Programmplanung, Engel des Universums, schlechte Erziehung

Das Wochenende war sehr erlebnisreich, aber auch anstrengend. Ich wäre eigentlich gern nach Hamburg gefahren – zum Jubliäum von gay-web.de, aber auch in Berlin gab es wichtige Termine, und da ich mich dort in der Pflicht sah, blieb ich in der Hauptstadt: Am Sonnabend und Sonntag fand dort der zweite Teil der Programmplanung für den 23. Chaos Communication Congress (23c3) statt. Es mussten noch über 100 Einreichungen bearbeitet werden. Ich hatte gedacht, alle Einreichungen schon gelesen und bewertet zu haben, aber es waren noch etwa zwanzig hinzugekommen und andere waren bearbeitet worden. Ich finde die Programmplanung ja immer recht interessant, weil man dabei eine Menge lernt, wenn man sich in die unterschiedlichen Thematiken etwas hineindenkt, aber irgendwann wird es dann auch anstrengend. Zum Glück wurde die Planungskommission von Chefkoch wuerfel sehr gut bekocht und der Wein war auch außerordentlich gut und reichhaltig.

In der Nacht von Sonnabend auf Sonntag durfte dann noch ausgiebig in der c-base gefeiert werden, denn Kollege Weis feierte seinen Geburtstag nach. Es war eine nette Party, und ich habe ein paar sehr interessante und anregende Gespräche geführt, so dass ich mich kaum losreißen konnte und erst nach fünf Uhr morgens nach Hause kam. Dementsprechend war die Nacht eigentlich viel zu kurz, denn am Sonntag ging die Planung des Congress-Programms weiter. Beinahe wäre ich am Sonntagabend zu müde gewesen, um noch zwei Filme zu sehen, aber irgendwie verflog die Müdigkeit rechtzeitig. So konnte also der wöchentliche Videoabend auch mit mir stattfinden: Es gab zunächst den isländischen Film Angels of the Universe, der mir trotz seiner Melancholie sehr gut gefallen hat (besonders der Soundtrack). Der Film startet etwas seltsam, bekommt dann aber im entscheidenden Moment noch die Kurve und enthält viele sehr witzige Dialoge – sehenswert, aber nichts für zwischendurch!

Dann folgte ein weiteres Film-Highlight: La Mala Educación – Schlechte Erziehung von Pedro Almodóvar. Der Film erinnerte mich etwas an eine Oper, vielleicht weil er nach dem isländischen Film besonders leidenschaftlich wirkte. Besonders interessant ist die Erzählweise auf mehreren Ebenen mit einem Film im Film, was aber erst nach und nach klar wird. Dabei ist der Film im Film eine Prolepse (Flashforward). Die Struktur ist wie folgt (arabische Zahlen: mögliche Kapitelgliederung, römische Zahlen: mögliche Einteilung in Opernakte):

  1. (I) Madrid 1980 (Haupthandlung)
  2. vermeintlicher Rückblick, eigentlich Prolepse (Film im Film), dazwischen immer wieder Rückkehr zur Haupthandlung
  3. (II) im Film im Film: Rückblick auf die Kindheit
  4. (III) Haupthandlung, Galicien
  5. Einholen der Prolepse durch die Haupthandlung, Film im Film wird als solcher erkennbar, Abschluss der Dreharbeiten, Auftritt des echten Padres
  6. (IV) Rückblick: Erzählung des Padres
  7. (V) Ende der Haupthandlung
  8. Ausblick

Die Struktur steht in einem engen Zusammenhang zum Inhalt, denn schließlich geht es auch um so interessante Fragen wie die nach dem Verhältnis von Realität(en) zu Wahrheit(en) oder nach der Teilbarkeit von Schuld. Großartig ist Gael García Bernal als multiple Persönlichkeit, der seinen ganzen Körper einsetzt (sehr passend zu seiner Rolle). Der Film ist auch filmästhetisch ein Leckerbissen: schöne Landschaften treffen hier auf schöne Körper, und spannend ist der Film auch – was will man noch mehr? Den Film zweimal sehen!

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