Eigentlich wollte ich ja gar nicht so viel über Piraten-Interna hier bloggen, weil ich zur Piratenpolitik ja einen eigenen Podcast, den Klabautercast produziere. Am letzten Samstag fand die Sitzung der Antragskommission statt und irgendwie bin ich dann dort nicht mehr zum Podcasten über die Anträge für den Bundesparteitag gekommen, weil ich gegen Ende der Sitzung eine Episode für 1337kultur aufgenommen habe. Daher hier ein paar Beobachtungen zur „Antragslage“. Möglicherweise wird es auch noch einen Flaschencast über die Anträge geben.
Ich finde es ja gut, dass jeder Pirat antragsberechtigt ist und viele von diesem Recht auch Gebrauch machen. Durch ein von Alexandra Bernhardt entworfenes Antragsformular ging die Antragstellung diesmal auch deutlich strukturierter vonstatten als in der Vergangenheit. Leider blieb immer noch eine Menge Arbeit übrig, die mich nicht besonders motiviert hat, da ja die Wahrscheinlichkeit, dass viele Anträge abgearbeitet werden, eher gering ist, weil wieder viel Zeit für das Wählen drauf gehen wird.
Das Hauptproblem ist, herauszufinden, welche Anträge eventuell in Konkurrenz stehen zu anderen. Das haben die Antragsteller in der Regel nicht angegeben. Man kann das auch von Antragstellern nicht immer erwarten, da sie ja nicht wissen können, welche Anträge noch gestellt werden und möglicherweise auch nicht bereits veröffentlichte Anträge genau analysiert haben (dank Alexandras Formular erfolgte die Veröffentlichung diesmal sehr schnell nach der Einreichung, leider wurden viele Anträge erst kurz vor Fristende eingereicht). Der Antragskommission oblag es nun, Konkurrenzsituationen herauszuarbeiten (im Antragsportal inzwischen dargestellt). Wie kompliziert die Abhängigkeiten sein können, zeigt eindrucksvoll Markus Gerstels hilfreiches Flussdiagramm für die Anträge bezüglich der Schiedgerichtsordnung.
Wenn der übernächste Parteitag Satzungsänderungen und Programmerweiterungen in den Fokus nehmen soll, wird die Antragslage sicher noch komplizierter. Daher sollte die Vorbereitung anders erfolgen. Wenn man zum Beispiel konsequent Liquid Feedback einsetzte, wären Anträge und Gegenanträge schon einmal geordnet und man könnte auch eine Meinungstendenz erkennen. Natürlich muss der Parteitag frei entscheiden können (also auch unabhängig von in Liquid Feedback erzielten Ergebnissen), aber es könnte ja beschlossen werden, dass alle Anträge, die behandelt werden sollen, bis zu einem Stichtag in Liquid Feedback eingepflegt sein müssen. Wer partout nicht in Liquid Feedback mitmachen will, kann ja über eine Mittelsperson seinen Antrag dort platzieren – zum Beispiel auch über das Formular der Antragskommission. Außerdem können dann auch Leute mitwirken, die nicht zum Parteitag reisen können oder wollen.
Die Arbeit der Antragskommission zumindest zum Teil zu crowdsourcen, ist jedenfalls eine gute Idee, weil die Fülle der Arbeit durch eine Handvoll Kommissionsmitglieder kaum noch zu leisten ist und das Crowdsourcing natürlich auch die Möglichkeiten zur Partizipation steigert.
Update: Es gibt jetzt auch einen Klabautercast über die Vorbereitungen zum Bundesparteitag.