Archive for the ‘cinema’ Category

Leidkultur und Leetkultur

Saturday, March 12th, 2011

In letzter Zeit sprechen viele Politiker wieder von Leidkultur. Ich schreibe das absichtlich mit d, denn was soll das anderes sein, als die Kultur, die uns der Deutschunterricht in der Schule verleidet hat? Eine Leitkultur mit t kann es nicht geben, denn Kultur ist immer vielfältig und es gibt keine „Kulturhierarchie“. Auch das Wort Subkultur ist seltsam, denn wer entscheidet, was Leit- oder Sub- ist?

Zum Glück gibt es die selbsternannte Leetkultur (bzw. 1337kultur in Leetspeak) als Gegenentwurf zum unsinnigen Konzept der Leidkultur; leet steht für élite und spielt mit dem elitären Kulturbegriff, denn Leetkultur ist eben nicht elitär, sondern Kultur aus der Nerd-Perspektive. Es geht dabei darum, die Prinzipien der Hacker-Ethik auf die (nicht nur technische) Kultur zu übertragen. Das könnte so aussehen:

  • Der Zugang zu Kultur und allem, was einem zeigen kann, wie diese Welt funktioniert, sollte unbegrenzt und vollständig sein.
  • Alle Informationen müssen frei sein.
  • Misstraue Autoritäten – fördere Dezentralisierung!
  • Beurteile einen Urheber nach dem, was er tut und nicht nach Kriterien wie Aussehen, Alter, Rasse, Geschlecht oder gesellschaftlicher Stellung.
  • Man kann mit einem Computer Kunst und Schönheit schaffen.
  • Kultur kann dein Leben zum Besseren verändern.
  • Mülle nicht in den Daten anderer Leute.
  • Öffentliche Daten nützen, private Daten schützen.

Ich habe hier lediglich zweimal Computer (im Plural) durch Kultur ersetzt und Hacker durch Urheber. Damit ist eigentlich schon alles gesagt. Über 1337kultur, also über Kultur aus dieser Perspektive plane ich, einen Podcast zu machen, der auch 1337kultur.de heißt. Darin wird es über alle Arten von Kultur gehen: Bücher, Musik, Filme, Kunst, Sport usw. Die folgenden Themen stehen schon fest:

  1. Labsal Weltliteratur: Bücher, die wir kennen, aber nicht gelesen haben (Folge 1)
  2. Beredte Bilder: Comics und Comic-Verfilmungen (Folge 2)

Wem in den Titeln ungewöhnliche Wörter auffallen, soll sich bis zur Sendung gedulden; sie werden dort erklärt. Jedes Mal soll nämlich auch ein leider zu wenig verwendetes Wort vorgestellt werden, das ich auch immer versuche, in den Titel einzubauen.

Die Folgen will ich übrigens schon bei der Aufnahme streamen, so dass die Möglichkeit besteht, über Twitter/Identi.ca und Internet Relay Chat mitzumachen. Die erste Folge wird am Sonntag 13.3.2011 um 13.37 Uhr gestartet, die zweite am gleichen Tag um 15.30 Uhr. Einige Tage später wird dann die erste Folge auch im Podcastfeed sein (technisch überarbeitet von Christopher Schirner, den aufmerksame Hörer schon vom Klabautercast kennen), die zweite Folge noch ein paar Tage später. Für den Stream kann ich dankenswerterweise den Server von xenim.de nutzen. Dort gibt es auch ein Archiv, ich empfehle aber den Rückgriff auf die technisch bearbeiteten Podcastversionen unter 1337kultur.de.

Der Podcast steht natürlich unter einer Creative Commons-Lizenz, nämlich cc-by-sa und darf entsprechend weiter- bzw. wiederverwendet und verbreitet werden – gern auch über Radio.

Update: Das Streaming war eine interessante Erfahrung: im Chat haben so zwanzig bis dreißig Leute mitgemacht und der direkte Feedback war sehr hilfreich. Es sind auch gleich zwei Pads mit den Shownotes geschrieben worden, eins zu Labsal Weltliteratur und eins zu den beredten Bildern.

Berlinale: Die Jungs vom Bahnhof Zoo

Thursday, February 17th, 2011

Rosa von Praunheims Spielfilme mag ich ja nicht so, jedenfalls waren Can I be your Bratwurst, please! und Der Einstein des Sex ziemlich unerträglich. Dafür empfiehlt sich der Regisseur mit seinen Dokumentarfilmen. Einen solchen sah ich gestern auf der Berlinale, nämlich Die Jungs vom Bahnhof Zoo (Beschreibung im Berlinaleprogramm). Es ist ein sehr politischer Film über die Situation und die Biografien von Strichern in Berlin. Eigentlich ist der Titel etwas irreführend, denn der Film spielt mehr in Schöneberg als am Bahnhof Zoo, aber das machte ihn ja für mich als Schöneberger umso interessanter. Auch mein Rumänisch konnte ich etwas auffrischen (die Synchronisation könnte genauer sein; ich hätte hier auch Untertitel vorgezogen, um besser zuhören zu können). Der Film ist erzählerisch gut gelungen, es gibt immer einen Spannungsbogen. Leider kann sich der Regisseur nicht ganz von (s)einem belehrenden Habitus befreien: So vermittelt der Film den Eindruck, dass ein Stricher praktisch immer Opfer von Misshandlungen im Kindesalter sei und deshalb unschuldig an der „Situation, in der er lebt.“ Diese Botschaft wirkt nicht sehr überzeugend im Zusammenhang mit der Prostitution aus wirtschaftlichen Gründen, die im Film auch beschrieben wird. Diese kritische Bemerkung soll aber niemanden davon abhalten, sich den interessanten Film anzuschauen. Sehr schön ist übrigens der am Anfang hineingeschnittene Bericht der Berliner Abendschau aus den fünfziger Jahren, der zeigt, wie sehr sich die Gesellschaft und die in ihr vorherrschenden Auffassungen von Moral seither verändert haben.

My 2010 Favorites

Sunday, January 2nd, 2011

  • best movie I saw in 2010: Inception, mostly thanks to Hans Zimmer’s soundtrack,
  • best TV series: Boston Legal: this is not a new series, but I came to know and appreciate it only in 2010,
  • most interesting fiction book I read in 2010: Watchmen,
  • best non-fiction book I read in 2010: Schwarzbuch Deutsche Bahn,
  • best podcast in 2010 (I only discovered it on the last day of the year): Raumzeit,
  • most interesting language I studied in 2010: toki pona,
  • best music I re-discovered in 2010: songs by the Basque singer and song writer Mikel Laboa;
  • best gadget: in June 2010, I bought an iPad,
  • so here’s the best App I found so far: iAnnotate,
  • and here’s the best iPhone App I found in 2010: CamScanner.
  • .

Berlinale II: הזמן הוורוד

Friday, February 19th, 2010

Gestern habe ich dann den in meinem vorletzten Blogpost angekündigten Dokumentarfilm הזמן הוורוד (Hazman havarod, Gay Days) aus Israel gesehen. Er schildert die Entwicklung der Schwulen- und Lesbenszene in Israel bis 1998. Eine Fortsetzung ist geplant. Der Film ist sehr humorvoll, und trotz der bisweilen sehr ernsten Thematik verliert er nie seinen Optimismus und seine Heiterkeit.

Besonders faszinierend an dem Film ist es, die Protagonisten in alten Filmaufnahmen oder Fotos und heute zu sehen. Ihre persönliche Entwicklung, wie auch die rasante Entwicklung einer zunächst sehr homophoben Gesellschaft, ist beeindruckend. Überhaupt ist die Mischung aus Interviews und Filmmaterial sehr gelungen. Dabei sieht man auch eine Menge von Ausschnitten aus anderen israelischen Filmen. Der Film endet leider schon 1998, also vor 12 Jahren. Der Grund dafür ist, dass Regisseur und Produzenten dort den Höhepunkt der israelischen Schwulen- und Lesbenbewegung sehen, nämlich in den Ereignissen um den Sieg von Dana International beim Eurovision Song Contest 1998 (in Israel sei das so etwas wie der Oscar oder der Nobelpreis, sagt jemand im Film). Die Fortsetzung wird dann sicher trauriger enden, da ja im letzten Jahr einen mörderischen Anschlag auf ein Coming-Out-Zentrum in Tel Aviv gab.

Der Dokumentarfilm ist vor allem deshalb sehenswert, weil seine Botschaft ein allgemeines Plädoyer gegen Hass und Intoleranz ist. Ich freue mich daher auch schon jetzt auf die Fortsetzung.

Berlinale

Sunday, February 14th, 2010

Berlinale Bear in the Snow

Knapp über dem Schnee watet hier der Berlinale-Bär. Heute habe ich mich gleich mal ins Getümmel gestürzt und war in einem Film, nämlich in Весельчаки (englisch: Jolly Fellows). Der Episodenfilm (Filmtrailer ohne Untertitel) erzählt vom Leben verschiedener Drag Queens in Moskau. Ich hätte ihm die Höchstnote gegeben, wäre da nicht das völlig unangebrachte Ende gewesen. Man hatte wirklich das Gefühl, der Drehbuchautor habe keine Einfälle mehr. Das Ende ist überraschend tragisch und fast schon ärgerlich. Das gab einen Punktabzug.

Nächste Woche möchte ich mir noch den Dokumentarfilm הזמן הוורוד (englisch: Gay Days) ansehen, in dem es um die Entwicklung der israelischen Schwulenbewegung geht (der Titel müsste eigentlich – wie auch die israelische Schwulenzeitschrift – Pink Days heißen, dazu leider nur die hebräische Wikipedia). Mal sehen, ob es wieder so leicht sein wird, an Karten zu kommen.

Filmwarnung: The Time Machine

Tuesday, October 6th, 2009

Habe vor Kurzem Die Zeitmaschine im englischen Original gelesen und kann The Time Machine sprachlich und inhaltlich sehr empfehlen, besonders weil es dort auch um den Gegensatz von Materialismus und Immaterialismus geht (nur im Buch, nicht in den Verfilmungen!). Jetzt wollte ich natürlich auch die Verfilmung sehen, eigentlich die von 1960, die ich vor vielen Jahren schon mal auf dem Schwarz-Weiß-Fernseher meiner Großeltern gesehen hatte. Ich konnte mich noch dunkel erinnern, dass Die Zeitmaschine (1960) irgendwie in den Kalten Krieg verlegt worden war und die Eloi immer dann getötet wurden, wenn sie bei Atomalarm in den Bunker gingen, was natürlich für H. G. Wells noch kein Thema war.

Leider bekam ich stattdessen den falschen Film, nämlich die Neuverfilmung von 2002 (The Time Machine (2002)), vor dem ich warnen muss: Das Drehbuch ist furchtbar! Jede Art von tieferer Bedeutung ist einfach herausgefiltert worden. Der Film ist zäh, überhaupt nicht spannend, verstrickt sich in logische Pannen und Rührseligkeiten. Die Filmmusik ist streckenweise übertrieben dominant und unpassend. Komplett unerträglich ist der Film für Linguisten: Alle Personen sprechen amerikanisches Englisch des ausgehenden 20. Jahrhunderts mit zum Teil Westküstenakzent, egal ob es sich um New Yorker Pferdekutscher, Räuber oder Professoren handelt. Und obwohl die Eloi im 802. Jahrtausend eine andere Sprache sprechen, muss der Zeitreisende (im Unterschied zu dem der Buchvorlage) diese nicht lernen, weil sich sofort zwei Dolmetscher finden (der eine davon ein Kind). Sie haben diese 800000-Jahre alte Sprache so perfekt gelernt, dass sie sie mit dem gleichen Akzent sprechen, auch wenn ihnen hier und da mal ein Wort fehlt. Der Ober-Morlock (auch eine Erfindung aus dem verqueren Drehbuch) spricht natürlich auch perfekt Englisch, während die anderen Morlocks offenbar sprachlos sind.

Ich spare es mir, auf alle logischen Brüche des Filmes im Einzelnen einzugehen und empfehle, dieses Machwerk zu meiden! Da empfehle ich lieber das Buch, das als Wikisource-Text und anderweitig frei vorliegt.

Star Trek

Tuesday, May 12th, 2009

Today I finally had the opportunity to watch the new Star Trek movie, unfortunately in German. I liked it very much. I’ve never been a Trekkie, although Star Trek: The Original Series marked my childhood to a significant extent (in the beginning in black and white at my grandparents’ home). The real fans were perhaps unhappy about the changed timeline. On the other hand, changing the timeline (and thus the plot) is a good idea, especially to improve the suspense of the story, which takes place about the time between the last season of the television series and the first of the original series (set in the 2200s).

The film has to solve a difficult problem: it has to “marry” the poor optics of the original series with what is possible and expected from nowadays’ visual effects. In its plot, it introduces the main characters of the original series in their younger days (though in a changed timeline). Contrary to the original cowboy-like characters, they have a more down-to-earth love and sex life. Fortunately, this aspect is not too obnoxious. The actors are cute and play very professionally (again contrary to the original series). I liked Anton Yelchin best, who played the young Pavel Chekov.

All in all, this is a film that I can recommend to all who know the (original) series; for newcomers to Star Trek, the film is understandable, but a lot of fun is lost.

Primer

Wednesday, April 29th, 2009

In der letzten Woche habe ich den Film Primer (film) gleich zweimal gesehen, der möglicherweise schon jetzt für mich der Film des Jahres 2009 ist (obwohl er schon 2004 erschienen ist, aber von mir leider erst jetzt entdeckt wurde). Der Film ist nicht so leicht zu verstehen, und man muss ihn wohl mindestens zweimal sehen. Hilfreich ist vor allem der Artikel über den Film in der italienischen Wikipedia, weil dort die verschiedenen Zeitläufte sehr übersichtlich aufgelistet werden (unübersichtlicher ist eine englischsprachige Darstellung).

Keine Angst, ich werde hier nicht zu viel über den Film verraten; nur soviel: es geht um Zeitreisen, so ein bisschen im Stil der von mir sehr geschätzten Geschichten von Alfred Bester (in den Kritiken wird Robert Heinlein genannt – insbesondere seine Bootstrap-Geschichte –, aber Besters Geschichten treffen es eher). Die Zeitmaschine ist sehr realistisch: Das Besondere besteht darin, dass man sie zu einem Zeitpunkt A einschalten muss, dann zu einem Zeitpunkt B in sie einsteigen muss, um dann nach einem Zeitraum der Länge B-A wieder bei A aussteigen kann, um dann den Zeitraum von A bis B noch einmal zu durchleben. Während der Zeit gibt es einen dann zweimal. Die Wikipedia-Skizze veranschaulicht das sehr schön.

Wie immer ergeben sich aus so einer Konstellation eine Reihe von Zeit-Paradoxien, die im Film diskutiert werden: Was passiert, wenn der Zurückgereiste mit seinem „Original“ interagiert? Das Problem ist ja als Großvaterparadoxon schon häufiger diskutiert worden und wird hier sehr pragmatisch (meiner Ansicht nach zu pragmatisch) angegangen. Eine sehr interessante Besprechung des Films (von Jason Gendler) ist der Meinung, man könne mit der im Film gezeigten Zeitmaschine nie weiter zurückreisen, als bis zum Startzeitpunkt der ersten Zeitmaschine, was zunächst einmal einleuchtet, da man immer nur zu dem Zeitpunkt zurückreisen kann, zu dem man eine Maschine eingeschaltet hat. Was der Autor jedoch übersieht, ist die Rekursivität, die meines Erachtens im Film angesprochen wird (an einer Stelle geht es darum, eine Zeitmaschine in eine Zeitmaschine zu stecken): Wenn eine Person zum Zeitpunkt A zwei Zeitmaschinen (Z1 und Z2) einschaltet und dann zum Zeitpunkt B Z2 in Z1 steckt und selbst auch zu A zurückreist (was wieder eine Dauer von B-A hat), kann diese Person zum Zeitpunkt A Z2 betreten und mit Z2 über eine Zeitspanne von 2x B-A zurückreisen. (Es ist offensichtlich, dass man auch innerhalb der Zeitmaschine normal weiteraltert).

Jetzt sind bestimmt alle Leser meins Blogs komplett verwirrt – egal ob sie den Film kennen oder nicht. :-) Bleibt noch zu bemerken, dass ich nicht glaube, dass Rechtshänder beim Zeitreisen zu Linkshändern werden (und umgekehrt), wie Andrew Bacon in einem Blogartikel annimmt. (Wenn die Hirnhemisphären wechseln, müsste es noch mehr Nebeneffekte geben als blutende Ohren und undeutliches Schreiben. Andrews Idee ist aber sehr originell!)

Der Film ist übrigens auch deshalb so gut, weil seine Form (insbesondere der Filmschnitt) mit dem Inhalt korrespondiert (wie man in Jason Gendlers bereits erwähnter Besprechung nachlesen kann). Die sparsam eingesetzte Musik ist übrigens auch sehr schön.

Wer den Film jetzt (wieder) sehen will, kann das ganz legal (wieder und wieder) bei Google Video tun (“for free as in free beer”). Viel Spaß!

Slumdog Millionaire und andere Filme

Tuesday, March 24th, 2009

Kürzlich hatte ich die Gelegenheit, den achtfach oscarprämierten Film Slumdog Millionaire im Kino zu sehen. Die Geschichte ist an sich sehr banal – um so erstaunlicher ist, was der Drehbuchautor Simon Beaufoy und der Regisseur Danny Boyle daraus gemacht haben. Die Erzählstruktur des Films ist ungewöhnlich. Der Film beginnt offenbar nach den Ereignissen; wie der Zuschauer später merkt, befindet man sich eher mitten in der Geschichte (ich will hier nicht zu viel verraten). Dann gibt es einen Rückblich auf das Fernsehquiz, um das es geht, und zu jeder Frage immer einen biografischen Rückblick, der ein mehr oder weniger chronologisches Mosaik ergibt. Leider gibt es in der Geschichte ein paar unplausible Ereignisse. Schnitt und Kameraführung warten dafür mit ein paar Überraschungen auf: So kommt die Hauptperson einmal von rechts unten ins Bild. An einer Stelle verschiebt sich die Erzählung kurz auf die Metaebene, wenn jemand sagt, dass dort nicht gefilmt werden dürfe (am Ende gibt es dann noch mal eine Ebenenverschiebung). Zusammenfassend kann man den Filmstil als ‚expressionistisch‘ bezeichnen, vor allem wegen der harten und effektvollen Schnitte und der sehr ausdrucksstarken Bilder. Den fingierten Bollywood-Stil finde ich auch sehr gelungen. Aber Vorsicht: Der Film ist trotz aller filmischen Glanzleistungen eine Schmonzette!

Inzwischen habe ich auch die ebenfalls oscarprämierte Dokumentation The Times of Harvey Milk (wieder) gesehen. Ich empfehle ihn unbedingt als Ergänzung zu Milk und am besten sieht man die Doku nach dem Film, damit die Spannung nicht weg ist (selbst wenn man weiß, wie der Film endet). Außerdem ist dann der Überraschungseffekt größer, wenn man die realen Akteure nach den Schauspielern sieht.

Zum Schluss möchte ich noch zwei Filmkomödien empfehlen, die unbedingt im Original zu sehen sind: zum einen The Front Page von Billy Wilder: Solche Broadway-Komödien mit Jack Lemmon und Walter Matthau mögen ja nicht jedermanns Sache sein, aber die Karikatur von Presse und Politik ist nicht nur unterhaltsam, sondern durchaus auch lehrreich. Die andere empfehlenswerte Komödie ist Kind Hearts and Coronets, in der Sir Alec Guinness gleich acht Rollen spielt. Seine Wandlungsfähigkeit ist schon sehr beeindruckend und macht den Film sehenswert, der sonst ziemlich seicht ist.

Milk

Thursday, February 26th, 2009

Gestern Abend habe ich den Film Milk über Harvey Milk im Kino gesehen – leider auf Deutsch, was mich doch etwas geärgert hat, denn die deutsche Übersetzung ist manchmal holperig: Da es mehrfach vorkommt, ist mir das folgende Beispiel in Erinnerung geblieben: jemanden rekrutieren für ‚jemanden für seine Sache gewinnen‘. Es ist ja richtig, dass man ein Wort beim Synchronisieren nicht durch eine Phrase ersetzen kann, weil die Zeit nicht reicht, aber es wäre möglich gewesen, eine Übersetzung wie ‚ich möchte euch gewinnen‘ oder ‚ich möchte euch überzeugen‘ zu verwenden. Das war auch nicht die einzige Übersetzung, bei der ich stutzen musste.

Aber nun zum Film selbst: Ich finde ihn sehr gut. Er ist nicht ganz linear erzählt, was es dem Drehbuchautor ermöglicht, eine bereits bekannte Geschichte spannend zu erzählen. Das Untermischen von Originalfilmmaterial ist auch sehr gelungen. In einer gespielten Szene gibt es sogar eine zeitgenössische Straßenbahn, die möglicherweise extra dafür aus dem Museum geholt wurde (oder es war Bluescreen-Technik). Es überrascht also gar nicht, dass das Drehbuch bei der Oscarverleihung 2009 berücksichtigt wurde – wie übrigens auch der wandlungsfähige Hauptdarsteller Sean Penn. Bis auf wenige Ausnahmen ist auch die Filmmusik erwähnenswert. Das Gefühl der späten 1970er wird dadurch sehr eindrucksvoll vermittelt.

Vor langer Zeit habe ich mal den Dokumentarfilm The Times of Harvey Milk gesehen, den ich jetzt gern noch einmal sehen möchte. Das wäre eine schöne Ergänzung. Auf jeden Fall möchte ich Milk empfehlen (insbesondere wenn man San Francisco etwas kennt) – aber natürlich als version originale.