Durchs wilde Kreuzberg

Heute abend bin ich fast zufällig zu einer touristischen Besichtung Kreuzbergs gekommen. Eine gute Freundin hatte angeboten, meinen kanadischen Gästen ihre alte Wahlheimat Berlin SO 36 zu zeigen, und zwar den Teil Kreuzbergs, der sich rund um das Kottbusser Tor befindet. Wir begannen also am „Kotti“ und gingen dann langsam zur Luckauer Straße, an deren Ende sich die Berliner Mauer befand, von dort aus machten wir einen kleinen Rundgang über den ehemaligen Luisenstädtischen Kanal, St. Michael bis zum Mariannenplatz, wo gerade das Kunstprojekt City of Names gegenüber dem Künstlerhaus Bethanien entsteht. Anschließend kehrten wir bei einem Döner-Stand am Kotti ein. Nach einem sehr guten Döner ging es weiter zum Bierhimmel, wo die kanadischen Gäste gleich mal einen Eindruck in deutsche Befindlichkeiten bekamen, denn als wir zwei Tische zusammengestellt hatten (die ohnehin fast nebeneinander standen), wurden wir vom Kellner erst mal gerügt – da könnte ja jeder kommen! Der andere Kellner räumte dann nur die leeren Gläser ab, ohne nach weiteren Wünschen zu fragen – auch etwas merkwürdig. Es könnte vielleicht daran gelegen haben, dass wir nicht szenig genug aussahen und daher nicht willkommen waren, oder es war einfach schwäbische Ordnungsliebe (wenn man nach dem Pseudoberliner Akzent des Kellners geht) oder aufgesetzte Berliner Unfreundlichkeit (die kommt nur gut rüber, wenn der Akzent stimmt).
Wir wechselten also das Lokal und begaben uns (immer noch auf der Oranienstraße) ins Max & Moritz, wo es donnerstags das lokale Bier „Kreuzberger Molle“ im Angebot gab. Das hat die Kanadier natürlich schwer beeindruckt. Jedenfalls hat sie das Bier geschafft, denn ein Besuch beim Kuchenkaiser, wo es die Molle auch gibt, war nicht mehr drin. Wir haben auf dem Rückblick dann nur noch die angesagte „Trinkhalle“ Möbel Olfe von außen angeschaut, wo es eh erwartungsgemäß zu voll war, und sind mit der U-Bahn nach Hause gefahren.

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