Archive for the ‘life, the universe & everything’ Category

My favorites 2009

Saturday, January 2nd, 2010
  • best movie I saw in 2009: Primer, a must-see low-budget cult movie on time traveling,
  • best TV series: Seinfeld: this is not a new series, but I got the complete collection only this year (thanks to hukl), and enjoyed it so much!
  • best book I read in 2009: A Most Wanted Man by John le Carré, a most plausible story about post-cold-war espionage in Germany,
  • best podcast, as in 2008 & 2007: Der Tag, on Hessischer Rundfunk; this year’s best episode: Yo-ho und ne Buddel voll Bits (Yo-ho and a bottle of bits),
  • best Compact Disk I bought in 2009: I can hardly believe I didn’t buy any; obviously, the age of the CD is over,
  • best music I discovered in 2009: Dave Van Ronk’s songs;
  • in June 2009, I finally bought an iPhone, so here’s the best App I found so far: iThoughts, a very practical mindmapping tool, which made me rediscover mindmapping.

Bildungsproteste

Friday, November 20th, 2009

Im Januar dieses Jahres hatte ich zusammen mit einem Kollegen eine Podiumsdiskussion zur notwendigen Reform des Bologna-Reformen veranstaltet, die leider nur sehr schwach besucht war. Dass nun im gleichen Hörsaal die studentischen Protestveranstaltungen stattfinden, freut mich da natürlich besonders. Es ist ganz wichtig, dass sich die Studierenden rühren, denn Professorenprotest verhallt bei den derzeitigen Bildungspolitikern größtenteils ungehört – Millionen protestierender Studenten haben da sicher einen anderen Effekt.

Und wieder geben sich Politiker merkbefreit – selbst solche, die es von Amts wegen eigentlich wissen sollten: Bildungsministerin Annette Schavan hat eben noch die Dynamik des Bologna-Prozesses gelobt und stellt jetzt angesichts der Proteste eine BAFöG-Erhöhung in Aussicht. Eine BAFöG-Erhöhung ist sicher überfällig, aber darum geht es doch den protestierenden Studenten gar nicht – jedenfalls nicht in erster Linie. Der Vorsitzende des RCDS, der nun wirklich wissen sollte, worum es geht, versteht die Ziele des Protestes nicht und hält die Aktionen für „Bequeme Fundamentalkritik“. Damit reiht er sich ein in die Riege der Internetausdrucker, obwohl man bezweifeln kann, dass er sich die im Netz unter dem Internet-Mem #unibrennt aufgeflammte Diskussion ausgedruckt hat – zur Kenntnis genommen hat er sie jedenfalls nicht.

Worum es eigentlich geht, fasst Julian Nida-Rümelin in einem Fernsehinterview sehr treffend zusammen: Gemessen an ihren eigenen Ansprüchen ist die Bologna-Reform in Deutschland komplett gescheitert, jetzt muss es darum gehen, die Reform zu reformieren. Nida-Rümelin fordert im Übrigen eine Verdoppelung der Bildungsausgaben. Wenn ich mir die finanzielle Situation der Hochschulen – selbst im reichen Bayern – anschaue, muss ich davon ausgehen, dass eine Verdoppelung hier kaum, in manchen norddeutschen Ländern mit Sicherheit nicht reichen wird.

Neben der Reform der Bologna-Reformen und der Steigerung der Bildungsausgaben müssen weitere Verbesserungen durchgesetzt werden:

  • Vor allem die prekären (und oft fehlenden) Arbeitsbedingungen für den wissenschaftlichen Nachwuchs und den akademischen Mittelbau müssen dringend verbessert und das Lehrdeputat für alle in Forschung und Lehre tätigen Universitätsangehörigen verringert werden.
  • Außerdem dürfen Wissenschaftler grundsätzlich nicht für wissenschaftsfremde Tätigkeiten in Anspruch genommen werden wie Evaluationen, Akkreditierungen, Verwaltungs- und Managementaufgaben (die über die sicherlich notwendige akademische Selbstverwaltung hinausgehen).
  • Die Willensbildung innerhalb der Hochschule muss von den Lehrenden und Studierenden ausgehen, und darf nicht externen Hochschulräten und einem Lean-Management überlassen werden.
  • Die anonyme Gängelung von Studierenden durch Hochschulinformationssysteme, die diesen Namen nicht verdienen, muss ein Ende haben.

Ich bin zuversichtlich, dass sich aufgrund der unüberhörbaren Proteste jetzt tatsächlich etwas ändern wird.

Halloween

Monday, November 2nd, 2009

Neueren Erkenntnissen zufolge soll Halloween auf eine von Martin Luther gestiftete Tradition namens Halo Wahen zurückgehen. Das erklärt wohl auch den Feiertag in Brandenburg, den die S-Bahn Berlin in diesem Jahr bei der Planung des Sonderfahrplans offenbar übersehen hatte. Jedenfalls stapelten sich am Samstag gruselig gekleidete Brandenburger in Kurzzügen.

Jedes Jahr vergesse ich es wieder, mich aus dem Staub zu machen oder wenigstens mit genügend Schokolade einzudecken, um dem Trick-or-treating gewappnet zu sein. Ich habe ja im letzten Jahr der ersten Gruppe eine Tafel Milka gegeben, was sich wohl schnell herumgesprochen hatte, denn ich konnte mich des Ansturms danach nicht mehr erwehren. Irgendwann drohten meine Süßigkeiten dem Ende zuzugehen. Ich hatte noch einen Tux aus Schokolade, den mir begeisterte Linux-Freunde geschenkt hatten und dessen Verzehr ich nicht übers Herz gebracht hatte. Auch ihn musste ich preisgeben.

Dann hatte ich wirklich keine Süßigkeiten mehr, was nicht ganz so schlimm war, da das Alter der Halloweener gegen Abend allmählich stieg. Ich begann also, als Nächstes meine Sammlung bunter T-Shirts aufzulösen und gab ihnen noch ein paar AOL-CDs dazu (da die heute nicht mehr bekannt sind, wurden sie für wertvoll gehalten). Da ich befürchten musste, auch mein letztes Hemd herausgeben zu müssen, entschloss ich mich dann doch zur Flucht. Auf der Straße lief ich Freddy Krueger in die Arme, der mich zur Herausgabe meiner Halspastillen zwang; jetzt weiß ich auch, warum er relevant genug für die deutsche Wikipedia ist – leider ohne Bild. Unter den Linden (statt Unter den Ulmen) wirkte er kaum deplatziert.

In diesem Jahr liefen auffällig viele Leute mit Staubschutzanzügen herum (möglicherweise hatten sie ja andere Kleidungsstücke verschenken müssen). Die Staubschutzanzüge – zum Teil mit roter Farbe befleckt – waren wohl von der letzten Partie Killerschach übrig geblieben.

Den diesjährigen Halloween-Abend verbrachte ich im Café Voland, das ja – passend zum Tag – nach dem Voland aus Der Meister und Margarita benannt ist. Bei Live-Musik und einer ukrainischen Borschtsch-Spezialität stieß ich mit einem Балтика № 4 «Оригинальное» auf das Wohl der großartigen Verka Serduchka an. Das verlieh mir Mut für die Begegnungen mit Jason Voorhees, Angela Franklin, Imhotep und anderen „Irrelevanten“, die mir auf dem Rückweg nicht erspart blieben.

Mein Fazit: Nicht nur Hunde sollten Halloween meiden!

Filmwarnung: The Time Machine

Tuesday, October 6th, 2009

Habe vor Kurzem Die Zeitmaschine im englischen Original gelesen und kann The Time Machine sprachlich und inhaltlich sehr empfehlen, besonders weil es dort auch um den Gegensatz von Materialismus und Immaterialismus geht (nur im Buch, nicht in den Verfilmungen!). Jetzt wollte ich natürlich auch die Verfilmung sehen, eigentlich die von 1960, die ich vor vielen Jahren schon mal auf dem Schwarz-Weiß-Fernseher meiner Großeltern gesehen hatte. Ich konnte mich noch dunkel erinnern, dass Die Zeitmaschine (1960) irgendwie in den Kalten Krieg verlegt worden war und die Eloi immer dann getötet wurden, wenn sie bei Atomalarm in den Bunker gingen, was natürlich für H. G. Wells noch kein Thema war.

Leider bekam ich stattdessen den falschen Film, nämlich die Neuverfilmung von 2002 (The Time Machine (2002)), vor dem ich warnen muss: Das Drehbuch ist furchtbar! Jede Art von tieferer Bedeutung ist einfach herausgefiltert worden. Der Film ist zäh, überhaupt nicht spannend, verstrickt sich in logische Pannen und Rührseligkeiten. Die Filmmusik ist streckenweise übertrieben dominant und unpassend. Komplett unerträglich ist der Film für Linguisten: Alle Personen sprechen amerikanisches Englisch des ausgehenden 20. Jahrhunderts mit zum Teil Westküstenakzent, egal ob es sich um New Yorker Pferdekutscher, Räuber oder Professoren handelt. Und obwohl die Eloi im 802. Jahrtausend eine andere Sprache sprechen, muss der Zeitreisende (im Unterschied zu dem der Buchvorlage) diese nicht lernen, weil sich sofort zwei Dolmetscher finden (der eine davon ein Kind). Sie haben diese 800000-Jahre alte Sprache so perfekt gelernt, dass sie sie mit dem gleichen Akzent sprechen, auch wenn ihnen hier und da mal ein Wort fehlt. Der Ober-Morlock (auch eine Erfindung aus dem verqueren Drehbuch) spricht natürlich auch perfekt Englisch, während die anderen Morlocks offenbar sprachlos sind.

Ich spare es mir, auf alle logischen Brüche des Filmes im Einzelnen einzugehen und empfehle, dieses Machwerk zu meiden! Da empfehle ich lieber das Buch, das als Wikisource-Text und anderweitig frei vorliegt.

MetaRheinMain

Tuesday, September 8th, 2009

Am letzten Wochenende war ich auf einer Veranstaltung des Chaos Computer Clubs Darmstadt (einschließlich Mainz und dem Umfeld aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet), die weil sie eben das Rhein-Main-Gebiet umfasst, den klangvollen Namen MetaRheinMain Chaos Days hat. Für mich war es vor allem eine Möglichkeit, Leute zu treffen, mit denen ich normalerweise nur virtuell zu tun habe. Daher habe ich mir auch gar nicht viele Veranstaltungen angesehen, sondern mehr mit anderen Teilnehmern gequatscht, zumal ich hoffe, dass viele Vorträge dann auch noch online zu haben sind.

Gleich am ersten Abend gab es einen Höhepunkt im Programm: Ein Podiumsgespräch zwischen padeluun, Julius Mittenzwei (CCC) und Brigitte Zypries. Anders als ich erwartet hatte, gab es kaum Politiker-Geschwurbel, dafür mehr Clownerien von padeluun. Hätte der Moderator Holger Klein ihn mehr gezügelt, wäre die Veranstaltung weniger unterhaltsam gewesen, dafür wäre Julius’ sachliche Argumentation besser zur Geltung gekommen. Überhaupt wurde deutlich, dass Politiker und Aktivisten gute Moderatoren brauchen, Holger ist sicher ein solcher! Schade war bloß, dass aus dem Publikum keine Fragen gestellt werden konnten.

Der Vortrag von Jörg Tauss am nächsten Tag hat mich etwas enttäuscht, denn es fehlte eine klare Linie. Er hat sehr assoziativ über alle möglichen Themen gesprochen, die ihm am Herzen liegen. Zum Glück waren die Fragen aus dem Publikum überwiegend sehr interessant. Den Auftritt von Franziska Heine habe ich leider verpasst, weil ich selbst einen Programmbeitrag parallel geleitet habe.

Insgesamt war die Veranstaltung sehr politiklastig. Ich frage mich auch, ob Politiker wirklich auf CCC-Veranstaltungen so prominent auftreten sollten. Sicher ist der CCC ein Bürgerrechtsverein, in dem es um die Verbindung von Technik und Politik geht, aber hier stand die Politik sehr im Vordergrund, was ja in den heutigen Zeiten auch nicht überrascht.

Lange Nacht der Museen und Staatsoper für alle

Sunday, August 30th, 2009

An diesem Wochenende fand zum 25. Mal die Lange Nacht der Museen statt, für mich war es wohl die dreiundzwanzigste, was ja auch keine schlechte Zahl ist. Auch diesmal war ich wieder mit ein paar netten Leuten unterwegs und erkundete die nächtliche Museenlandschaft.

  • Wir starteten wie so oft beim Schwulen Museum. Die Zeichnungen von Herbert List fand ich zwar nicht so überzeugend wie seine Fotos, aber dafür ist die Lange Nacht ja da, dass man auch mal was anderes sieht. Die Dauerausstellung und die Sonderausstellung der Sammlung Piske lohnen jedoch einen Besuch.
  • Pariser Platz
  • In der Akademie der Künste Berlin haben wir dann die Ausstellung Kunst und Revolution über die Wendezeit in Berlin. Das nebenstehende Foto habe ich aus dem Akademiegebäude aufgenommen. Die Ausstellung ist an sich nicht so interessant, aber zusammen mit der dazu passenden Ausstellung im Kunstgewerbemuseum Berlin mit dem Titel „In Grenzen frei“ ergibt sich ein interessanter Eindruck.
  • Der Tod von Edward Kennedy hatte mich spontan auf die Idee gebracht, das private Museum The Kennedys direkt gegenüber der Akademie zu besuchen. Die Ausstellung zeigt sehr schön, wie die Medien von den Kennedys ausgenutzt wurden, um sich ins rechte Licht zu setzen (von wegen Vierte Gewalt!).
  • Danach ging es zur Ausstellung ]Mythos Germania[ der Berliner Unterwelten über Albert Speers Projekt einer Welthauptstadt Germania. Die Ausstellung, die noch bist zum Jahresende zu sehen ist, kann ich sehr empfehlen, da sie einmal mehr die Abgründe des Nationalsozialismus sehr plastisch vor Augen führt.
  • Der anschließende Besuch im Kunstgewerbemuseum Berlin ergänzte den Besuch in der Akademie der Künste. Die Ausstellung „In Grenzen frei“ zeigt zum Teil staatliche Auftragsarbeiten derselben Künstler, die auch in der Akademie ausstellen: Diese Arbeiten wirken natürlich ganz anders – wie mir bei Roger Melis auffiel. Außerdem lernte ich, dass es offenbar nur Frauenmode im Exquisit-Laden gab. Jedenfalls scheint keine Männermode beworben worden zu sein.
  • Im Musikinstrumenten-Museum Berlin sahen wir dann den Stummfilm Der letzte Mann (1924) von Friedrich Wilhelm Murnau mit dem ersten Oscar-Preisträger Emil Jannings. Der Film wurde auf der Wurlitzer-Kinoorgel live begleitet. Das war recht eindrucksvoll, obwohl ich die Begleitung zu strauss-lastig fand.

Open Air Concert

Die Lange Nacht hatte ein „Nachspiel“ im sonntäglichen Freiluft-Auftritt der Staatskapelle Berlin: Unter dem Titel Staatsoper für alle wurde unter Daniel Barenboim auf dem Bebelplatz die Ouvertüre Romeo und Julia und die fünfte Sinfonie von Pjotr Iljitsch Tschaikowski gegeben. Durch den Kontrast mit der frühen Ouvertüre wirkt die fünfte Sinfonie besonders beeindruckend – zumal bei gutem Wetter und bester Stimmung auf dem mit 53000 Zuschauern übervollen Bebelplatz.

Klarmachen zum Ändern – ein politischer Paradigmenwechsel

Thursday, June 18th, 2009

In der Politik entdecke ich Anzeichen für einen sich gerade abspielenden Innovationsprozess, den ich als Paradigmenwechsel bezeichnen möchte. Das Konzept kommt aus der Wissenschaftstheorie und ist auch dort umstritten, denn neue Zusammenhänge kommen in Wissenschaft, Gesellschaft und Politik immer allmählich auf und existieren zunächst parallel zu Altem (am Rande bemerkt: das gilt natürlich auch für sprachliche und kulturelle Innovationen). So ist es wohl auch hier: es handelt sich mehr um evolutionäre als revolutionäre Veränderungen, die die folgenden Punkte betreffen:

  • Wege und Medien der politischen Kommunikation verändern sich;
  • die Themen der Politik verschieben sich;
  • die Parteienlandschaft strukturiert sich um.

Wege und Medien politischer Kommunikation

Hierzu muss nicht viel gesagt werden. Selbst die FAZ hat schon Twitter entdeckt – blogs usw. sowieso. Wahlplakate und Wahlwerbespots sind hingegen meist aussagearm und erinnern an Seifenwerbung.

Themen der Politik

Wenn ich mir die vorrangigen Themen der großen Parteien anschaue, geht es um: Arbeitsmarktpolitik, Wirtschaftswachstum und Steuersenkungen. Die Themen, die mich interessieren, spielen eine untergeordnete Rolle oder werden komplett ignoriert: Bildungspolitik, Bürger- und Grundrechte, IT-Grundrecht und Datenschutz, offene und freie Lizenzen für Software und Inhalte, Patentrechtsreform, Netz- bzw. Infrastrukturneutralität. Ich stehe keineswegs allein mit diesen Interessen, und hier zeichnen sich schon erste, zaghafte Veränderungen ab: Die Bildungspolitik rückt wieder in den Vordergrund, der Datenschutz bekommt mehr Aufmerksamkeit und auch die anderen Themen finden hin und wieder ihren Weg sogar in traditionelle Medien. Das ist typisch für Veränderungen: das zunächst allmähliche Ansteigen des Interesses.

Parteienlandschaft

Hier sind die Zeichen der Veränderung am deutlichsten: Der CDU/CSU sterben die Wähler einfach weg, wie eine in der Zeit veröffentlichte Statistik zeigt. Der SPD laufen sie eher davon, was ja angesichts des Umfallens der „Stoppschildbürger-Partei Deutschland” in Sachen Netzausblendung vor allem im Internet besonders deutlich wird (nur ein eindrucksvolles Beispiel:lobenswerter offener Brief von SPD-Kandidat Torben Friedrich). Symptomatisch sind hier auch die Piraten in der SPD (danke Florian!).

Ich will jetzt hier nicht weiter auf die SPD eindreschen, obwohl ich allen Grund dazu hätte: Ich war nämlich auf dem Treffen des SPD-Parteivorstands mit „dem Internet“ dabei und habe schnell gemerkt, wie versucht wird, uns zu instrumentalisieren, um eine Zustimmung zum Netzausblende-Gesetz zu rechtfertigen („Erfolg der Netz-Community“); weshalb nach dem Öffnen der Büchse der Pandora weitere Gespräche abgesagt wurden; sogar der Online-Beirat zog Konsequenzen. Auch manche SPD-Kandidaten sind wenig begeistert.

Der Partei Bündnis 90/Die Grünen verzeihe ich ja den deutschen Kriegseinsatz in Afghanistan nicht (auch Peter Scholl-Latour bezeichnet die „Friedensmission“ [Neusprech!] als Krieg, den wir verlieren werden), selbst wenn ich den Grünen nahe stehe. Ich denke aber, dass die Grünen im Gegensatz zu den genannten Parteien tatsächlich eine Zukunft haben werden, denn Die Grünen vertreten eine Reihe der oben genannten Themen. Sie haben sogar die Chance einen Teil der konservativen Wähler für sich zu gewinnen. So sind in der Familienpolitik die Grünen die einzige Partei mit einigermaßen zeitgemäßem Programm (schwul-lesbische Partnerschaften, Patchwork-Familien usw.), aber Familienpolitik ist nicht mein Interessengebiet.

Die FDP erntet ja zur Zeit schon sehr bei der CDU. Das ist in Zeiten einer großen Koalition nur folgerichtig. Wenn die FDP auch die Themen Bürgerrechte und Bildungspolitik wieder verstärkt vertritt, hat sie gute Aussichten, zu einer wichtigen politischen Rolle zurückzufinden. Die Zukunft der Linken ist hingegen schwer einzuschätzen.

Die Piratenpartei hat sehr große Chancen, sich ebenfalls längerfristig in die Politik einmischen zu können. Sie vertritt interessanterweise genau die Punkte, die ich oben als nicht nur für mich wichtige Themen angeführt habe und ist damit natürlich keine Ein-Themen-Partei: Gerade die Infrastrukturneutralität ist eine Frage, die nicht nur mit Grundrechten zusammenhängt, sondern auch eine wirtschaftspolitische Dimension hat, denn Infrastrukturneutralität ist eindeutig gegen eine Staatswirtschaft gerichtet und auch gegen Deregulierung. Bildung, offene/freie Lizenzen und eine Patentrechtsreform haben ebenfalls eine ganz starke wirtschaftliche Komponente neben der kulturellen und sozialen.

Viele Leute sagen, dass man die Piratenpartei nicht wählen dürfe, weil man wegen der 5%-Klausel seine Stimme verschenke. Das ist Unsinn, denn eine Stärkung der Piratenpartei ist ein wichtiges politisches Signal an andere Parteien, die Anliegen der Netznutzer ernst zu nehmen. Das zeichnet sich ja gerade schon ab. Solang sich aber keine andere Partei die Anliegen der Piraten zu eigen macht (was im Moment nicht absehbar ist), bleiben die Piraten auf Kurs über die 5%-Hürde hinweg, wie die Juniorwahl zeigt.

Glaskugel

Die CDU/CSU wird sicher als Partei der Älteren mit einem Anti-Internet- und Zukunftsangst-Programm („Keine Experimente“) weiterhin eine gewisse Rolle spielen. Die SPD ahmt diese Strategie gerade nach, aber da empfiehlt sich das Original natürlich mehr. Nur wenn die SPD zu einem sozial-liberalen Politikverständnis zurückfinden sollte, wird sie sich weiter behaupten können. Die stärksten Parteien werden bald wohl Bündnis 90/Die Grünen und die FDP sein; Piratenpartei und Linke werden ebenfalls mitspielen. Dieser Blick in die Glaskugel betrifft natürlich noch nicht die kommende Bundestagswahl. Dort wird es möglicherweise zu einer Verlängerung der großen Koalition kommen, da die Stärke der FDP die Schwäche der CDU/CSU ist. Die jüngsten politischen Entscheidungen zeigen jedoch, dass das keine gute Kombination ist.

Update 19.6.09: Die Zahlen von Alexa bestätigen, dass die Piratenpartei die Webpartei ist, und zwar mit Abstand. Daraus lässt sich schließen, dass sie auf Erfolgskurs ist.

Die Qual der Wahl

Wednesday, June 3rd, 2009

Die Europawahlen stehen bevor, und ich bin immer noch unentschieden. Laut Wahl-o-mat kommen für mich drei Parteien in Frage:

  • Bündnis 90/Die Grünen: Mit dieser Partei gibt es viele Übereinstimmungen, aber ich habe auch so meine Schwierigkeiten: So haben die Grünen bei der Überwachungsgesetzgebung mitgewirkt und gehen meiner Ansicht nach zu unkritisch mit deutschen Auslandseinsätzen um (als pazifistische Partei!). Vielleicht erklärt der inzwischen latente Pazifismus der Grünen auch ihr „Signal gegen Computer-‚Killerspiele‘“ – ein weiterer Grund, warum ich die Partei nicht so recht verstehe. Vielleicht erklärt mir das noch jemand. Die Grünen zu wählen, hätte den Vorteil, mit meiner Wahl nicht unter die 5%-Klausel zu fallen.
  • Diesen Vorteil gibt es auch bei der SPD, aber auch hier spielen die schon bei den Grünen genannten Bedenken eine gewisse Rolle; hinzu kommt meine Enttäuschung, dass die SPD an einem Internetausblendegesetz festhält (pdf). Die SPD ist offenbar (noch) nicht im Internetzeitalter angekommen.
  • Internetpartei ist vielmehr die Piratenpartei. Mit der bin ich aber auch nicht in allen Punkten glücklich:
    • Die Durchsicht des Wikis der Partei (toll, dass sie so etwas haben!) zeigt, dass die Partei einen engen thematischen Fokus hat. Daher ordnet der Tagesspiegel sie in seiner Parteienübersicht auch – vielleicht zu unrecht – unter die Ein-Themen-Parteien.
    • In der Frage des Nichtraucherschutzes ist mir die Haltung der Piraten nicht ganz klar, aber offenbar wird eine gesetzlicher Nichtraucherschutz in der Gastronomie eher kritisch gesehen.
    • Die Piratenpartei ist glücklicherweise gegen eine Kulturflatrate (obwohl es zunächst anders aussieht), aber ich halte einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk (als Podcastnetzwerk!) für unentbehrlich. Der Gebühreneinzug muss zwar anders organisiert werden als bisher, aber auf die Gebührenfinanzierung sollte nicht verzichtet werden. Die Position der Piratenpartei ist da leider etwas unausgegoren.
    • Zentrales Thema der Piratenpartei ist die Neuregelung des Urheber- und Verwertungsrechts. Ich selbst habe ja vier Bücher geschrieben, die deshalb lektoriert und verlegt wurden, weil sich Verlage einen Gewinn versprochen (und wahrscheinlich auch gemacht) haben. Jetzt hätte ich natürlich auch im Netz publizieren können, allerdings wäre dann das Lektorat entfallen, und die Publikationen wären deutlich schlechter gewesen.
  • Europa – Demokratie – Esperanto ist natürlich eine Partei, deren Wahl für mich als Esperanto-Sprecher nahe liegt, zumal ich ja auch die Aktiven der Partei zum Teil kenne. Allerdings ist habe ich da auch kritische Anmerkungen: Das Durchschnittsalter der (meist männlichen) Kandidaten ist viel zu hoch (wie übrigens auch bei den etablierten Parteien), Themen die nichts mit der Sprachenfrage zu tun haben, werden im Programm nicht behandelt. Was ist mit Umweltpolitik, Agrarwirtschaft, Nichtraucherschutz, Atomenergie usw.?

Letztlich wird man keine Partei finden, mit der man völlig übereinstimmt. Aber es bleibt die Qual der Wahl! Für Hinweise und Entscheidungshilfen bin ich dankbar. Eigentlich weiß ich nur, was ich nicht will: homophobe Parteien (davon gibt es ja diesmal gleich mehrere), Parteien, die die EU-Mitgliedschaft der Türkei kategorisch ausschließen, nationalistische und religiös-fundamentalistische Parteien gehören wohl nicht ins Europaparlament.

Eurovision 2009

Sunday, May 17th, 2009

Gestern gab es anlässlich des Eurovision Song Contest 2009, den ich immer noch lieber „Grand Prix Eurovision“ nenne, wieder eine Grand-Prix-Party, an der ich teilnahm. Natürlich war es wieder spannend, der Entscheidung entgegenzufiebern. Diesmal lag ich beim Gewinner Alexander Rybak aus Norwegen vollig falsch, hatte ich ihn doch eher zwischen Platz 5 und 10 eingestuft. Dafür lag ich beim zweiten Platz genau richtig, denn auch ich fand den isländischen Beitrag sehr gut und hatte ihn auf meiner persönlichen Favoritenliste auf Platz 2 eingeordnet, gleich nach Patricia Kaas, die mich am meisten beeindruckt hatte, obwohl ich sicher war, dass sie bestenfalls auf Platz 5 gelangen würde (sie erreichte dann den achten Platz). Hingegen habe ich Sakis Rouvas gleich als Sieger gesehen (vor allem wegen der perfekten Show), Griechenland belegte aber nur den siebten Platz. Außerdem sah ich die Band Regina aus Bosnien unter den ersten fünf, es reichte aber nur für Platz 9.

Auf der anderen Seite der Skala habe ich Litauen (schließlich auf Platz 23) und Spanien platziert, letzteres Land erreichte dann Platz 24. Schlusslicht Finnland hatte ich auf Platz 18 erwartet. Den deutschen Beitrag hatte ich zwischen Platz 10 und 15 eingeordnet, er erreichte aber nur Platz 20. Es fehlen Deutschland wirklich verlässliche Unterstützer. Denn die spielen trotz einer Fachjury in allen Ländern immer noch eine wichtige Rolle. Leider ist mir nicht klar, wie das Juryurteil mit dem Publikumsurteil verrechnet wurde. Es war von einem hälftigen Verhältnis gesprochen worden, aber im Detail sind ja verschiedene Berechnungsmethoden denkbar.

Natürlich braucht Deutschland auch bessere Beiträge. Mit dem Sänger war ja schon ein guter Griff getan worden (er hätte nur vielleicht aus Russland kommen sollen!), aber der Beitrag selbst war nicht mitreißend genug, musikalisch eher Hausmannskost und unpassend für ein Schlagerfestival. Der neue deutsche Kommentator Tim Frühling ist ein würdiger Nachfolger von Peter Urban. Seine Kommentare waren treffend und auch immer wieder lustig.

Update: Hier fehlt noch ein Link auf die Übergriffe auf Schwule und Lesben durch staatliche Sonderpolizei auf dem Christopher Street Day, der zeitgleich mit dem Grand Prix in Moskau stattfand (aber nicht genehmigt war – wie auch, wenn der Moskauer Bürgermeister das nicht will – „gelenkte Demokratie“ eben!). Kunar hat ja schon einen schwedisch-mehrsprachigen Link gepostet, hier noch ein Erfahrungsbericht aus der taz.

Star Trek

Tuesday, May 12th, 2009

Today I finally had the opportunity to watch the new Star Trek movie, unfortunately in German. I liked it very much. I’ve never been a Trekkie, although Star Trek: The Original Series marked my childhood to a significant extent (in the beginning in black and white at my grandparents’ home). The real fans were perhaps unhappy about the changed timeline. On the other hand, changing the timeline (and thus the plot) is a good idea, especially to improve the suspense of the story, which takes place about the time between the last season of the television series and the first of the original series (set in the 2200s).

The film has to solve a difficult problem: it has to “marry” the poor optics of the original series with what is possible and expected from nowadays’ visual effects. In its plot, it introduces the main characters of the original series in their younger days (though in a changed timeline). Contrary to the original cowboy-like characters, they have a more down-to-earth love and sex life. Fortunately, this aspect is not too obnoxious. The actors are cute and play very professionally (again contrary to the original series). I liked Anton Yelchin best, who played the young Pavel Chekov.

All in all, this is a film that I can recommend to all who know the (original) series; for newcomers to Star Trek, the film is understandable, but a lot of fun is lost.