Archive for the ‘politics’ Category

re:publica09

Friday, April 3rd, 2009

Gerade bin ich auf der (bald zu Ende gehenden) re:publica09. Sie war voller und anders als die beiden vorangegangenen re:publicas, aber wieder sehr interessant. Auf der ersten war ja das Web 2.0 noch ganz neu, und man fühlte sich als Avantgarde. Das war schon bei der zweiten re:publica etwas anders. Damals war Twitter gerade der letzte Schrei und stand ziemlich im Mittelpunkt der Veranstaltung. Diesmal gab es keine solche Welle des Neuen. Dafür setzte man sich mehr mit Detailfragen auseinander. Hier die Vorträge, die mich am meisten beeindruckt haben:

  • Alvar Freudes Vortrag über Netzzensur. Der Vortragende hat sich da richtig intensiv eingearbeitet, nachrecherchiert und nachgefragt. Das war sehr aufschlussreich!
  • Das tvmagnet-Projekt von Kristian Müller und Rüdiger Weis finde ich sehr unterstützenswert. Das vorgestellte Programm ist wirklich praktisch und funktioniert. Ich glaube, dass das sicher ein kleiner, aber wichtiger Schritt in der gerade stattfindenden Medien-(R)Evolution ist.
  • Jon Worths Beitrag über die Atheist Bus Campaign hat mir sehr gut gefallen; das ist eine oft missverstandene Kampagne, denn es geht ja nicht darum, gläubige Menschen vom Atheismus zu überzeugen, sondern sie will zeigen, dass es nicht zwangsläufig ist, an einen Gott glauben zu müssen – schade, dass die Buskampagne wohl in Berlin nicht stattfinden wird. Unabhängig davon, welche religiöse Einstellung man hat, regt das doch sehr zum Nachdenken und Diskutieren an.
  • Kai Sostmann kannte ich schon von der letzten re:publica, und im Grunde ging es um dasselbe Thema, aber es war doch ein informativer Vortrag mit neuen Hinweisen wie man das Web zum Lehren und Lernen nutzen kann (aber bitte keine Titel mit „2.0“ mehr!).
  • John Kellys Visualisierungen fand ich sehr erhellend. Leider habe ich nur seinen zweiten Vortrag sehen können. Hoffentlich finde ich seine Folien irgendwo verlinkt.
  • Die Hedonistische Internationale hat es nicht so mit der Selbstpräsentation, aber inhaltlich fand ich den Beitrag sehr sehenswert.

Sehr angenehm war es natürlich wieder, vielen Leuten, die man sonst nur in der virtuellen Welt trifft, mal real in die Augen zu schauen. Das macht dann auch die virtuellen Kontakte wieder spannender. Da ist es dann auch zweitrangig, wenn die Internet-Ausdrucker immer noch nicht wissen, wie das Internet funktioniert.

Bedingungsloses Grundeinkommen

Tuesday, February 17th, 2009

Soeben habe ich die Petition für ein bedingungsloses Grundeinkommen unterschrieben. Die Argumente, die dafür sprechen, hat Tim Pritlove bereits treffend zusammengefasst. Dem kann ich nur hinzufügen, dass auch die Mindestlohn-Frage dadurch elegant gelöst wird (und zwar ganz liberal).

Im Detail kann ich der Petitionsbegründung nicht vollständig zustimmen. Ich halte es für eher ungünstig, wenn das Steuersystem auf die Konsumsteuer reduziert wird, denn dann hätten in Deutschland nicht steuerpflichtige Menschen das Nachsehen. Der Einwand, diese könnten sich ja die Konsumsteuern erstatten lassen, ist nicht schlüssig, denn die Erstattung gelingt einem nur unter Preisgabe seiner Identität und wenn man eine Adresse im Ausland hat.

Ich favorisiere vielmehr das Ulmer Modell, das auf dem Konzept der Negativsteuer beruht. Das bedeutet, dass jede Person, die im Prinzip ihr persönliches Einkommen versteuern müsste (auch wenn sie mangels Einnahmen keine Steuern zahlt), einen Einkommenssteuerabzug von zum Beispiel € 750 im Monat erhält. Wer gar keine Einkommenssteuern entrichten muss (Lohnsteuer zähle ich hier mal zur Einkommenssteuer), bekommt einfach € 750 ausgezahlt. Wer Tausende von Euro verdient, bekommt die € 750 von der Steuerlast abgezogen. So ergibt sich eine gewisse Gerechtigkeit, denn für jemanden, der gar nichts verdient, sind die € 750 Euro viel Geld, für jemanden der viel verdient, handelt es sich um einen vernachlässigbaren Betrag. (Die Zahl von € 750 ist jetzt nur eine „Hausnummer“.)

Wie man das Grundeinkommen realisiert, ist eigentlich ein Detail, ansonsten stimme ich Tims Argumentation zu: Mit dieser Maßnahme würde sich unsere Gesellschaft zum Positiven verbessern, und wirklich alle hätten etwas davon!

Neusprech im Bayerischen Rundfunk

Sunday, January 11th, 2009

Vorgestern (Freitag, 9. Januar) brachte der Bayerische Rundfunk einen Beitrag über Neusprech. Der Beitrag ist sehr professionell gemacht. Erklärungen der Sprecherin und Interview sind gut aufeinander abgestimmt. Was ich besonders erfreulich finde (und beim Bayerischen Rundfunk kaum erwartet hatte), ist folgende Beobachtung: Dass das BKA-Gesetz problematisch ist, wird als gegeben angesehen. Das ist unter Journalisten sicher keine Minderheitenmeinung. Schade ist, dass es auf den Seiten des Bayerischen Rundfunks den Beitrag nicht zum Hören gibt. Falls ihn doch jemand findet, der Beitrag kommt erst in der zweiten Hälfte der Sendung (nach den 20 Uhr-Nachrichten).

25th Chaos Communication Congress

Sunday, January 4th, 2009
maha's Neusprech Talk by nr1@flickr cc-by-sa

This year’s Chaos Communication Congress was an overwhelming experience, mostly because of the great number of participants and the good atmosphere, although everybody had a hard time to find empty seats in the lecture halls. Fortunately, the lectures were streamed. So, I didn’t always fought my way through the crowd, but simply watched the stream instead. This is, of course, not quite the same thing. Here are some impressions of the lectures I attended or watched as a stream:

  • I was late at the opening event and wasn’t particularly captured by the keynote, so I gave up on it after some minutes. I cannot tell exactly why the keynote didn’t touch me; possibly it was John Gilmore’s way of speaking. Moreover, the opening event should be more stimulating.
  • As expected, Hacking the iPhone was the highlight of the first day. The lecture hall was very crowded; fortunately, I came early enough to get into the room and sit on the floor. Unfortunately, one of the speakers was almost incomprehensible, but the talk was certainly very interesting.
  • My personal favorite of the first day was the live feature on Kurt Gödel. Such presentations are always very funny and informative at the same time. I hope there will be more!
  • The talk on swarm robots on the second day was very thought-stimulating. In this project, the robots communicate through infra-red sensors, but it gave me an idea of how they could communicate even without a special communication device. Perhaps, I should start my own project on robot communication….
  • Magnus Manske’s talk on DNA sequencing was interesting to me, because it’s a field I don’t know anything about.
  • Rose White’s talk The Infinite Library was very entertaining, although it didn’t yield much new information. I liked it nonetheless for its entertainment value.
  • I started the third day with my own contribution on Newspeak (recording) which provoked some interesting discussions. I even gave four interviews afterwards: a very short videocast on Netzpolitik (with closed eyes), :-( one for Bayerischer Rundfunk (aired on January 9th, 2009), one for a free radio in Southern Germany and another one for the German Free Radio Network. I’m very happy that so many people found my ideas interesting.

I followed some other lectures, but passed most of the time in the Speakers’ Room, which is a cosy, unfortunately a little too small room where speakers like myself were accepted and could prepare their talks (there is always need for last-minute preparations). I coordinated the Speakers’ Room volunteers, which was an easy task this year, because the group worked together very harmoniously and effectively. Moreover, the Speakers’ Room is always a good place to meet interesting people.

Not surprisingly, with so many people around, it is easy to catch some viruses (computer viruses and others). Unfortunately, I caught a bad cold and had to spend the first days of the new year in bed. :-(

Mehr Demokratie wagen

Monday, July 14th, 2008

Der Titel dieses Beitrags Mehr Demokratie wagen erinnert an Willy Brandts berühmten Slogan, der der SPD immerhin 1969 zur Regierungsverantwortung der sozial-liberalen Koalition verhalf. Seit seiner Verfassungsänderung 2006 wagt das Land Berlin tatsächlich mehr Demokratie: unlängst gab es Volksentscheide über den Flughafen Tempelhof, die Rudi-Dutschke-Straße und an diesem Wochenende über das Mediaspree-Projekt im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Und ich glaube, man kann mit den Ergebnissen zufrieden sein: Das Volk entschied sich nicht für den Flughafen, die Rudi-Dutschke-Straße darf wirklich nach Rudi Dutschke benannt sein, und die Initiative Mediaspree versenken kann einen großen Erfolg verbuchen: Fast 90 Prozent derjenigen, die an der Abstimmung teilgenommen haben (etwa 19%), stimmten für den Antrag der Initiative – zum Glück, denn die Einbetonierung der Spree muss abgewendet werden. Hoffentlich funktioniert das auch, denn der Volksentscheid hat ja nur empfehlende Wirkung. Ich denke aber, dass die politische Kraft, die von ihm ausgeht, stark genug sein wird.

Radio & Fernsehen 2.0

Saturday, April 5th, 2008

Ich vergaß in meinem letzten Blogbeitrag, dass ich bei der re:publica auch noch an der Podiumsdiskussion über die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks als Zuhörer teilgenommen habe. Erfreulich ist, dass der NDR gerade einen Feldversuch zu Creative Commons-Lizenzen durchführt. Weniger erfreulich ist jedoch der Vorschlag, dass die öffentlich-rechtlich produzierten Inhalte nur sieben Tage ins Internet gestellt und dann wieder gelöscht werden sollen. Da haben die Entscheider das Internet mal wieder nicht verstanden. Was da einmal publiziert wird, ist eben publiziert und kann nicht wieder zurückgezogen werden. Ich hoffe mal, dass solch eine weltfremde Regelung nicht getroffen wird. Es ist doch ziemlich klar: nur wenn der öffentlich-rechtliche Rundfunk den Weg ins Internet findet (und zwar ohne faule Kompromisse!), ist er überlebensfähig.

Neusprech-Podcast bei Chaosradio Express

Thursday, March 27th, 2008

Da ich weiß, dass nicht alle meiner Leser auch den Chaosradio-Feed verfolgen, möchte ich kurz auf das Erscheinen von Chaosradio Express 81 hinweisen, in dem ich mit Tim Pritlove über Neusprech im Schnüffelstaat spreche. Der Podcast ist ganz lebhaft geworden, und ich freue mich über Feedback (hier oder im Chaosradio-Blog) und weitere Hinweise für den gleichnamigen Vortrag in Dresden am 18. April 2008.

Some thoughts on this year’s Olympic Games

Wednesday, March 26th, 2008

Today I read some comments against boycotting this year’s Olympic Games. The president of the Deutscher Olympischer Sportbund and vice-president of the International Olympic Committee Thomas Bach thinks that the 2008 Summer Olympics will create people-to-people contacts in China and that boycotting the Olympics would be the wrong way. This is nonsense! It is already more than evident (even without the unfortunate events in Tibet) that China has been setting up a surveillance state where the freedom of information does not exist. All media, including the internet, are censored. The language barrier alone will help to avoid direct face-to-face contacts between Chinese people and foreigners, and those Chinese people that will be allowed to contact foreigners directly will be everything but dissidents. All this is done for the profit of international corporations that sponsor the Olympics. This is simply not acceptable any more! China is setting up an almost perfect surveillance and censor state to make the Olympics a success for their sponsors and in 2012 some of the Chinese concepts of “safe Games” will certainly be reimported into the Western world where the surveillance technology has come from. I remember the 2006 FIFA World Cup in Germany, where some substantial rights were temporarily suspended for security reasons.

Beijing graphic with handcuffs as olympic rings

All things considered, I’m fed up! I will definitely boycott the 2008 Olympics: I will not watch any television reports (which is easy for me, since I do not have a television set) and I will not buy products of the sponsors until the end of the year. I hope other people will do the same. You can always drink Club Mate when it comes to caffeinated soft drinks, eat healthier fast food from an oriental or North-African fast-food restaurant and get your sports equipment from a less expensive non-olympic label, and be proud of it. This is the only way to stop the suppression of freedom in China and all places where freedom will be “reduced” in the name of the perverted “olympic idea” of commercial profit.

VW-Werbespots, deutsche Ingenieure und Politiker

Wednesday, July 4th, 2007

Dass die deutschen Diplom-Ingenieure international einen sehr guten Ruf hat, beweist zum Beispiel die Kampagne, mit der Volkswagen in den USA für seine Autos wirbt (Spot 1, Spot 2, Spot 3). Man beachte dabei den gespielten deutschen Akzent! Während VW mit dem deutschen Ingenieur erfolgreich seine Autos verkauft, wird das Ingenieursdiplom in Deutschland gerade abgeschafft und durch den Bachelor ersetzt.

Dabei ist der studienzeitverlängernde Bachelor (Bologna-Prozess) gar nicht mal das Schlimmste. Ich kann ihm vielleicht sogar noch etwas Positives abgewinnen, weil er schlechteren Studenten die Möglichkeit gibt, mit Würde die Universität zu verlassen. Schlimm ist hingegen, dass die Auswahl der zu berufenden Hochschullehrer in Zukunft in Bayern nicht mehr von den Fachleuten (den Professoren einer Fakultät), sondern von Fachfremden durchgeführt wird.

Die Hochschulreform ist eindeutig gegen den Willen und die Interessen der betroffenen Hochschulangehörigen durchgeführt worden, sondern von Politikern, die offensichtlich von den Dingen, über die sie entscheiden, wenig bis gar keine Ahnung haben schlecht beraten wurden von Leuten, die vom Hochschulwesen offensichtlich auch wenig verstehen. Vorhaben wie die Gesundheitskarte, das Verbot so genannter Hackertools, der Ausbau von Videoüberwachung und Biometrie und die Vorratsdatenspeicherung sind weitere beredte Beispiele für die Ahnungslosigkeit der Entscheidungsträger, deren Unkenntnis zum Thema Computer und Internet kürzlich nachgewiesen wurde.

Bahn unterm Hammer

Wednesday, March 21st, 2007

Als passionierter Bahnfahrer interessieren mich die Geschicke der Deutschen Bahn natürlich sehr. Zufällig erfuhr ich von der Premiere des Dokumentarfilms Bahn unterm Hammer im Berliner Kino Babylon (ein schönes Kino, das ich erst bei dieser Gelegenheit von innen kennen gelernt habe). Premiere und Film entstanden im Rahmen des Aktionsbündnisses Bahn für alle.

Der Film gegen die Privatisierung der Bahn enthielt ein paar sehr schöne Bilder: Hier die Highlights:

  • Nachdem Bahnchef Hartmut Mehdorn vollmundig verkündet hatte, dass man für Mobilität sei, wird eine stillgelegte Strecke mit Draisinenverkehr gezeigt.
  • Ein Zug rollt endlich in einen Bahnhof ein. Viele Leute warten darauf einsteigen zu dürfen (unter anderem ein Radfahrer); die Tür öffnet sich, und man sieht die Fahrgäste im Zug, die wie Sardinen im Zug stehen.
  • Nach einem Interview mit Minister Wolfgang Tiefensee sieht man den Bahnhof des gleichnamigen Orts samt stillgelegter Strecke.

Trotz dieser und anderer wirksamer „Bilder“ hat der Film in der derzeitigen Version viele Längen: Viele Informationen über die Situation in Großbritannien sind eigentlich überflüssig. Die länglichen Interviews mit klagenden Rangierern und Berliner S-Bahnern sind auch eher anstrengend. Lustig (wenn auch nicht besonders informativ) ist der deutsche Professor, der von der Schweizerische Bundesbahnen begeistert und fast im Loriot-Stil berichtet. Übrigens fällt auf, dass bis auf einen Journalisten nur alte Leute interviewt wurden. Vielleicht gewinnt der Film, wenn er von 90 Minuten auf 60 Minuten gekürzt wird.