documenta 12

Museum Fridericianum

Ich habe es doch noch geschafft zur documenta 12 nach Kassel zu fahren. Zum letzten Mal war ich ja zur letzten documenta in Kassel. Irgendwie reizt Kassel nur alle fünf Jahre. 🙂 Diesmal war ich mit fh unterwegs. Wie schon auf der documenta 11 gab es keine wirklich außerordentlichen Höhepunkt, aber doch viel Interessantes zu sehen. Ich habe allerdings den Eindruck, dass es weniger Werke waren als beim letzten Mal. Besonders gut hat mir die Aufstellung der Kunstwerke gefallen, weil es den Organisatoren offenbar darum ging, eine gewisse Dramaturgie herzustellen. Das kann man besonders gut im documenta-Pavillon sehen. Die Dichte der Werke scheint zu steigen. Vor dem Gitarrenraum von Saâdane Afif (einer meiner Favoriten!) steht ein kleiner grüner Quader (Green Box von John McCracken), dahinter dann ein großer grüner aufgeblasener Quader von einem anderen Künstler, und im gleichen Raum läuft auf drei Mac-Displays eine DVD von Hito Steyerl, die lediglich monochromes Rot zeigt (Red Alert) – leider ohne Erwähnung im Katalog, dafür aber im sehr interessanten documenta-Blog.

Gay Teapot

Richtig gut gefallen hat mir Lukas Duwenhöggers Celestial Teapot. Die schwule Teekanne war als Mahnmal für die verfolgten Schwulen für den Tiergarten vom Künstler vorgeschlagen worden, wurde aber abgelehnt. Das ist eigentlich schade, denn so eine begehbare Teekanne hätte schon etwas hergemacht und wäre ein Attraktion gewesen (vor allem wenn sie höher als der Reichstag gewesen wäre). Besonders reizvoll ist die mehrfache Interpretationsmöglichkeit der Himmlischen Teekanne:

  1. Sie bezieht sich auf eine für eine Tunte wichtige Körperhaltung.
  2. Sie spielt auf die gerade in der Nazi- und Nachkriegszeit wichtige Bedeutung von Klappen an. (Heute sind sie ja von GayRomeo abgelöst worden.)
  3. Außerdem spielt der Titel des Werks auf Russells Teekanne an.
Red Room

Natürlich gab es weitere Höhepunkte: zu Iñigo Manglano-Ovalles Raumkunstwerk Radio hat fh ja schon einen Kommentar abgegeben, dem ich nur zustimmen kann: Wenn man nach ein paar Minuten Aufenthalt in dem roten Raum wieder in den Raum mit weißen Wänden zurückkehrt, sieht man das Weiß blau, bevor die Augen wieder einen Weißabgleich durchgeführt haben.

Ich habe meinen neuen Fotoapparat zum Glück nicht mitgeschleppt, sondern nur ein paar wenige Fotos geknipst. Die Fotoausrüstung hätte nur gestört, da man keine Taschen in die Ausstellungen nehmen darf. Die documenta 12 endet am 23. September. Wer also noch nicht dort war, sollte sich schleunigst auf den den Weg machen.


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