Promotion auf Niederländisch

Heute habe ich an einer Promotion an der Universiteit van Amsterdam teilgenommen. Das geht in den Niederlanden alles sehr zeremoniell zu (wer Niederländisch kann, erfährt mehr unter Wetenschappelijke promotie in der niederländischen Wikipedia). Die Professoren (hoogleraren) treten hier bei solchen Gelegenheiten im Talar auf, was der ganzen Veranstaltung einen bunten Charakter gibt. Der Ablauf ist genau geregelt: um 10.15 betrat die Kommission den Saal – angeführt vom Pedell mit dem Universitätszepter –, dann begann die Verteidigung. Mir kam die Ehre zu, die erste Frage stellen zu dürfen, dann folgte die Antwort des Kandidaten, dann stellte der nächste Opponent seine Frage usw. Nach genau 45 Minuten kam der Pedell, der übrigens eine Frau war (sagt man da: Pedellin?), wieder herein und rief „Hora est!“ Daraufhin zog sich die Kommission zur Beratung zurück. Eine riesige lateinische Urkunde wurde ausgefertigt und in einen großen roten Kasten gesteckt, der an eine Torarolle erinnerte. Dann ging es zurück in den großen Saal. Dort gab es eine Laudatio von den beiden Doktorvätern und die Rolle wurde übergeben („Kein Händeschütteln!“ war vorher angeordnet worden). Anschließend mussten wir über eine enge Wendeltreppe nach unten gehen (was mit einem langen Talar leicht zu einem gewissen Risiko wird, zumal man nicht gewohnt ist, damit eine Treppe hinabzusteigen), um dann bei einem Empfang endlich dem erfolgreichen Doktor gratulieren zu dürfen.

Ich fand die Zeremonie sehr interessant, weil sie für mich ganz neu war. Ein bisschen bedauere ich, dass es das in Deutschland nicht gibt. Mit der Parole Unter den Talaren – Muff von 1000 Jahren hat die deutsche Studentenbewegung der 1960er Jahre für die Abschaffung solcher Riten gesorgt. Die Frage ist bloß, warum man das nicht mehr wollte, denn für einen Doktoranden ist es eher wünschenswert, wenn seine oder ihre Leistung festlich gewürdigt wird; durch den Verzicht auf Äußerlichkeiten ändert sich an den Machtstrukturen an einer Universität nicht das Geringste. Ich denke, es liegt daran, dass die Professoren sich nach der 68er-Bewegung einfach „modern“ geben wollten, ohne es in allen Fällen wirklich zu sein.

4 Gedanken zu „Promotion auf Niederländisch“

  1. Es war ein Fotograf da, aber noch habe ich die Fotos nicht. Ich reiche dann noch was nach. Einstweilen kann man Fotos von einer anderen Promotion aus dem gleichen Saal schon mal bei flickr sehen (ohne mich natürlich).

  2. Tja. Hierzulande bekommt man seine Magister- oder Promotionsurkunde dann in mehr oder weniger ansehnlichem Zustand mit der Post zugestellt. Im Endeffekt haben die 68er Studenten damit ihresgleichen einen Bärendienst erwiesen. Die “Machtstrukturen”, insbesondere aber die große “Wertschätzung” des akademischen Nachwuchses werden auch dadurch deutlich, dass man derartig sang- und klanglos von der Alma Mater entwöhnt wird.

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