Archive for the ‘cinema’ Category

Frost/Nixon und Syriana

Thursday, February 19th, 2009

Ich habe mir in den letzten Tagen (wohl wegen der verpassten Berlinale) gleich zwei Kinoabende gegönnt und war beide Male sehr zufrieden: Zunächst habe ich den Film Frost/Nixon gesehen, der mir sehr gefallen hat. Eine an sich unspannende Geschichte ist sehr spannend erzählt (vielleicht an manchen Stellen etwas überdramatisiert), und besonders das Katz-und-Maus-Spiel der Hauptpersonen ist sehr schön in Szene gesetzt. Hinzu kommt die eindrucksvolle Filmmusik von Hans Zimmer, die der Komponist wohl relativ zeitgleich mit der Filmmusik für The Dark Knight komponiert hat, denn gewisse Anklänge lassen sich erkennen. Jetzt hätte ich Lust, mal das Originalinterview von David Frost mit Richard Nixon zu sehen. Ein bisschen erinnert der Film übrigens an den von mir bereits besprochenen und hochgelobten Film Interview (2007), das Remake von Interview – Nächtliche Geständnisse von Theo van Gogh, dessen Originalfilm ich unbedingt noch sehen will.

Der andere Film, den ich gesehen habe, ist der schon nicht mehr ganz so neue Film Syriana mit einem sehr eindrucksvollen George Clooney und einem etwas blass wirkenden Matt Damon (was ein bisschen an seiner Rolle liegt). Der Film ist in der ersten Hälfte sehr verwirrend, wird dann aber zunehmend spannungsgeladen. Auch wenn er ein paar Fragen offen lässt (zum Beispiel nach den Interessen und Hintermännern der Terroristen), ist der Film durchaus lehrreich. Dafür, dass er am Anfang jedoch so komplex erzählt wird, dass man über lange Zeit nicht durchschaut, worum ist geht, ist er am Ende etwas eindimensional.

Rost

Wednesday, February 11th, 2009

Christoph hat einen neuen Kurzfilm gedreht, der zwar nur 99 Sekunden dauert, aber doch Film noir-Qualitäten hat. Diesmal bin ich richtig prominent beteiligt. Ich sage zum Glück wenig und spiele trotzdem eine wichtige Rolle – sozusagen mein Beitrag zur Berlinale 2009. Die Musik des Films gefällt mir sehr und natürlich Christophs Regie! Die Filmaufnahmen haben wir am vorigen Wochenende gemacht, und es war sehr kalt. Bevor ich jetzt viele Worte verliere, verlinke ich lieber gleich den Film, der übrigens Rost heißt und für sich spricht. Demnächst wird es wohl auch noch eine „Langfassung“ von ca. 3 Minuten geben. Viel Spaß!

Gomorra

Tuesday, January 27th, 2009

Endlich habe ich den Film Gomorrha – Reise in das Reich der Camorra in der Originalfassung sehen können. Das war nicht ganz einfach, denn in Deutschland läuft der Film überwiegend synchronisiert, aber für mich war vor allem die Originalsprache interessant: das Neapolitanische. Nun war der Film endlich für wenige Tage im Original mit Untertiteln zu sehen. Leider waren meine Erwartungen etwas hoch und wurden – vielleicht weil sie so hoch waren – gar nicht erfüllt.

Die Laienschauspieler haben ihre Sache gut gemacht, aber leider kam die Handkamera zu oft zum Einsatz, was natürlich die Authentizität unterstreichen sollte, aber ich mag es nicht, wenn ich unter wackelnden Bildern oder unprofessionellen Bildausschnitten leiden muss. Zudem hat der Film erzählerische Mängel: die Geschichten haben zum Teil weder Anfang noch Ende oder weisen zumindest logische Brüche auf: Warum kommen zum Beispiel die Müllschieber in Schutzanzügen aus einem Container? Die Szene erschließt sich mir nicht. Wahrscheinlich muss man das Buch gelesen haben, um alles zu verstehen. Wieso explodiert das Boot, auf das die beiden jungen schießen? (Das ist völlig unerklärlich; man hat den Eindruck, dass es nur ein Effekt ist.) Warum bekommt jemand eine hohe Anzahlung für einen Auftrag, von dem der Auftraggeber weiß, dass die Auftragnehmer ihn nicht ausführen können, aber auch ohne Anzahlung annehmen würden? Der Auftraggeber sieht nicht so aus, als könne er Geld verschenken. In welchem Zusammenhang steht die Solariumszene des Anfangs mit den übrigen Episoden?

Der Film schildert Episoden aus der Welt der Camorra, ohne wirklich das System der Camorra deutlich zu machen. Es bliebt eigentlich bei der Botschaft: Wer sich darin verstrickt, kommt darin um – oder hat Glück. Das finde ich unbefriedigend. Vielleicht ist der Film aber nur eine Werbung für das gleichnamige Buch. Aber so richtig macht er keine Lust darauf.

My 2008 favorites

Sunday, December 21st, 2008

The Fountain

Tuesday, September 23rd, 2008

Am Sonntag habe ich The Fountain von Darren Aronofsky gesehen. Es ist ein leicht esoterischer Film, der ganz offensichtlich – wie viele Filme – von 2001: Odyssee im Weltraum inspiriert ist. Der Film vermischt drei Realitätsebenen, die auf den ersten Blick charakterisiert werden können als Vergangenheit (Spanische Invasion Südamerikas), Gegenwart (ein Medizin forscht an einer Arzenei, um die Krebskrankheit seiner Frau zu heilen) und Zukunft (ein Astronaut reist durch das Weltall). Es sind aber eigentlich keine reinen Zeitebenen, sondern die Geschichte des Konquistadors in Lateinamerika ist eine Geschichte in der Geschichte, nämlich ein Romanfragment, an dem die Frau des Mediziners arbeitet. Die Raumfahrt ist offensichtlich ein Traum des Mediziners, in dem sich traumtypisch die Realitäten mischen (sie tun das nämlich nur hier).

Der Film ist sehr poetisch und bietet eine Reihe von Interpretationsmöglichkeiten. Die Filmmusik wird gegen Ende (in der Raumfahrtszene) etwas gewöhnungsbedürftig. Wenn sich der Produzent da mehr an Stanley Kubrick orientiert hätte, wäre der Film noch besser geworden, den ich im Übrigen sehr empfehle. Er ist bei aller Philosophie auch noch spannend und hat die 7,5 bei IMDB durchaus verdient.

Inland Empire von David Lynch

Friday, September 19th, 2008

Neulich habe ich Inland Empire, den neuen Film von David Lynch gesehen. Es ist der letzte Film aus der Trilogie, die mit Lost Highway begann und mit Mulholland Drive fortgesetzt wurde. Allerdings ist Lost Highway ein geradezu geradliniger und gut verständlicher Film. Da ist Inland Empire vollkommen anders. Zum Glück hatte ich jemanden in meiner Nähe, der Polnisch konnte, und dem sich dadurch noch andere Interpretationen erschlossen haben, denn ein Teil der Dialoge ist auf Polnisch (ohne Untertitel). Es ist ein sehr seltsamer Film, in dem sich verschiedene Realitätsebenen durch einen Film im Film immer wieder mischen. Ich habe sogar den Eindruck, dass die erste Ebene möglicherweise gar nicht die erste (außerhalb des Films im Film) ist, was so ein bisschen an David Cronenbergs Film eXistenZ erinnert, der allerdings relativ leicht verständlich ist. Leider ist Inland Empire auch sehr lang, was ihn anstrengend macht. Ich kann den Film also nur empfehlen, wenn man wirklich Zeit und Muße hat und ein David-Lynch-Fan ist.

Für mich hatte der Film jedoch einen interessanten Nebeneffekt: Durch ihn habe ich Nina Simone entdeckt, die ich zwar schon mal gehört hatte, aber als Sängerin noch nicht bewusst kannte. Dafür hat es sich gelohnt!

Les Chansons d’amour

Tuesday, August 19th, 2008

Gerade komme ich aus Berlins schönstem Kino zurück, dem Kino International, wo sogar das Rauchverbotsschild noch volkseigen ist. Am schönsten sind ja die Plaste-Lüster im Barbereich, wo man durch riesige Fenster, die seit der Berlinale mit dem Berliner Bär verziert sind, einen sagenhaften Blick auf den Berliner Fernsehturm hat, bekanntermaßen die Antenne einer in Berlin abgestürzten Raumstation.

Heute gab es einen sehr schönen Kinofilm (in der Reihe Mongay), nämlich Les Chansons d’amour. Der Musikfilm erinnert so ein bisschen an 8 Frauen oder Das Leben ist ein Chanson, hat aber auch etwas „Hypersexuelles“ (den Terminus habe ich frei erfunden aufgrund eines Hinweises von Herrn Gesundbrunnen). Es ist ein zwar etwas tragischer, aber dennoch sehr hoffnungsvoller Wohlfühlfilm aus Frankreich, der mal wieder beweist, dass das europäische Kino sehr schön sein kann und möglicherweise unterschätzt wird. Sehenswert!

There Will Be Blood

Saturday, August 16th, 2008

Gerade habe ich den Film There Will Be Blood gesehen, der vom Ölrausch in Kalifornien und von religiösem Fanatismus handelt. Der Film basiert auf dem Roman Oil! von Upton Sinclair, ist aber nicht so stark gesellschaftskritisch angelegt, sondern konzentriert sich mehr auf die Personen und ihre Beziehung zueinander. Das Ende wirkt etwas gezwungen. Ein anderer Nachteil ist die sehr gewöhnungsbedürftige Filmmusik. Sie ist ja gar nicht so schlecht, aber anstrengend.

Zu empfehlen ist der Film jedoch wegen der schauspielerischen Leistung. Dass Daniel Day-Lewis den Oscar dafür gewonnen hat, ist wirklich nicht überraschend. Die englische Wikipedia nennt die von ihm verkörperte Rolle einen Greedmeister: Das Wort ist in noch keinem Wörterbuch zu finden, aber von der Wortbildung her sehr interessant, da ein deutsches Wortbildungselement verwendet wird (ähnlich wie englisch uber).

last.fm

Tuesday, August 5th, 2008

Gestern habe ich nach viel zu langem Zögern endlich last.fm ausprobiert. Ich war immer davon ausgegangen, dass das für mich mit meinem konfusen Musikgeschmack nicht taugt, denn ich mag ja besonders klassische Musik (Johann-Sebastian Bach, Franz Schubert, Gustav Mahler, Peter Tschaikowski, Richard Wagner und auch „Neoklassik“ wie Charles Ives, Edward MacDowell, Benjamin Britten), ein paar Unterbereiche des Jazz (Bossa Nova, Swing), a cappella-Gesang (von Johannes Brahms bis zu den Wise Guys), entspannte elektronische Musik, Chansons und vieles mehr. Und siehe da: meine ersten Versuche bei last.fm haben Erstaunliches zu Tage gebracht. Ich habe ein paar tolle Neu- und Wiederentdeckungen gemacht. Besonders interessant war die folgende Erfahrung: Ich schätze Hans Zimmer ja schon lange als Komponist genialer Filmmusik, aber habe seine Kompositionen praktisch nie losgelöst von Filmen wahrgenommen. Da mir last.fm ständig seine Kompositionen nahelegte, habe ich dann mal reingehört und war gleich begeistert. Hans Zimmer komponiert für seine Filme richtig gute (neu-) klassische Musik in Verbindung mit elektronischer und verwendet sehr geschickt Wagners Leitmotiv-Technik, die ja überhaupt sehr gut in die Filmmusik passt.

Da hätte die Musikindustrie gestern ganz schön an mir verdienen können, aber sie hat es mal wieder verbaselt: Den neuen Soundtrack von The Dark Knight gibt es zwar schon (The Dark Knight (soundtrack), Rezension, Interview mit den Komponisten Hans Zimmer und James Newton Howard), er wird aber in Deutschland erst vom 22. August an verkauft, dem Start des Kinofilms. Warum das so ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Es ist jedenfalls gar nicht verkaufsfördernd. Die Regelung, dass man erst auf den deutschen Filmstart warten muss, hat doch in der globalisierten Welt überhaupt keinen Sinn (und auch sonst nicht) – genauso wenig wie der Regionalcode für DVDs. Man hat geradezu den Eindruck, die Musikindustrie möchte ihren Markt zerstören.

Und noch eine Wiederentdeckung habe ich gemacht, die ich sogar schon auf meinem Rechner hatte: God Wrote in LISP (Text) – wer’s noch nicht kennt, aber schon mal was von Programmiersprachen gehört hat: Dieser Song und diese Programmiersprache sind ein Muss!

Update: Da mich mehrere Leute gefragt haben, hier mein last.fm-Nick: mahabln (nur für den Fall, dass mich jemand dort kontaktieren will).

Interview

Monday, August 4th, 2008

Gestern habe ich den Film Interview (2007) gesehen, das US-Neuverfilmung eines Films von Theo van Gogh (deutscher Titel: Interview – Nächtliche Geständnisse), den ich leider nie gesehen habe (muss ich nachholen!). Der Film spielt größtenteils in einem Raum und könnte auch als Theaterstück überzeugen. Ich würde dann gern die Rolle des Journalisten übernehmen. Der Film ist sehr dialoglastig, aber Theodor Holmans Dialoge sind sehr witzig, und es entsteht eine dezente Spannung. Es ist unglaublich, wie ohne Aufwand hier Spannung, ja geradezu Action entsteht, obwohl praktisch nichts passiert. Das Katz-und-Maus-Spiel der beiden Protagonisten ist großartig und sehr sehenswert.