Schönberg und Kantscheli

Vorgestern hatte ich das Vergnügen, mal wieder die Bamberger Symphoniker unter Jonathan Nott zu hören. Das Konzert begann gleich mit dem Höhepunkt des Abends, nämlich mit Arnold Schönbergs Konzert für Streichquartett und Orchester B-Dur nach Georg Friedrich Händels Concerto grosso Opus 6 Nr. 7. In einer Einführung vor dem Konzert gab es auch Ausschnitte aus Händels Original. Ich frage mich bloß, warum man nicht gleich das ganze Concerto grosso als erstes Stück gespielt hat. Das hätte viel besser gepasst, als nach dem Schönberg noch ein Konzert für Oboe, Violine, Streicher und Basso continuo von Johann Sebastian Bach (nach Bach-Werkeverzeichnis 1060) nachzulegen. Wahrscheinlich hat man das nur gemacht, um zu verhindern, dass zu viele Konzertabonnenten nach dem modernen Schönberg die Flucht ergreifen. (Die Leute neben mir sind aber trotz des gefälligen Bachs gegangen.)

Nach der Pause ging es dann weiter mit einem sehr gewagten Stück, nämlich Voice & Violin des georgischen Komponisten Gia Kantscheli. Es ist ein Konzert für Tonband, Solovioline und Streichorchester. Auf dem Tonband ist die Stimme von Hamlet Gonashvili, einem verstorbenen georgischen Sänger, der Kantscheli zu seinem Stück inspirierte und dem dieser ein Denkmal setzen wollte. Die dissonanten Dauertöne der Geige sind allerdings gewöhnungsbedürftig und forderten das Publikum etwas, das dann aber durch Franz Schuberts Unvollendete wieder versöhnt werden sollte.

Kantschelis Komposition ist durchaus interessant, auch wenn ich mehr erwartet hatte. In jedem Fall hätte ich sie an den Anfang gestellt, dann Händels Concerto grosso aufgeführt und nach einer Pause schließlich Schönbergs Version. Damit wäre der Abend viel abgerundeter gewesen, so wirkte er etwas konzeptlos. Schönbergs Händelbearbeitung fand ich auch deshalb so eindrucksvoll, weil sie das Orchester und besonders die Solisten sehr gefordert hat, was ich gut finde, denn so können die Künstler zeigen, was sie wirklich können. Das wäre am Ende eines Abends sicher noch wirkungsvoller gewesen als Schuberts gefällige Unvollendete, die wie ein Stück aus dem Standardrepertoire wirkte. Dass der Dirigent sie auswendig dirigiert, verstärkt diesen Eindruck leider nur.

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