Mahlers Siebte und Charles Ives

An diesem Wochenende war ich bei einem Konzert der Bamberger Symphoniker; es gab zwei sehr interessante Stücke zu hören: Zunächst Central Park in the Dark von Charles Ives (ausführlicher auf Englisch), den ich nicht kannte, und anschließend die 7. Sinfonie meines Lieblingskomponisten Gustav Mahler (Symphony No. 7 in der englischen Wikipedia). Ives und Mahler sind Zeitgenossen, ihre Musik ist aber doch recht unterschiedlich. Ives klingt viel moderne, obwohl beide in ihren Werken Klangexperimente durchführen, die als modern im besten Sinne des Wortes bezeichnet werden können. Der Unterschied wurde umso deutlicher, da Ingo Metzmacher den Mahler direkt an den Central Park anschloss, was harmonisch möglich und daher sehr effektvoll war.

Charles Ives’ Stück besteht aus einer gleichbleibenden Streichersequenz, die sich immer wiederholt und Stille im Central Park symbolisiert. Darüber spielen andere Instrumente Sequenzen, die für die verschiedenen Geräusche der Stadt stehen, die in den Park eindringen: die Klarinette spielt einen Gassenhauer (den Ives wohl neu komponiert hat, der aber irgendwie bekannt klingt), zwei Klaviere spielen Barmusik. Für das Orchester wird es dabei richtig schwer, denn die verschiedenen Instrumentengruppen müssen teilweise unabhängig voneinander spielen. So übernimmt der Konzertmeister zeitweise die Führung der Streicher, während der Dirigent einen Ragtime dirigiert. Das ist schon sehr eindrucksvoll!

Obwohl ich Mahlers Musik sehr schätze, hatte ich die 7. Sinfonie etwas vernachlässigt – zu Unrecht, denn diese Sinfonie ist wahrscheinlich eine der innovativsten, weil Mahler dort eine Reihe von Klangexperimenten durchführt: Kirchenglocken, Kuhglocken, Gitarre und Mandoline mischen sich in den Orchesterklang und die Geigen werden bisweilen als Perkussionsinstrumente verwendet. Das ist schon sehr gewagt, aber auch sehr effektvoll. Wie immer bei Mahler kommen die volkstümlich anmutenden Melodien und Rhythmen hinzu, die gerade durch den zu ihrem Charakter unpassenden Orchesterklang eine besondere Wirkung bekommen. Ein tolles Stück!

Die Bamberger Symphoniker gerieten zwar an den Rand ihrer Möglichkeiten, haben sich aber insgesamt sehr gut geschlagen. Solche großen Orchesterwerke bieten ja auch was fürs Auge, weil im Orchester sehr viel los ist. Im Kontrabass gab es sogar wenigstens einen hübschen Mitwirkenden, was den Genuss natürlich durchaus erhöhte. Leider muss man sich ein anderes Publikum wünschen, denn bei den Zuschauern stießen die Stücke auf wenig Verständnis. So murmelte hinter mir jemand nach dem Ende des ersten Satzes: „Gott sei Dank!“ und an der Garderobe kommentierte ein anderer: „Viel Lärm um nichts!“ Das hohe Durchschnittsalter der Abonnenten wird bestenfalls durch niedriges Musikverständnis ausgeglichen.

Zum Glück kann man das Konzert demnächst auch im Bayerischen Rundfunk hören. Obwohl der Termin anscheinend noch nicht feststeht, habe ich mir das mal vorgemerkt. Vielleicht gelingt mir ja ein Mitschnitt. Außerdem habe ich mir auch gleich das Buch von Ingo Metzmacher Keine Angst vor neuen Tönen bestellt. Seine CDs der Serie Who is afraid of 20th Century Music sind ja leider vergriffen.

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