Thalheimers Faustinszenierung am Deutschen Theater

Nach längerer Pause war ich mal wieder im Deutschen Theater: am Samstag in Faust I und am Sonntag in Faust II. Letzteres Stück hatte ich ja noch nie gesehen, denn es wird aufgrund seiner ‚Unspielbarkeit‘ auch selten aufgeführt. Ob nun die Berliner Inszenierung von Michael Thalheimer einen richtigen Eindruck hinterlässt, bleibt fraglich, denn immerhin ist der Text auf ein Drittel gekürzt und somit vielleicht gar nicht mehr als Faust II erkenntlich, wie ein Kritiker meint.

Thalheimer versucht durch heutige Kleidung einen Bezug zur Gegenwart herzustellen. Unschön ist jedoch, dass er junge Rollen mit alten und alternden Mimen besetzt. Möglicherweise liegt das daran, dass er davon so viele an seinem Theater hat, aber wirklich schön ist das nicht (Das Auge spielt mit!). 🙂 Überhaupt ist das Alter der Schauspieler recht hoch. Vermutlich ist Thalheimers deklamatorischer Stil wirklich modern und zeitgemäß, immerhin wird es so möglich, viel Text in kurzer Zeit herunterzurattern, aber so richtig hat mich das hier nicht überzeugt. Besonders die Hauptdarsteller werden auf diese Weise ihrer schauspielerischen Möglichkeiten beraubt. Bewegungstheater ist das wahrhaftig nicht! Allerdings sind die Schauspieler sehr gefordert und leisten eine Menge, was natürlich sehr positiv zu bemerken ist.

Insgesamt ist es eine gefällige Inszenierung, die vor allem durch die Schauspieler glänzt – eine Jahrhundertinszenierung, wie man es für Faust II in Berlin erhofft hätte, ist es aber nicht. Wenigstens habe ich jetzt der Tragödie zweiten Teil gesehen, jetzt fehlt mir nur noch Faust. Der Tragödie dritter Teil, eine parodistische Fortsetzung der Goethe-Dramen von Friedrich Theodor Vischer, die man im Projekt Gutenberg lesen kann.

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