszinierend an dem Film ist es, die Protagonisten in alten Filmaufnahmen oder Fotos und heute zu sehen. Ihre persönliche Entwicklung, wie auch die rasante Entwicklung einer zunächst sehr homophoben Gesellschaft, ist beeindruckend. Überhaupt ist die Mischung aus Interviews und Filmmaterial sehr gelungen. Dabei sieht man auch eine Menge von Ausschnitten aus anderen israelischen Filmen. Der Film endet leider schon 1998, also vor 12 Jahren. Der Grund dafür ist, dass Regisseur und Produzenten dort den Höhepunkt der israelischen Schwulen- und Lesbenbewegung sehen, nämlich in den Ereignissen um den Sieg von Dana International beim Eurovision Song Contest 1998 (in Israel sei das so etwas wie der Oscar oder der Nobelpreis, sagt jemand im Film). Die Fortsetzung wird dann sicher trauriger enden, da ja im letzten Jahr einen mörderischen Anschlag auf ein Coming-Out-Zentrum in Tel Aviv gab.

Der Dokumentarfilm ist vor allem deshalb sehenswert, weil seine Botschaft ein allgemeines Plädoyer gegen Hass und Intoleranz ist. Ich freue mich daher auch schon jetzt auf die Fortsetzung.

Berlinale

Berlinale Bear in the Snow

Knapp über dem Schnee watet hier der Berlinale-Bär. Heute habe ich mich gleich mal ins Getümmel gestürzt und war in einem Film, nämlich in Весельчаки (englisch: Jolly Fellows). Der Episodenfilm (Filmtrailer ohne Untertitel) erzählt vom Leben verschiedener Drag Queens in Moskau. Ich hätte ihm die Höchstnote gegeben, wäre da nicht das völlig unangebrachte Ende gewesen. Man hatte wirklich das Gefühl, der Drehbuchautor habe keine Einfälle mehr. Das Ende ist überraschend tragisch und fast schon ärgerlich. Das gab einen Punktabzug.

Nächste Woche möchte ich mir noch den Dokumentarfilm הזמן הוורוד (englisch: Gay Days) ansehen, in dem es um die Entwicklung der israelischen Schwulenbewegung geht (der Titel müsste eigentlich – wie auch die israelische Schwulenzeitschrift – Pink Days heißen, dazu leider nur die hebräische Wikipedia). Mal sehen, ob es wieder so leicht sein wird, an Karten zu kommen.

Eurovision 2009

Gestern gab es anlässlich des Eurovision Song Contest 2009, den ich immer noch lieber „Grand Prix Eurovision“ nenne, wieder eine Grand-Prix-Party, an der ich teilnahm. Natürlich war es wieder spannend, der Entscheidung entgegenzufiebern. Diesmal lag ich beim Gewinner Alexander Rybak aus Norwegen vollig falsch, hatte ich ihn doch eher zwischen Platz 5 und 10 eingestuft. Dafür lag ich beim zweiten Platz genau richtig, denn auch ich fand den isländischen Beitrag sehr gut und hatte ihn auf meiner persönlichen Favoritenliste auf Platz 2 eingeordnet, gleich nach Patricia Kaas, die mich am meisten beeindruckt hatte, obwohl ich sicher war, dass sie bestenfalls auf Platz 5 gelangen würde (sie erreichte dann den achten Platz). Hingegen habe ich Sakis Rouvas gleich als Sieger gesehen (vor allem wegen der perfekten Show), Griechenland belegte aber nur den siebten Platz. Außerdem sah ich die Band Regina aus Bosnien unter den ersten fünf, es reichte aber nur für Platz 9.

Auf der anderen Seite der Skala habe ich Litauen (schließlich auf Platz 23) und Spanien platziert, letzteres Land erreichte dann Platz 24. Schlusslicht Finnland hatte ich auf Platz 18 erwartet. Den deutschen Beitrag hatte ich zwischen Platz 10 und 15 eingeordnet, er erreichte aber nur Platz 20. Es fehlen Deutschland wirklich verlässliche Unterstützer. Denn die spielen trotz einer Fachjury in allen Ländern immer noch eine wichtige Rolle. Leider ist mir nicht klar, wie das Juryurteil mit dem Publikumsurteil verrechnet wurde. Es war von einem hälftigen Verhältnis gesprochen worden, aber im Detail sind ja verschiedene Berechnungsmethoden denkbar.

Natürlich braucht Deutschland auch bessere Beiträge. Mit dem Sänger war ja schon ein guter Griff getan worden (er hätte nur vielleicht aus Russland kommen sollen!), aber der Beitrag selbst war nicht mitreißend genug, musikalisch eher Hausmannskost und unpassend für ein Schlagerfestival. Der neue deutsche Kommentator Tim Frühling ist ein würdiger Nachfolger von Peter Urban. Seine Kommentare waren treffend und auch immer wieder lustig.

Update: Hier fehlt noch ein Link auf die Übergriffe auf Schwule und Lesben durch staatliche Sonderpolizei auf dem Christopher Street Day, der zeitgleich mit dem Grand Prix in Moskau stattfand (aber nicht genehmigt war – wie auch, wenn der Moskauer Bürgermeister das nicht will – „gelenkte Demokratie“ eben!). Kunar hat ja schon einen schwedisch-mehrsprachigen Link gepostet, hier noch ein Erfahrungsbericht aus der taz.

Milk

Gestern Abend habe ich den Film Milk über Harvey Milk im Kino gesehen – leider auf Deutsch, was mich doch etwas geärgert hat, denn die deutsche Übersetzung ist manchmal holperig: Da es mehrfach vorkommt, ist mir das folgende Beispiel in Erinnerung geblieben: jemanden rekrutieren für ‚jemanden für seine Sache gewinnen‘. Es ist ja richtig, dass man ein Wort beim Synchronisieren nicht durch eine Phrase ersetzen kann, weil die Zeit nicht reicht, aber es wäre möglich gewesen, eine Übersetzung wie ‚ich möchte euch gewinnen‘ oder ‚ich möchte euch überzeugen‘ zu verwenden. Das war auch nicht die einzige Übersetzung, bei der ich stutzen musste.

Aber nun zum Film selbst: Ich finde ihn sehr gut. Er ist nicht ganz linear erzählt, was es dem Drehbuchautor ermöglicht, eine bereits bekannte Geschichte spannend zu erzählen. Das Untermischen von Originalfilmmaterial ist auch sehr gelungen. In einer gespielten Szene gibt es sogar eine zeitgenössische Straßenbahn, die möglicherweise extra dafür aus dem Museum geholt wurde (oder es war Bluescreen-Technik). Es überrascht also gar nicht, dass das Drehbuch bei der Oscarverleihung 2009 berücksichtigt wurde – wie übrigens auch der wandlungsfähige Hauptdarsteller Sean Penn. Bis auf wenige Ausnahmen ist auch die Filmmusik erwähnenswert. Das Gefühl der späten 1970er wird dadurch sehr eindrucksvoll vermittelt.

Vor langer Zeit habe ich mal den Dokumentarfilm The Times of Harvey Milk gesehen, den ich jetzt gern noch einmal sehen möchte. Das wäre eine schöne Ergänzung. Auf jeden Fall möchte ich Milk empfehlen (insbesondere wenn man San Francisco etwas kennt) – aber natürlich als version originale.

Musenstadt Berlin

Dieses Wochenende stand für mich ganz im Zeichen der Kultur: Von Samstag auf Sonntag gab es mal wieder die Lange Nacht der Museen in Berlin:

  1. Ich startete mal wieder beim Schwulen Museum, obwohl mich die Ausstellung über Lesben in Berlin nicht so sonderlich interessierte. Sie war jedoch erwartungsgemäß gut gemacht. Bedauerlich war bloß, dass die übliche Führung um 17 Uhr nicht stattfand, mit der ich eigentlich gerechnet hatte. Die Dauerausstellung des Museums hatte ich seit längerem nicht gesehen und muss zugeben, dass sie enorm an Umfang gewonnen hat und fast schon beängstigend voll ist.
  2. Danach ging es zur Museumsinsel, wo wir zunächst im Alten Museum der Nofretete unsere Aufwartung machten. Da war ich zwar erst bei der letzten langen Nacht, aber das Ägyptische Museum ist ja immer einen Besuch wert und passte so wunderbar zu unserem nächsten Ziel, dem Pergamonmuseum
  3. Dort findet zur Zeit die Ausstellung Babylon – Mythos und Wahrheit statt. Ich hatte mir zum Glück zuvor ein kostenloses so genanntes „Zeitfensterticket“ besorgt, das es ermöglichte, an der doch sehr langen Schlange vorbeizukommen. Die Ausstellung ist wirklich sehr eindrucksvoll. Ich finde es zwar gewöhnungsbedürftig, dass Ausstellungsgegenstände aus den unterschiedlichsten Epochen zusammenstehen, aber museumspädagogisch ist diese Ausstellung so gut aufbereitet, dass man mit Spannung so lange dort herumlaufen kann, bis die Füße wehtun.
  4. Nachdem wir viel Zeit in der Babylonausstellung verbracht hatten, besuchte ich anschließend das Bode-Museum, das mich aber nicht so beeindruckte. Irgendwie wirken die mittelalterlichen Skulpturen nach der großartigen Ausstellung im Pergamonmuseum nicht so richtig. Der Aufenthalt im Bode-Museum war auch deshalb so kurz, weil ein Wärter meine Begleiterin wegen ihrer Handtasche nicht ins Museum lassen wollte, obwohl wir anstandslos in die anderen Museen gekommen waren (wo es zum Teil viel strikter zuging). Außerdem gab es andere Besucher mit viel größeren Taschen (und sogar einem Rucksack!).
  5. Leider mussten wir den Weg bis zum Medizinhistorischen Museum zu Fuß zurücklegen, weil die Bus- und Tramverbindung vom Bode-Museum zum BMM nicht berauschend ist. Ich finde ja die Präparatesammlung nicht so angenehm zu betrachten und sparte sie mir dann auch. Unser eigentliches Ziel war die Sonderausstellung über Magnus Hirschfeld und sein Institut für Sexualwissenschaft, sowie dessen Schicksal im Zusammenhang mit der Bücherverbrennung 1933 in Deutschland (ausführliche Information zur Ausstellung).

Bekanntlich fand die Bücherverbrennung der Nazis (mit dem Bestand von Hirschfelds Bibliothek) ja auf dem heutigen Bebelplatz
neben der Staatsoper Unter den Linden statt. Dort führten mich meine Wege am Sonntag hin, denn es wurde dort ein Freiluftkonzert von Ludwig van Beethovens 9. Symphonie mit der Staatskapelle Berlin unter Daniel Barenboim. Die Symphonie ist schon sehr mitreißend und entfaltet auf dem Forum Fridericianum so richtig seine Wirkung. (Ich empfehle die Beschreibung der Symphonie in der Wikipedia!) Leider verhielt sich das Publikum etwas störend: Manche klatschten zwischen den Sätzen und einige sogar mitten im letzten Satz in der Generalpause.

Les Chansons d’amour

Gerade komme ich aus Berlins schönstem Kino zurück, dem Kino International, wo sogar das Rauchverbotsschild noch volkseigen ist. Am schönsten sind ja die Plaste-Lüster im Barbereich, wo man durch riesige Fenster, die seit der Berlinale mit dem Berliner Bär verziert sind, einen sagenhaften Blick auf den Berliner Fernsehturm hat, bekanntermaßen die Antenne einer in Berlin abgestürzten Raumstation.

Heute gab es einen sehr schönen Kinofilm (in der Reihe Mongay), nämlich Les Chansons d’amour. Der Musikfilm erinnert so ein bisschen an 8 Frauen oder Das Leben ist ein Chanson, hat aber auch etwas „Hypersexuelles“ (den Terminus habe ich frei erfunden aufgrund eines Hinweises von Herrn Gesundbrunnen). Es ist ein zwar etwas tragischer, aber dennoch sehr hoffnungsvoller Wohlfühlfilm aus Frankreich, der mal wieder beweist, dass das europäische Kino sehr schön sein kann und möglicherweise unterschätzt wird. Sehenswert!

Sonntags in Berlin

Berlin ist eine Sommerstadt, denn nur im Sommer entfaltet sie mit ihrem vielen Grün ihren gesamten Zauber. Den Tag begann ich mit einem entspannten Brunch bei Chris und Jan, um dann nachmittags etwas spazieren zu gehen. Eigentlich war ja Wetter für das Strandbad Wannsee, aber da sich der Brunch länger hingezogen hat, konnte ich mich nicht mehr aufraffen.

Gay Memorial, Berlin

Dafür bin ich dann etwas spazieren gegangen. An diesem Sonntag war ja eine Kundgebung zum Autofreien Sonntag auf der Straße des 17. Juni und rund um das Brandenburger Tor. Bei der Gelegenheit stattete ich natürlich auch dem neuen Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen einen Besuch ab, das in der letzten Woche eröffnet worden war. Das Denkmal mit seiner Videoinstallation (in einem kleinen Fenster an der Seite) gefällt mir sehr gut, weil es eine Verbindung schafft zwischen schwer verdaulicher Erinnerungsarchitektur (Steinblock) und der heutigen Zeit (Videoinstallation). Es ist auch ein ziemlicher Publikumsmagnet. Jedenfalls war es kaum möglich, das Fenster mit der Videoinstallation zu fotografieren, ohne dass sich andere Betrachter darin spiegelten.

Anti-Gay Demonstration

Unweit des Denkmals protestierte jemand im Rahmen der Kundgebung gegen Schwule. Ich habe das gleich mal fotografisch festgehalten, weil ich es an dieser Stelle unerhört fand und sich der abgelichtete Demonstrationsteilnehmer wohl kaum auf das Recht am eigenen Bild berufen kann, schon gar nicht im Rahmen einer öffentlichen Demonstration. Angesichts des Denkmals macht ein solcher Anti-Schwulen-Protest schon ziemlich sprachlos.

Am Abend aß ich mit Leuten vom Chaos Computer Club Berlin noch ein paar leckere Pizzastücke in der Foccaceria in der Fehrbelliner Straße 24 – nicht billig, aber sehr empfehlenswert! Hier an einem lauschigen Sommerabend bei Pizza und italienischem Wein zu sitzen, lässt sich sehr mediterran an. Anschließend sahen wir noch gemeinsam The Big Lebowski, der doch sehr zur entspannten Großstadtsommeratmosphäre passte.

58. Berlinale

Einer meiner Lieblingspodcasts hr2 Der Tag berichtete unter dem Titel: „Brutalstmögliche Aufklärung“ darüber, dass bei der diesjährigen Berlinale die Sparte Dokumentarfilm eine besondere Rolle spielt. Daher wundert es nicht, dass auch ich in einen Dokumentarfilm geriet, zumal ich ja die Berlinale immer nur in Auswahl besuche – möglichst wenn sich andere um die Karten kümmern, denn mir ist der Trubel immer zu anstrengend.

Ich war also gestern Abend in der Premiere von East/West – Sex & Politics, einem Dokumentarfilm von Jochen Hick (im Gespräch bei dradio) über die Moskauer Schwulenszene und den Московский Гей-Прайд, die verbotene Demonstration in Moskau.

Der Film war vielleicht nicht so beeindruckend wie Jochen Hicks Ich kenn keinen – Allein unter Heteros, aber doch sehr interessant, weil er außergewöhnliche Eindrücke in aktuelle russische und Moskauer Befindlichkeiten ermöglichte, obwohl man die Angriffe auf Volker Beck nun schon oft genug gesehen hatte (sogar ich, der ich gar keinen Fernseher besitze). Berichtet wurde unter anderem über das Treffen der Bürgermeister europäischer Hauptstädte, auf dem der Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoë den Moskauer Bürgermeister öffentlich auf die Verbote angesprochen, Klaus Wowereit jedoch geschwiegen habe, 🙁 wie Jochen Hick im Anschluss an den Film berichtete. Das Schöne an der Berlinale ist ja, dass man gleich mit den Filmemachern sprechen kann. Im Film wird viel russisch gesprochen, was aber dank der Untertitel gar nicht so schwer zu verstehen ist (trotz meiner eingerosteten Kenntnisse).