Archive for the ‘cinema’ Category

My 2008 favorites

Sunday, December 21st, 2008

The Fountain

Tuesday, September 23rd, 2008

Am Sonntag habe ich The Fountain von Darren Aronofsky gesehen. Es ist ein leicht esoterischer Film, der ganz offensichtlich – wie viele Filme – von 2001: Odyssee im Weltraum inspiriert ist. Der Film vermischt drei Realitätsebenen, die auf den ersten Blick charakterisiert werden können als Vergangenheit (Spanische Invasion Südamerikas), Gegenwart (ein Medizin forscht an einer Arzenei, um die Krebskrankheit seiner Frau zu heilen) und Zukunft (ein Astronaut reist durch das Weltall). Es sind aber eigentlich keine reinen Zeitebenen, sondern die Geschichte des Konquistadors in Lateinamerika ist eine Geschichte in der Geschichte, nämlich ein Romanfragment, an dem die Frau des Mediziners arbeitet. Die Raumfahrt ist offensichtlich ein Traum des Mediziners, in dem sich traumtypisch die Realitäten mischen (sie tun das nämlich nur hier).

Der Film ist sehr poetisch und bietet eine Reihe von Interpretationsmöglichkeiten. Die Filmmusik wird gegen Ende (in der Raumfahrtszene) etwas gewöhnungsbedürftig. Wenn sich der Produzent da mehr an Stanley Kubrick orientiert hätte, wäre der Film noch besser geworden, den ich im Übrigen sehr empfehle. Er ist bei aller Philosophie auch noch spannend und hat die 7,5 bei IMDB durchaus verdient.

Inland Empire von David Lynch

Friday, September 19th, 2008

Neulich habe ich Inland Empire, den neuen Film von David Lynch gesehen. Es ist der letzte Film aus der Trilogie, die mit Lost Highway begann und mit Mulholland Drive fortgesetzt wurde. Allerdings ist Lost Highway ein geradezu geradliniger und gut verständlicher Film. Da ist Inland Empire vollkommen anders. Zum Glück hatte ich jemanden in meiner Nähe, der Polnisch konnte, und dem sich dadurch noch andere Interpretationen erschlossen haben, denn ein Teil der Dialoge ist auf Polnisch (ohne Untertitel). Es ist ein sehr seltsamer Film, in dem sich verschiedene Realitätsebenen durch einen Film im Film immer wieder mischen. Ich habe sogar den Eindruck, dass die erste Ebene möglicherweise gar nicht die erste (außerhalb des Films im Film) ist, was so ein bisschen an David Cronenbergs Film eXistenZ erinnert, der allerdings relativ leicht verständlich ist. Leider ist Inland Empire auch sehr lang, was ihn anstrengend macht. Ich kann den Film also nur empfehlen, wenn man wirklich Zeit und Muße hat und ein David-Lynch-Fan ist.

Für mich hatte der Film jedoch einen interessanten Nebeneffekt: Durch ihn habe ich Nina Simone entdeckt, die ich zwar schon mal gehört hatte, aber als Sängerin noch nicht bewusst kannte. Dafür hat es sich gelohnt!

Les Chansons d’amour

Tuesday, August 19th, 2008

Gerade komme ich aus Berlins schönstem Kino zurück, dem Kino International, wo sogar das Rauchverbotsschild noch volkseigen ist. Am schönsten sind ja die Plaste-Lüster im Barbereich, wo man durch riesige Fenster, die seit der Berlinale mit dem Berliner Bär verziert sind, einen sagenhaften Blick auf den Berliner Fernsehturm hat, bekanntermaßen die Antenne einer in Berlin abgestürzten Raumstation.

Heute gab es einen sehr schönen Kinofilm (in der Reihe Mongay), nämlich Les Chansons d’amour. Der Musikfilm erinnert so ein bisschen an 8 Frauen oder Das Leben ist ein Chanson, hat aber auch etwas „Hypersexuelles“ (den Terminus habe ich frei erfunden aufgrund eines Hinweises von Herrn Gesundbrunnen). Es ist ein zwar etwas tragischer, aber dennoch sehr hoffnungsvoller Wohlfühlfilm aus Frankreich, der mal wieder beweist, dass das europäische Kino sehr schön sein kann und möglicherweise unterschätzt wird. Sehenswert!

There Will Be Blood

Saturday, August 16th, 2008

Gerade habe ich den Film There Will Be Blood gesehen, der vom Ölrausch in Kalifornien und von religiösem Fanatismus handelt. Der Film basiert auf dem Roman Oil! von Upton Sinclair, ist aber nicht so stark gesellschaftskritisch angelegt, sondern konzentriert sich mehr auf die Personen und ihre Beziehung zueinander. Das Ende wirkt etwas gezwungen. Ein anderer Nachteil ist die sehr gewöhnungsbedürftige Filmmusik. Sie ist ja gar nicht so schlecht, aber anstrengend.

Zu empfehlen ist der Film jedoch wegen der schauspielerischen Leistung. Dass Daniel Day-Lewis den Oscar dafür gewonnen hat, ist wirklich nicht überraschend. Die englische Wikipedia nennt die von ihm verkörperte Rolle einen Greedmeister: Das Wort ist in noch keinem Wörterbuch zu finden, aber von der Wortbildung her sehr interessant, da ein deutsches Wortbildungselement verwendet wird (ähnlich wie englisch uber).

last.fm

Tuesday, August 5th, 2008

Gestern habe ich nach viel zu langem Zögern endlich last.fm ausprobiert. Ich war immer davon ausgegangen, dass das für mich mit meinem konfusen Musikgeschmack nicht taugt, denn ich mag ja besonders klassische Musik (Johann-Sebastian Bach, Franz Schubert, Gustav Mahler, Peter Tschaikowski, Richard Wagner und auch „Neoklassik“ wie Charles Ives, Edward MacDowell, Benjamin Britten), ein paar Unterbereiche des Jazz (Bossa Nova, Swing), a cappella-Gesang (von Johannes Brahms bis zu den Wise Guys), entspannte elektronische Musik, Chansons und vieles mehr. Und siehe da: meine ersten Versuche bei last.fm haben Erstaunliches zu Tage gebracht. Ich habe ein paar tolle Neu- und Wiederentdeckungen gemacht. Besonders interessant war die folgende Erfahrung: Ich schätze Hans Zimmer ja schon lange als Komponist genialer Filmmusik, aber habe seine Kompositionen praktisch nie losgelöst von Filmen wahrgenommen. Da mir last.fm ständig seine Kompositionen nahelegte, habe ich dann mal reingehört und war gleich begeistert. Hans Zimmer komponiert für seine Filme richtig gute (neu-) klassische Musik in Verbindung mit elektronischer und verwendet sehr geschickt Wagners Leitmotiv-Technik, die ja überhaupt sehr gut in die Filmmusik passt.

Da hätte die Musikindustrie gestern ganz schön an mir verdienen können, aber sie hat es mal wieder verbaselt: Den neuen Soundtrack von The Dark Knight gibt es zwar schon (The Dark Knight (soundtrack), Rezension, Interview mit den Komponisten Hans Zimmer und James Newton Howard), er wird aber in Deutschland erst vom 22. August an verkauft, dem Start des Kinofilms. Warum das so ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Es ist jedenfalls gar nicht verkaufsfördernd. Die Regelung, dass man erst auf den deutschen Filmstart warten muss, hat doch in der globalisierten Welt überhaupt keinen Sinn (und auch sonst nicht) – genauso wenig wie der Regionalcode für DVDs. Man hat geradezu den Eindruck, die Musikindustrie möchte ihren Markt zerstören.

Und noch eine Wiederentdeckung habe ich gemacht, die ich sogar schon auf meinem Rechner hatte: God Wrote in LISP (Text) – wer’s noch nicht kennt, aber schon mal was von Programmiersprachen gehört hat: Dieser Song und diese Programmiersprache sind ein Muss!

Update: Da mich mehrere Leute gefragt haben, hier mein last.fm-Nick: mahabln (nur für den Fall, dass mich jemand dort kontaktieren will).

Interview

Monday, August 4th, 2008

Gestern habe ich den Film Interview (2007) gesehen, das US-Neuverfilmung eines Films von Theo van Gogh (deutscher Titel: Interview – Nächtliche Geständnisse), den ich leider nie gesehen habe (muss ich nachholen!). Der Film spielt größtenteils in einem Raum und könnte auch als Theaterstück überzeugen. Ich würde dann gern die Rolle des Journalisten übernehmen. Der Film ist sehr dialoglastig, aber Theodor Holmans Dialoge sind sehr witzig, und es entsteht eine dezente Spannung. Es ist unglaublich, wie ohne Aufwand hier Spannung, ja geradezu Action entsteht, obwohl praktisch nichts passiert. Das Katz-und-Maus-Spiel der beiden Protagonisten ist großartig und sehr sehenswert.

Dave Van Ronk & Gus Van Sant

Monday, July 14th, 2008

Der neuste Film von Gus Van Sant Paranoid Park kam beim sonntäglichen Videoabend allgemein nicht so gut an, was vielleicht an der etwas eindimensionalen Geschichte lag. Filmisch fand ich ihn schon sehr interessant – vielleicht etwas zu anspruchsvoll im Vergleich zum Inhalt, den ich hier natürlich nicht verrate. Sehr ansprechend sind die Skateboard-Szenen, die mit einer verrauschten Camcorder-Technik aufgenommen wurden, diese und vielleicht zu häufig eingesetzte Zeitlupe haben eine sehr eigene, aber durchaus ansprechende Ästhetik. Jedenfalls gelingt es dem Regisseur, Gefühle und Stimmungen optisch zu vermitteln. (Bei dieser Gelegenheit muss ich gleich mal auf das Portal:Skateboarding und den Skateboarder-Jargon in der Wikipedia hinweisen, die hoffentlich nicht so bald den „Wikipedia-Löschern“ zum Opfer fallen werden.)

Auch dieser Film hat eine nicht-lineare Erzählstruktur (ich muss wohl nicht wieder erwähnen, dass ich das mag), die sich daraus ergibt, dass der Protagonist mehrfach ansetzt, seine Geschichte zu erzählen. Die Unterschiede zwischen den Versionen sind übrigens sehr interessant und lassen letztlich daran zweifeln, ob die letzte Version auch wirklich die einzig Richtige ist, bzw. ob sie genau so richtig ist, wie sie hier erzählt wurde.

Nach dem Film legte hukl dann noch ein paar Songs von Dave Van Ronk auf, von denen ich einige kannte, ohne Dave Van Ronk zu kennen, der dann aber gleich zu meinen Lieblingssängern aufstieg – zumindest für verregnete Sommerabende, wenn der Blues über einen kommt.

Lord of War

Sunday, July 13th, 2008

Gestern habe ich den Film Lord of War gesehen, den ich bis dahin irgendwie ignoriert hatte, wohl weil ich den Hauptdarsteller Nicolas Cage nicht sehr mag. Ich finde, er hat kaum Ausstrahlung und spielt auch nicht sehr überzeugend – eher etwas hölzern. Schade, denn der Film ist sehr gut. Die Dialoge sind sehr gut geschrieben, manchmal jagen sich die Pointen so schnell, dass man vor Lachen die nächste Pointe fast überhört. Dabei ist es natürlich keine Komödie, sondern ein sehr informativer Film über den Waffenhandel. Besonders gelungen ist die Bildsprache: Ein schöner Kameraschwenk jagt den nächsten und der Filmschnitt ist sehr gelungen. Insbesondere im ukrainischen Waffendepot gibt es ein paar sehr gelungene Bilder, die Reise einer Patrone am Anfang des Films ist sehr eindrucksvoll und die Darstellung der Hochzeit der Hauptpersonen ist in der Endversion sehr gelungen. Text, Kamera und Schnitt sind geschickt aufeinander abgestimmt, so dass man wirklich erkennen kann, dass zwischen den beteiligten Künstlern zusammengearbeitet wurde und dass der Regisseur Andrew Niccol den Überblick behalten hat. Auch sein früherer Film Gattaca fiel ja schon sehr angenehm auf.

Besser als Cage spielt übrigens (erwartungsgemäß) Ethan Hawke, der allerdings leider im Drehbuch etwas zu kurz kommt. Niccol erwähnt in einem Interview, dass die Ambivalenz des von Hawke verkörperten Ermittlers so interessant fand. Das wird aber nicht wirklich herausgearbeitet.

Der Soundtrack ist auch sehr gelungen, besonders die Gitarrenmusik ist eindrucksvoll. Auf den Walkürenritt hätte ich allerdings verzichtet; aber vielleicht ist das nur für ein europäisches Publikum zu platt. Es sollte vielleicht nur an den Klassiker Apocalyse Now erinnern.

Eigentlich sollte es mehr solche Filme geben, die zugleich sehr unterhaltsam wie aufklärend sind. Es macht dann auch nichts aus, dass der Film zwei Stunden dauert. Die vergehen garantiert im Flug!

Dr. Seltsam

Monday, June 30th, 2008

Als ich am Freitag erzählte, dass ich den Kultfilm Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben noch nie gesehen hatte, wurde er sofort hervorgekramt, und es kam zu einem spontanen Videoabend. So konnte ich gleich feststellen, warum dieser Film Kultstatus errungen hat: Einige Szenen (zum Beispiel die am öffentlichen Telefon) sind derart absurd, dass man den Film einfach lieben muss. Wenn Peter Sellers anfängt zu improvisieren, gelingen besonders interessante Szenen, so zum Beispiel die Szene, in der er als US-Präsident mit seinem russischen Kollegen telefoniert. Obwohl man nur seine Worte hört, kann man ziemlich genau erschließen, was auf der anderen Seite gesagt wird. Das ist schon aus gesprächsanalytischer Sicht einfach großartig. Man erkennt sehr deutlich, dass hier improvisiert ist, weil deutlicher mehr Merkmale gesprochener Sprache auftreten als im Drehbuch-Text.

Der Film ist übrigens eine Quelle von Filmzitaten, was mir aber erst klar wurde, als ich jetzt das Original gesehen habe; bisher dachte ich der Film Dark Star sei vor allem eine Parodie des Films 2001: Odyssee im Weltraum (ebenfalls von Stanley Kubrick), aber er enthält mehr Bezüge zu Dr. Seltsam. Es ist sicher ein Film, der sehr hilfreich ist, um das 20. Jahrhundert besser zu verstehen.