Camp, Cage und Co.

Gestern fragte mich ein Freund: „Kennst du noch Andreas Dorau?“ Ich musste zunächst passen, aber dann kam ich (mit seiner Hilfe) darauf, dass Andreas Dorau ja zur Neuen Deutschen Welle gehört, einer Popmusik-Richtung, für die selbst ich fast schon zu jung bin. Ich erinnerte mich aber dunkel, als mir ein paar Titel vorgespielt wurden. Heute würde man diese Musikrichtung wohl Trash nennen oder etwas positiver als Camp bezeichnen.
Wir kamen darauf, weil Andreas Dorau kürzlich zu Gast bei Wolfgang Müller in der Raststätte Gnadenbrot war, einer ebenfalls sehr trashigen, campigen oder kultigen Kneipe in Berlin-Schöneberg. Und damit man mir nicht immer nachsagt, zu spät auf interessante Kulturereignisse hinzuweisen, nämlich erst dann, wenn sie vorbei sind, gibt es jetzt ausnahmsweise mal einen Programmtipp: Die Pianistin Susanne Kessel ist am 26. November um 21 Uhr im „Gnadenbrot“ zu Gast. Es geht um Mozart, Cage und Satie, die hoffentlich nicht nur besprochen, sondern auch vorgespielt werden.
Vor einigen Jahren habe ich ja schon mal einen Vortrag über Cage und Robert Rauschenberg von Jonathan D. Katz gehört, von dem es auch eine Internetfassung gibt, und nun habe ich zum Geburtstag auch noch eine Cage-Biografie geschenkt bekommen. Da ich mich so langsam zum Cage-Fan entwickele, muss ich demnächst wohl auch nach Halberstadt fahren, wo das Cage-Orgel-Projekt in einer dortigen Kirche beheimatet ist: Ein Stück von Cage soll so langsam wie möglich gespielt werden. Daher hat mein Besuch keine Eile, denn der jetzt gespielte Ton dauert noch etwa 200 Jahre. Aber reinhören möchte ich schon mal.

4 Gedanken zu „Camp, Cage und Co.“

  1. Manchmal schockt mich die Realität… Vor ner Woche kam ein Freund mit “Girls in Love” von Andreas Dorau an. Und die Scheibe verpasste mir einen Ohrwurm. Darauf habe ich noch ein paar andere Stücke von ihm rausgekramt, wie “Stoned Faces don’t Lie” oder “Fred vom Jupiter”. Kranke, aber coole Deutsche Musik. Aber ich muss zugestehen, dass ich den Eintrag zu ihm in der Wikipedia anonym editiert habe…

    Und jetzt frage ich mich tatsächlich, warum plötzlich dieser Künstler wieder in mehrere Leute Gespräche vorkommt?

  2. Die Neue Deutsche Welle gehört zu meinen Kindheitserinnerungen (später Kindergarten bis frühe Grundschule). Von den meisten Gruppen kenne ich nur ein Lied (eben das, mit dem sie berühmt geworden sind).

    Um mehr über die Künstler zu erfahren – z.B., wo sie später noch mitmischten, stöbere ich immer wieder gerne auf http://www.ichwillspass.de . Die Seiten sind zur Zeit nicht zu erreichen, der übliche Vorführeffekt.

    Daß viele Musiker aus dieser Zeit jetzt wieder im Gespräch sind und neue CDs veröffentlichen (bzw. ihren CD-Veröffentlichungen derzeit mehr Beachtung geschenkt wird als in den vergangenen Jahren), ist natürlich nicht das Ergebnis einer geheimen Weltverschwörung, sondern ganz schlicht des “1980er-Jahre-Revivals”. Nena ist nur die Spitze des Eisbergs! Ich habe sehr viele der NDW-Künstler innerhalb der letzten Jahre wieder in Fernsehsendungen gesehen und in Artikeln über sie gelesen.

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