Berliner Sonntag, schräge Filme

Ich liebe sommerliche Sonntage in Berlin: Nach ausgiebigem Ausschlafen schwinge ich mich dann gern auf mein Fahrrad und fahre zu einem Freund, um gemeinsam zu brunchen. Das Besondere an Berlin ist ja, dass man sich hier zum Frühstück verabredet. Kurt Tucholsky war ja der Meinung, das liege daran, dass der Berliner sonst keine Zeit habe. In Wahrheit handelt es sich allerdings eher um ein „Spätstück“, denn angesichts des späten Nachtlebens hat der Berliner zum frühstücken jedenfalls keine Zeit.

Heute war ich bei einem Fotokünstler zu Gast, mit dem man sich sehr gut über Kunst, Literatur und Film unterhalten kann. Das ist immer sehr kurzweilig! Außerdem leiht er mir immer ein paar Filme aus seiner üppig bestückten DVD-Sammlung aus. Einen davon konnte ich gleich in den Video-Abend einbringen, der für mich häufig den krönender Abschluss eines erholsamen Sonntags darstellt.

Gestern gab es dort gleich zwei schräge Filme, wobei ich schräg hier durchaus auch im Sinne von queer verstehe: Zunächst wurde Naked Lunch (imdb) gezeigt: ein wirklich seltsamer und oft unappetitlicher Film (David Cronenberg eben!); ich sollte unbedingt die Romanvorlage auf meine Leseliste setzen. Auf David Cronenbergs Website gibt es eine interessante Filmkritik aus Gay Times, in der Cronenberg ein unangemessener Umgang mit der Schwulenthematik des Romans vorgeworfen wird. Ich halte diese Kritik für unberechtigt: der Kritiker hat die an der kritisierten Stelle vorhandene Metapher mit der Europäischen Gottesanbeterin offenbar nicht verstanden oder nur das gesehen, was er sehen wollte.

Praktischerweise gab es im Anschluss an diesen Film dann die von mir eingebrachte leichtere Kost, nämlich: The Producers von Mel Brooks (und zwar die ältere Fassung): ein angenehmer Filmspaß mit vordergründigem und hintergründigem Humor (so dürfte die Person des Regisseurs auf Ed Wood anspielen, was natürlich nur Eingeweihte merken). Mit all seinen Anspielung ist der Film (vielleicht eher unfreiwillig) eine Generalabrechnung mit dem 20. Jahrhundert – insbesondere was Kultur und den Kulturbetrieb betrifft. Sehenswert schräg!

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