Podcasts galore!

Es gibt – erfreulicherweise – Menschen, die sich über ausbleibende Blogbeiträge beklagen. Dass ich hier weniger schreibe, ist der Tatsache geschuldet, dass ich um so mehr podcaste. Hier eine kommentierte Liste aller meiner Podcasts:

  • Mein wichtigster Podcast ist 1337kultur.de mit zwischen 3.000 und 12.000 Downloads.
  • Mein ältester Podcast, der Klabautercast stagniert gerade etwas wegen des piratigen Motivationstiefs. Er wird aber mit Sicherheit im kommenden Wahlkampf in Berlin wiederbelebt.
  • Der sporadische mahacast in diesem Blog wird natürlich auch fortgesetzt, allerdings eben nicht so oft.
  • Der Neusprechfunk ist auch mehr als sporadisch, aber es wird sicher weitergehen, wenn auch mit wenigen Folgen im Jahr. Das Problem ist hier die Terminfindung bei drei sehr eingespannten Podcastern.
  • Neu hinzugekommen ist der Genusscast, den ich zusammen mit heckpiet vom Pietcast mache. Der Genusscast ist sozusagen ein Spinoff von 1337kultur.de und pietcast.com.

Die gemeinsame Plattform für die Podcasts ist das fonodrom, das Podcaststudio, das ich gemeinsam mit heckpiet angemietet habe und wo wir unsere Podcast produzieren. (Die Website des fonodroms muss noch auf den aktuellen Stand gebracht werden.) Zur fonodrom-Familie gehört auch Das Kamingespräch, das ebenfalls über unsere Plattform läuft. Das Kamingespräch macht Kristian Mann, der sich auch um die Technik von 1337kultur.de und klabautercast.de kümmert. Vielen Dank dafür!

Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr meine Podcasts abonniert, hört und kommentiert, denn euer Feedback ist der Grund, warum ich podcaste.

Außerdem gibt es meine Vorlesungen und Vorträge bei archive.org unter dem Suchwort „Martin Haase“ und auf Youtube in meinem Channel „Martin Haase“, wobei ich empfehle, die CCC-Vorträge unter media.ccc.de abzurufen.

Feeds für den Mahacast

Einige haben mich gefragt, wo die Feeds für den Mahacast zu finden sind. Viele Podcastcatcher finden die nicht automatisch, wenn http://maha-online.de/ eingegeben wird (manche finden sie jedoch, wenn http://maha-online.de/blog/ eingegeben wird). Daher liste ich hier noch mal alle Feeds auf:

  1. Allgemeiner Podcastfeed (Screencast, Video): http://www.maha-online.de/blog/feed/podcast/,
  2. AAC-Audio (ohne Video/Screencast): http://www.maha-online.de/blog/feed/podcast-aac/,
  3. opus-Audio (ohne Video/Screencast): http://www.maha-online.de/blog/feed/podcast-opus/, Vorteil: ganz kleine Dateien/open source, wird aber nicht von allen Playern unterstützt,
  4. ogg-Audio (ohne Video/Screencast): http://www.maha-online.de/blog/feed/podcast-ogg/, Vorteil: open source, wird aber nicht von allen Playern unterstützt,
  5. mp3-Audio (ohne Video/Screencast): http://www.maha-online.de/blog/feed/podcast-mp3/, Vorteil: von so ziemlich allen Playern unterstützt,
  6. nur Blog (Text ohne Mahacasts): http://www.maha-online.de/blog/feed/,

Ich empfehle, den ersten Feed (default, Screencasts) für den mahacast und den letzten Feed für das Blog zu abonnieren. Die mittleren Feeds nur, wenn partout kein Video gewünscht ist. Für die Videos (Screencasts) habe ich jetzt auch einen Youtube-Channel.

Wichtiger Hinweis: Anfang Februar gab es einen Serverausfall, der leider zum Verlust einiger Daten führte, da auch das Backup betroffen war. Inzwischen bin ich dabei, die verlorenen Daten wiederherzustellen.

Vorlesung Syntax als Podcast

Ich bin ein kleines bisschen stolz auf mich: einerseits weil ich endlich wieder zum Bloggen gekommen bin, andererseits weil ich mir einen Traum erfüllt habe: Es gibt jetzt endlich eine aktuelle (noch laufende) Vorlesung von mir als Podcast. Der Titel ist: Grundlagen der Syntax. Zugegeben: nicht das leichteste Thema! Ich hoffe aber, dass es auch über den Kreis meiner Studierenden im Aufbaumodul (also Anfänger mit Vorkenntnissen) Interesse findet.

Ich nehme ja schon seit 2010 meine Vorlesungen als Screencast auf, bisher standen sie aber nur im universitätsinternen Moodle den Studierenden zur Verfügung, dabei wollte ich sie schon immer veröffentlichen. Aus einer Reihe von Gründen habe ich es nicht getan:

  1. Das wichtigste Problem war (und ist) das Urheberrecht: Für eine Vorlesung ist es nötig, auf anderer Leutes Material zurückzugreifen. Wenn das ein Zitat überschreitet (zum Beispiel im Fall von Dialektkarten), ist das problematisch, und ich habe mich nicht getraut.
  2. Jeder macht Fehler, auch ich. Da ich mir während eines Semesters gelegentlich bewusst wurde, dummes Zeug erzählt zu haben, sank meine Motivation, das im Nachhinein zu veröffentlichen.
  3. Die Qualität der Aufnahmen war mir einfach zu schlecht.

Da ich in jedem Semester eine anonyme Selbstevaluation durch die Vorlesungsteilnehmer durchführe, habe ich erfahren, dass die Studierenden meine internen Vorlesungsaufzeichnungen sehr schätzen. Nun bin ich als Professor ja nicht nur für den geschlossenen Kreis meiner Studierenden da, sondern sollte das, was ich tue eigentlich allen zur Verfügung stellen. Es ist letztlich eine Frage des Mutes und irgendwann musste ich ihn einfach aufbringen. Ich zitiere mal den Wikipedia-Artikel Professur: „Professur (von lateinisch profiteri in der Bedeutung ‚sich öffentlich als Lehrer zu erkennen geben‘)“. Jetzt habe ich es gleich zu Semesterbeginn gemacht. Dann muss ich da auch trotz möglicher Fehler durch!

Das mit dem Urheberrecht bekomme ich zumindest in diesem Semester ganz einfach in den Griff, denn ich greife einfach auf mein eigenes Material zurück. Das geht natürlich – abhängig vom Thema – nicht immer. An der technischen Qualität arbeite ich noch. Ich habe mir diverse Mikrofone zugelegt und werde sie nach und nach ausprobieren, in der Hoffnung, dass die Qualität immer besser wird. Zur Zeit bin ich jedenfalls noch nicht zufrieden.

Ein weiteres Problem ist, dass die Video-Dateien sehr groß sind. Eine reine Audio-Version ist auch nicht machbar, weil die gezeigten Folien wirklich wichtig für das Verständnis sind. Ich suche noch ein wenig nach einem alternativen Codec, dieser sollte aber auf allen üblichen Geräten vorhanden sein und die Optik der Vorlesungs-Folien nicht verschlechtern, weil die unbedingt lesbar sein sollten (ich gebe mir da große Mühe, sie nicht zu klein zu machen). Dateien, die zwischen 300 und 700 MB groß sind, lassen sich eben schlecht unterwegs im Mobilfunknetz streamen oder gar herunterladen – gerade wenn die nächste Volumen-Drosselung droht oder der Provider Geld für große Downloads berechnet. BitTorrent ist da jetzt auch nicht wirklich eine Lösung, denn die Uni-Server ertragen die Downloads durchaus und der Interessentenkreis ist zu gering.

Leider unterstützt meine Universität solche Aktionen gar nicht: Ich musste einen RSS-Feed in das Typo3-CMS hinein hacken, was sehr umständlich ist. Dafür kann ich jetzt Feed-XML-Dateien im Schlaf erstellen. Es gibt aber keine richtige Plattform, auf der ich auch Kommentare empfangen kann. Wir haben zwar ein Moodle, aber das funktioniert nur uni-intern. Die Idee, dass die Universität eigentlich für alle da ist und daher auch ihr Angebot der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen muss, ist da leider noch nicht angekommen. Ich habe überhaupt das Gefühl, dass es kaum Leute gibt, die so ein öffentliches Angebot machen. Ja, es gibt iTunesU, an dem sich auch deutsche Unis beteiligen, aber das ist ja im Grunde eine geschlossene Plattform, auf der sich Apple das Material aneignet, das noch dazu nur mit einer Anmeldung zugänglich ist. Das widerspricht der Idee frei zugänglicher Bildung.

Die Vorlesung steht natürlich unter der Creative-Commons-Lizenz cc-by-sa 3.0 für Deutschland, schließlich bin ich ja schon für meine Arbeit bezahlt worden.

Leider kann ich – da es sich um eine Uni-Plattform handelt – nicht nachvollziehen, wie viele Leute sich die Vorlesung herunterladen (direkter Link auf den Feed), eine Kommentarfunktion fehlt ebenfalls, Flattr kann ich auf einer Uni-Seite auch nicht einsetzen (um wenigstens durch die flattr-Klicks ein Feedback zu haben). Daher bitte ich diejenigen, die ein Feedback geben wollen, dies hier oder per E-Mail zu tun. Obwohl die Syntax natürlich eine etwas esoterische Disziplin ist, hoffe ich auf etwas Interesse.

Leidkultur und Leetkultur

In letzter Zeit sprechen viele Politiker wieder von Leidkultur. Ich schreibe das absichtlich mit d, denn was soll das anderes sein, als die Kultur, die uns der Deutschunterricht in der Schule verleidet hat? Eine Leitkultur mit t kann es nicht geben, denn Kultur ist immer vielfältig und es gibt keine „Kulturhierarchie“. Auch das Wort Subkultur ist seltsam, denn wer entscheidet, was Leit- oder Sub- ist?

Zum Glück gibt es die selbsternannte Leetkultur (bzw. 1337kultur in Leetspeak) als Gegenentwurf zum unsinnigen Konzept der Leidkultur; leet steht für élite und spielt mit dem elitären Kulturbegriff, denn Leetkultur ist eben nicht elitär, sondern Kultur aus der Nerd-Perspektive. Es geht dabei darum, die Prinzipien der Hacker-Ethik auf die (nicht nur technische) Kultur zu übertragen. Das könnte so aussehen:

  • Der Zugang zu Kultur und allem, was einem zeigen kann, wie diese Welt funktioniert, sollte unbegrenzt und vollständig sein.
  • Alle Informationen müssen frei sein.
  • Misstraue Autoritäten – fördere Dezentralisierung!
  • Beurteile einen Urheber nach dem, was er tut und nicht nach Kriterien wie Aussehen, Alter, Rasse, Geschlecht oder gesellschaftlicher Stellung.
  • Man kann mit einem Computer Kunst und Schönheit schaffen.
  • Kultur kann dein Leben zum Besseren verändern.
  • Mülle nicht in den Daten anderer Leute.
  • Öffentliche Daten nützen, private Daten schützen.

Ich habe hier lediglich zweimal Computer (im Plural) durch Kultur ersetzt und Hacker durch Urheber. Damit ist eigentlich schon alles gesagt. Über 1337kultur, also über Kultur aus dieser Perspektive plane ich, einen Podcast zu machen, der auch 1337kultur.de heißt. Darin wird es über alle Arten von Kultur gehen: Bücher, Musik, Filme, Kunst, Sport usw. Die folgenden Themen stehen schon fest:

  1. Labsal Weltliteratur: Bücher, die wir kennen, aber nicht gelesen haben (Folge 1)
  2. Beredte Bilder: Comics und Comic-Verfilmungen (Folge 2)

Wem in den Titeln ungewöhnliche Wörter auffallen, soll sich bis zur Sendung gedulden; sie werden dort erklärt. Jedes Mal soll nämlich auch ein leider zu wenig verwendetes Wort vorgestellt werden, das ich auch immer versuche, in den Titel einzubauen.

Die Folgen will ich übrigens schon bei der Aufnahme streamen, so dass die Möglichkeit besteht, über Twitter/Identi.ca und Internet Relay Chat mitzumachen. Die erste Folge wird am Sonntag 13.3.2011 um 13.37 Uhr gestartet, die zweite am gleichen Tag um 15.30 Uhr. Einige Tage später wird dann die erste Folge auch im Podcastfeed sein (technisch überarbeitet von Christopher Schirner, den aufmerksame Hörer schon vom Klabautercast kennen), die zweite Folge noch ein paar Tage später. Für den Stream kann ich dankenswerterweise den Server von xenim.de nutzen. Dort gibt es auch ein Archiv, ich empfehle aber den Rückgriff auf die technisch bearbeiteten Podcastversionen unter 1337kultur.de.

Der Podcast steht natürlich unter einer Creative Commons-Lizenz, nämlich cc-by-sa und darf entsprechend weiter- bzw. wiederverwendet und verbreitet werden – gern auch über Radio.

Update: Das Streaming war eine interessante Erfahrung: im Chat haben so zwanzig bis dreißig Leute mitgemacht und der direkte Feedback war sehr hilfreich. Es sind auch gleich zwei Pads mit den Shownotes geschrieben worden, eins zu Labsal Weltliteratur und eins zu den beredten Bildern.

re:publica09

Gerade bin ich auf der (bald zu Ende gehenden) re:publica09. Sie war voller und anders als die beiden vorangegangenen re:publicas, aber wieder sehr interessant. Auf der ersten war ja das Web 2.0 noch ganz neu, und man fühlte sich als Avantgarde. Das war schon bei der zweiten re:publica etwas anders. Damals war Twitter gerade der letzte Schrei und stand ziemlich im Mittelpunkt der Veranstaltung. Diesmal gab es keine solche Welle des Neuen. Dafür setzte man sich mehr mit Detailfragen auseinander. Hier die Vorträge, die mich am meisten beeindruckt haben:

  • Alvar Freudes Vortrag über Netzzensur. Der Vortragende hat sich da richtig intensiv eingearbeitet, nachrecherchiert und nachgefragt. Das war sehr aufschlussreich!
  • Das tvmagnet-Projekt von Kristian Müller und Rüdiger Weis finde ich sehr unterstützenswert. Das vorgestellte Programm ist wirklich praktisch und funktioniert. Ich glaube, dass das sicher ein kleiner, aber wichtiger Schritt in der gerade stattfindenden Medien-(R)Evolution ist.
  • Jon Worths Beitrag über die Atheist Bus Campaign hat mir sehr gut gefallen; das ist eine oft missverstandene Kampagne, denn es geht ja nicht darum, gläubige Menschen vom Atheismus zu überzeugen, sondern sie will zeigen, dass es nicht zwangsläufig ist, an einen Gott glauben zu müssen – schade, dass die Buskampagne wohl in Berlin nicht stattfinden wird. Unabhängig davon, welche religiöse Einstellung man hat, regt das doch sehr zum Nachdenken und Diskutieren an.
  • Kai Sostmann kannte ich schon von der letzten re:publica, und im Grunde ging es um dasselbe Thema, aber es war doch ein informativer Vortrag mit neuen Hinweisen wie man das Web zum Lehren und Lernen nutzen kann (aber bitte keine Titel mit „2.0“ mehr!).
  • John Kellys Visualisierungen fand ich sehr erhellend. Leider habe ich nur seinen zweiten Vortrag sehen können. Hoffentlich finde ich seine Folien irgendwo verlinkt.
  • Die Hedonistische Internationale hat es nicht so mit der Selbstpräsentation, aber inhaltlich fand ich den Beitrag sehr sehenswert.

Sehr angenehm war es natürlich wieder, vielen Leuten, die man sonst nur in der virtuellen Welt trifft, mal real in die Augen zu schauen. Das macht dann auch die virtuellen Kontakte wieder spannender. Da ist es dann auch zweitrangig, wenn die Internet-Ausdrucker immer noch nicht wissen, wie das Internet funktioniert.

Funkwelle

Gestern habe ich mit Tim Pritlove auf Funkwelle FM meinen ersten Live-Podcast gemacht, und zwar unter dem Titel Qualitätsmanagement in der Wikipedia. Live war er deshalb, weil er nicht nur gestreamt wurde, sondern auch in Berlin als Radiosendung auf UKW live ausgestrahlt wurde (95,2 MHz). (Das klingt jetzt irgendwie nach Steinzeittechnik, aber ist auch ganz nett.) 🙂

Eine Live-Sendung ist ganz schön stressig, zumal man in der Studio-Sofa-Situation bei Funkwelle nicht gut auf den Laptop schauen kann, weshalb ich einige Male überfragt war. Mit einem Headset am Tisch ist die Podcastproduktion praktischer. Es hat trotzdem irre Spaß gemacht! Ich sollte wirklich unter die Podcaster gehen. Das Equipment habe ich ja eigentlich.

Diejenigen, die den Podcast nicht live gehört haben, können ihn sich natürlich als Chaosradio Express 093 herunterladen. Viel Spaß und vielen Dank für alle Kommentare!

Re:publica – Tag 1

Heute war der erste Tag der re:publica 08. Die Eröffnungsveranstaltung hatte ich wegen der Schlange vorm Eingang (im Regen!) verpasst. 🙂 Dann kam gleich die Keynote über Nützliches Vergessen von Viktor Mayer-Schönberger, die ich nicht besonders gut fand, denn ich halte die Forderung, das Internet müsse vergessen für weltfremd und unpraktikabel. Wer so etwas fordert, lebt in der Tat noch im Web 1.0, denn wenn alle User vernetzt sind und das Netz dezentral ist, kann man nicht auf Vergessen setzen, weil man nie weiß, wer was gespeichert hat. Es müssen andere Wege gefunden werden, und vor allem kann man keine Forderungen an eine zentrale Instanz stellen, denn das Netz funktioniert so einfach nicht.

Die Zukunft der sozialen Netze fand ich zwar unterhaltsam, was besonders an Tim Pritlove lag, der versuchte, die Podiumsdiskussion noch irgendwie zu retten, aber das Panel war viel zu groß, und es kam keine substanzielle Information rüber. Der Vertreter von StudiVZ kam ständig argumentativ ins Schwimmen und der von MySpace dreschte nur PR-Phrasen. Unerträglich! Mir wurde schlagartig klar, dass Twitter, das natürlich kein soziales Netzwerk ist, die sozialen Netzwerke vernetzen und wahrscheinlich beerben wird. So trug ich wenigstens eine Erkenntnis davon.

Dem entsprechend war natürlich der kleine Workshop-Raum für den Vortrag über die Twitterwelt zu klein. Der Vortrag war interessant und noch interessanter die Publikumsreaktionen; vor allem war zu beobachten, dass Twitter selbst von neophilen Menschen noch unterschätzt wird.

Erwartungsgemäß unterhaltsam fiel die Web Side Story aus, deren Aufzeichnung ich jedem empfehlen kann: eine gelungene Satire auf das Web 2.0 und seine Nutzer! Markus Beckedahls Vortrag über die digitale Gesellschaft brachte wenig Neues. Tim Pritloves Live-Podcast mit Peter Glaser war unterhaltsam; ich bedauere jedoch, dass das Publikum nicht einbezogen wurde. Das wäre doch die Herausforderung gewesen!

Der Vortrag über Porno2.0 von Torsten Kleinz war für mich auch recht interessant, weil Hetero-Pr0n für mich bisher eine völlig unbekannte Welt war, zumal Torsten einen gefällig trockenen Vortragsstil hat.

Ich ließ mich dann noch per Mikro.fm in die Zeit der Piratensender zurückversetzen, die ebenfalls eine 2.0-Phase erreichen: Sendungen werden per Internet verteilt und dann von verschiedenen Nahsendern ausgestrahlt (dank Vernetzung über eine große Fläche hinweg). Das war schon sehr spannend! Danach war ich noch mit ein paar Extrembloggern in einem Slow Food-Fastfood-Restaurant an der Tram-Haltestelle Zionskirchplatz.

Neusprech-Podcast bei Chaosradio Express

Da ich weiß, dass nicht alle meiner Leser auch den Chaosradio-Feed verfolgen, möchte ich kurz auf das Erscheinen von Chaosradio Express 81 hinweisen, in dem ich mit Tim Pritlove über Neusprech im Schnüffelstaat spreche. Der Podcast ist ganz lebhaft geworden, und ich freue mich über Feedback (hier oder im Chaosradio-Blog) und weitere Hinweise für den gleichnamigen Vortrag in Dresden am 18. April 2008.

Radiohörverhalten

Dank ISDN verfüge ich über eine Reihe von MSNs: Ruft jemand ohne Rufnummernübertragung auf meiner öffentlichen Nummer an, so beantworte ich den Anruf nicht, um mir so alle Werbe- und Anpreiseanrufe vom Halse zu halten. Die meisten meiner Anrufer (Freunde, Familie) lassen ja die Rufnummer übertragen. Für diejenigen, die es einfach nicht lassen können, ihre Rufnummer zu unterdrücken, habe ich spezielle Rufnummern, bei denen sonst niemand anruft. Auf einer solchen Telefonnummer bekam ich neulich doch einen unerwünschten Anruf: Man wollte mich über meine Radiogewohnheiten befragen, und da mich diese Frage selbst interessierte, hab ich ausnahmsweise zugestimmt und wurde in eine sehr langwierige Befragung verwickelt.

Bei der ersten Frage wurde ich gefragt, welche Radiosender ich kenne. Dass der Hessische Rundfunk nicht auf der Liste der Befragerin war, konnte ich ja noch einsehen, weil die Befragung sich auf Berlin bezog. Offensichtlich ging es nicht um Podcasts, sondern um terrestrisches Radio. Als ich dann aber Deutschlandradio Kultur nannte, war die Befragerin wieder überfordert und fragte schließlich, ob ich „Deutschlandradio Berlin“ meine. Ich musste sie dann darüber aufklären, dass der Sender schon seit März 2002 nicht mehr so heißt, sondern eben „Deutschlandradio Kultur“. Die Befragerin verteidigte sich damit, dass die Umfrage ganz neu sei (2008!), was doch ziemlich erstaunlich ist. Und es ging munter weiter: Auch der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) war nicht auf der Liste der Radiosender, obwohl er schon seit dem 1. Mai 2003 existiert. Ich fand dann heraus, dass die Befragerin zwar nach Sendern gefragt hatte, aber Programme meinte, denn Fritz und Kulturradio fanden sich auf ihrer Liste.

Der weitere Verlauf der Befragung zeigte dann, dass ich irgendwie gar nicht zur Zielgruppe der Befragung gehöre, denn die Musik, die mir gefällt (Klassische Musik, Jazz, Elektronische Musik), wurde gar nicht thematisiert. Es wurden mir lediglich Popmusik-Ausschnitte vorgespielt und ich sollte sagen, was mir am besten gefällt, und eigentlich gefiel mir gar nichts. Es wurde zwar nach „alter Musik“ gefragt, aber aus dem Kontext war erkenntlich, dass es sich um ältere Popmusik handelte. Die Befragerin fiel aus allen Wolken, als ich ihr erklärte, dass Alte Musik für mich – wie wohl für viele Menschen – die Musik vor 1750 ist.

Vielleicht klinge ich etwas oberlehrerhaft, aber diese Umfrage ist einfach schlecht vorbereitet. Leider habe ich nicht herausfinden können, wer dahinter steht. Erschreckend ist auch, dass moderne Distributionsformen überhaupt keine Rolle spielten, obwohl ich sicher bin, dass Radio-Angebote im Internet schon jetzt einen erheblichen Anteil haben.

Meine Lieblingspodcasts

Mein Podcast-Geschmack hat sich in den letzten zwei Jahren ziemlich gewandelt, was allerdings auch am Angebot liegt. Am Anfang habe ich ja überwiegend Amateur-Podcasts gehört, denn es gab ja kaum professionelle. Inzwischen höre ich fast nur noch Profi-Podcasts von Radiosendern (dafür höre ich kein traditionelles Radio mehr!). Meine aktuellen Lieblinge sind:

  1. Der satirische Wochenrückblick von Mathias Tretter: eine sehr schöne Satire, die besonders gut nachweist, wofür man Podcasts braucht, denn wer möchte schon am Sonntagmorgen um 9 Uhr am Radio sitzen. Schade nur, dass es das erst am Montag online gibt.
  2. Zeitzeichen habe ich früher immer im Radio gehört (um kurz nach neun), als ich noch in einem Sendegebiet wohnte, wo man es hören konnte – jetzt als Podcast: toll! Ich verpasse keine Folge mehr und kann es überall und zu jeder Zeit hören; wenn das kein Zeitzeichen ist!
  3. Ohrzucker ist der einzige nicht-professionelle Podcast, den ich noch wirklich regelmäßig höre (wenn auch leider zu selten). Das liegt auch daran, dass dieser Podcast sehr professionell gemacht ist.
  4. hr2 – der Tag ist für mich eine der letzten Bastionen eines guten kritischen Journalismus. Da kann man gut auf viele andere Medien verzichten, vielleicht sogar auf den:
  5. Tagesschau-Podcast, den ich dennoch fast täglich sehe/höre.

Podcasts sind schon eine feine Sache, und ich weiß endlich, wofür ich all die Jahre meine Rundfunkgebühr bezahlt habe (die Gebühr, die die GEZ einzieht). 🙂 Einen Fernseher habe ich ja schon seit Jahren nicht mehr, mein Radiogerät schalte ich auch nicht mehr ein. Es ist einfach lästig, wenn man nicht zu jeder beliebigen Zeit genau das hören kann, was man will. Da sind Podcasts einfach überlegen wegen der örtlichen und zeitlichen Unabhängigkeit. Es kommt natürlich vor, dass ich mich mal nur berieseln lassen will. Dann sollte es Klassik oder Jazz sein, wobei ich dann doch lieber eine gezielte Auswahl treffe und auf Streaming Media verlasse. Das geht höchstens bei Ambient, die ich ab und an über den Stream OEMRadio zur Entspannung höre.