Gerührter Präsident

Gestern war ich bei einem Empfang des italienischen Staatspräsidenten Carlo Azeglio Ciampi im Hotel Adlon. Der Empfang, zu dem schätzungsweise über 100 Personen gekommen waren, fand in einem Vortragssaal statt. Ich war das erste Mal auf einem Empfang eines Staatsoberhauptes und musste mich erst einmal zurechtfinden. So war ich etwas überrascht, dass alle empfangenen Gäste aufstanden, als der Präsident den Saal betrat. Ich befürchtete schon, es stünde an, gemeinsam die italienische Nationalhymne zu schmettern, die ja gesangstechnisch nicht ohne ist, aber so weit kam es dann doch nicht, und das Publikum nahm wieder Platz.

Es folgten einige mehr oder weniger überflüssige Reden, bevor zum Schluss der Präsident selbst das Wort ergriff. In seiner kurzen Ansprache kam er auf seine Jugend zu sprechen, die er teilweise in Deutschland verlebt hatte. Als Student war er aushilfsweise als Italienischlehrer in Leipzig tätig. Als er davon sprach, war er den Tränen nah. Die Rührung in seiner Stimme war nicht zu überhören und wirkte durchaus authentisch, soweit ich das aus der dritten Reihe beurteilen konnte. Kein Wunder, dass dieser Präsident (im Gegensatz zu Ministerpräsident Silvio Berlusconi) so beliebt ist! (Bei der Gelegenheit hier schon mal ein Hinweis auf den Film Bye bye, Berlusconi, den ich allerdings noch nicht sehen konnte.)

Da Italien sparen muss, gab es außer warmen Worten weder Getränke noch Häppchen. So mussten wir unseren Kaffee im Hotelsaal des Adlons selbst bezahlen. Die Atmosphäre dort ist auch gar nicht sehr gemütlich, was vor allem an den unbequemen Sesseln und Sofas liegt, aber es ist schon stilvoll, in der Lobby des Adlon beim Kaffee zu sitzen – und zum Plaudern waren ja genug Leute da!

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