Kulturflatrate

Am Donnerstag fand wieder ein Datengarten im Berliner CCC statt. Es war der erste, den ich zusammen mit Martina Wagner organisiert hatte. Es ging um die sogenannte Kulturflatrate. Eingeladen war Oliver Moldenhauer, der Attac-Experte zu diesem Thema. Er hatte wohl damit gerechnet, im CCC auf Unterstützung zu treffen. Das Gegenteil war der Fall. Wir hatten alle gute Argumente dagegen.
Hier noch mal zur Erklärung, worum es geht: Um den Austausch von Musik und Filmen (Filesharing) auf eine legale Basis zu stellen, soll es eine Pauschalabgabe auf den Internetzugang und auf Hardware geben (ähnlich der Pauschalabgabe auf Leerkassetten oder Fotokopierer). Der Pauschalbetrag wird zwar verhältmäßig niedrig sein (etwa 2 Euro pro Internetzugang und 5 Euro pro Computer), soll dann aber als Zwangsabgabe erhoben werden. Die Einnahmen sollen dann direkt den Künstlern zugute kommen und werden nach einem bestimmten Schlüssel verteilt. Der Schlüssel soll aufgrund von repräsentativen Panel-Befragungen (wie bei Einschaltquoten im Fernsehn) bestimmt werden.
Hierzu gab es von unserer Seite einige Einwände:

  1. Wir können uns nicht einerseits für den freien Zugang zum Internet einsetzen (über Bürgernetze, Freifunk und Ähnliches) und andererseits für eine Zwangsabgabe sein. Das widerspricht sich.
  2. Wir können uns nicht für freie Inhalte einsetzen (zum Beispiel in der Wikipedia, bei Creative Commons usw.) und dann für eine Pauschalvergütung sein. Damit wären auch diese Inhalte ja vergütet und nicht mehr frei.
  3. Zwangsabgaben passen nicht in eine freie Gesellschaft und zu einem freien Markt.
  4. Die Vergabe nach einem Quotenschlüssel favorisiert den Mainstream.

Ich sehe für die Zukunft des Filesharings drei Modelle:

  • Das bisherige Modell des Rechtemanagements (DRM), das aus verschiedenen Erwägungen nicht funktionieren kann und das nicht wünschenswert ist, vor allem weil es einen hohen Grad an Kontrolle und Überwachung mit sich bringt und somit die Rechte des Verbrauchers stark beschnitten werden.
  • Das Kulturflatrate-Modell, gegen das eine Reihe von Argumenten sprechen (siehe oben).
  • Ein Modell freier Vergütung, bei dem die Verbraucher die Leistung der Künstler freiwillig honorieren.

Das freie Modell erscheint mir das Beste zu sein. Natürlich sagen viele, dass das nicht funktionieren kann. Ich wäre mir da aber nicht so sicher, denn bisher scheitert dieses Modell vor allem daran, dass es praktisch keine Möglichkeit gibt, Musik downzuloaden und bei Gefallen per Klick auf sichere und anonymisierte Weise dem Künstler einen gewissen Betrag zugute kommen zu lassen. Für das freie Modell könnten Download-Shops eingerichtet werden (nach dem Vorbild der itunes), die allerdings aus den oben genannten Gründen ohne DRM auskommen müssen.

Ein Gedanke zu „Kulturflatrate“

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