Willis und Potter statt Schillers Räuber

Am Dienstag wollte ich eigentlich mal wieder ins Staatstheater Nürnberg, um Die Räuber von Friedrich Schiller zu sehen. Das Stück sollte zum letzten Mal in dieser Spielzeit gespielt werden, war gut besprochen worden, und außerdem tritt mein Nürnberger Lieblingsschauspieler Constantin Lücke dort nackt auf, was ich mir auch nicht entgehen lassen wollte. Aber es kommt halt oft anders: Wegen eines Personenunfalls bei der Deutschen Bahn war die Strecke nach Nürnberg voll gesperrt, und es gab keine Chance rechtzeitig ins Theater zu kommen. Also entschloss ich mich kurzfristig aus dem verpatzten Theaterabend eine lange Filmnacht zu machen, zumal ich noch Freikarten für das Cinestar hatte.

Zunächst sah ich Stirb langsam 4.0, der mir wider Erwarten sehr gut gefallen hat: Das Drehbuch ist deutlich besser als das anderer Action-Filme und ist voll mit witzigen Sprüchen. Die Geschichte hat sogar eine durchaus positive Botschaft: Zentrale Datenbanken und Videoüberwachung sind gefährlich, denn der Böse hatte genau da Angriffsmöglichkeiten, wo er sich in die Videoüberwachung einklinken konnte und wo immer Daten zentralisiert worden waren. Negativ zu vermerken ist, dass dem Helden eine Tochter zur Seite gestellt wird, was ein bisschen an die schauspielerisch unsägliche Tochter von Jack Bauer erinnert. Actionstars sollten mal eine Initiative gründen unter dem Motto: Not With My Daughter. Der Oberschurke, gespielt von Timothy Olyphant, war übrigens viel zu hübsch für einen Bösewicht.

Anschließend folgte dann die Mitternachtspremiere von Harry Potter 5, die ich mir nicht entgehen lassen wollte. Ich kann den Film sehr empfehlen! Mehr noch als im Buch geht es um ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt, nämlich die schlimmen Konsequenzen, wenn Politiker meinen, sich in Bildungsinstitutionen einmischen zu müssen. Auch in Hogwarts wird evaluiert, und zwar von der fachlich und didaktisch und pädagogisch katastrophalen Professorin Dolores Umbridge, die alle Eigenschaften einer guten Evaluatorin mitbringt. Die ministerialen Eingriffe in den Bildungsalltag sind in der Fiktion fast so schlimm wie im realen Leben.

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