Monat der Fotografie

Der lichtschwache November ist in den gerade Jahren zum europäischen Monat der Fotografie erklärt worden und da kann (neben Bratislava, Luxemburg, Moskau, Paris, Rom und Wien) Berlin nicht fehlen. So hatte ich am Freitag Gelegenheit, in Berlins führendem Fotomuseum, der Berlinischen Galerie an der Vernissage mehrerer Ausstellungen teilzunehmen:

Das Kabinettstück dieses Jahres sind die Berlinfotos von Sasha Stone, die kürzlich zufällig in Österreich wiedergefunden wurden. Es sind sehr kleine Vintage Prints, so dass es gut war, dass ich schon frühzeitig in der Galerie war, um sie ungestört anschauen zu können. Die Fotos sind nicht alle spektakulär, geben aber einen schönen Einblick in das Berlin der 1920er Jahre.

Sehr gegensätzlich wirkt die Fotoserie EIN-HEIT des Berliner Fotografen Michael Schmidt: In drei Reihen übereinander hängen sehr dicht eisengerahmte Schwarz-Weiß-Fotos über Eck. Das wirkt allein schon erdrückend. Michael Schmidt mischt eigene Aufnahmen (überwiegend Porträts) mit Bildern aus Zeitungen bzw. aus dem Fernsehen. Dadurch setzt er seine Fotos zu „bekanntem“ Bildgut in Beziehung. Das Bildgut umfasst den Zeitraum von 1930 bis etwa 2000. Jahreszahlen, Titel oder Erklärungen sind den Bildern nicht beigegeben. Das macht es dem Betrachter nicht gerade einfach! Auch der Katalog ist kommentarlos! Leider bin selbst ich zu jung, um das öffentliche Bildgut (die „Anker“ für Michael Schmidts Bilder) einzuordnen. So hörte ich aus dem Publikum Kommentare über das Bild einer RAF-Angehörigen, das ich aber unter den vielen Frauenbildern nicht identifizieren konnte. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass mir diese Ausstellung mit Hilfestellungen sicher besser gefallen hätte. Kunst für Alte ist irgendwie nicht zeitgemäß!

Die weiteren Sonderausstellungen der Berlinischen Galerie sprachen mich eher wenig an, weshalb ich ihnen bei meinem Besuch weniger Aufmerksamkeit schenkte. Dafür gab es auch sonst genug zu sehen. Die Berlinische Galerie ist aber – schon wegen der Dauerausstellung – und dank der Berlinfotos von Sasha Stone auf jeden Fall einen Besuch wert.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.