Ersatzzug

First class compartment of the 1970s

Nach einem reichhaltigen Brunch im Lichtblick mit Open Source- und Esperanto-Adepten (was ja schon deshalb passt, weil Esperanto ja auch ein Open-Source-Projekt ist) wagte ich es, mit dem Zug zu fahren, obwohl schon klar war, dass das nicht so leicht sein würde, denn die ICE-T-Züge sind ja gerade fast alle zur Wartung.

Als Ersatz gab es einen Ersatzzug aus den 1970ern, der dann auch noch verspätet abfuhr. Ich hatte mir aber schlauerweise schon in Berlin Gesundbrunnen einen bequemen Erste-Klasse-Platz gesichert (dank eines Upgrades, das ich dann aber gar nicht benötigte) und konnte im Gegensatz zu vielen Reisenden im Sitzen reisen. Man versteht ja nicht so recht, warum die Deutsche Bahn einen Zug, der normalerweise 800 Plätze hat (zweiteiliger ICE) durch zwei D-Zug-Abteilwagen und drei Interregio-Wagen ersetzt. Da kann es schon mal etwas enger werden am Sonntagnachmittag.

Das Zugpersonal versprach, dass ein Entlastungszug in Lutherstadt Wittenberg warten würde, was aber wohl nur zur Beruhigung der Fahrgäste dienen sollte, denn der Entsatz-Zug hatte nicht gewartet. Dafür wandte sich die Transportleitung in Leipzig an die Sitzplatzlosen (die inzwischen in der Mehrheit waren, wenn man die Menschen auf dem Bahnsteig hinzurechnete, die den Zug belagerten) und flehte sie an, doch bitte auf den nächsten Zug zu warten, der wegen der Verspätung dieses Zugs wohl in weniger als einer halben Stunde in Leipzig eintreffen werde. Die Hoffnungslosen werden wohl auf diese Karte gesetzt haben, mit den anderen setzte sich der übervolle Zug nach einer weiteren Verzögerung gemächlich in Bewegung. Dass ich mein Ziel dann doch noch mit weniger als 50 Minuten Verspätung erreichte, war eine unverhoffte Meisterleistung des DB-Personals. Ausgehungert und durstig wie ich war (von wegen Service am Platz!), gönnte ich mir auf den Schreck erst einmal ein Gulasch und ein Ungespundetes.


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