Ideen zur Wikipedia

Nachdem sich nun alle möglichen Leute zur Relevanzdiskussion in der Wikipedia äußern, möchte ich als langjähriger Wikipedianer und Inkludist auch mal meine Meinung kundtun. (Die besseren deutschen Termini sind Inkludist und Exkludist, während inclusionist/exclusionist englische Bezeichnungen sind, die man nicht einfach ins Deutsche übertragen sollte, da dort andere Ableitungsprinzipien gelten.)

Meine Meinung zum Exkludismus habe ich ja schon mal im Chaosradio geäußert und Leon bringt es schön auf den Punkt: Unter Exkludismus leidet immer die Gesamtqualität der Wikipedia, während unter Inkludismus bestenfalls die durchschnittliche Qualität der Wikipedia-Artikel leiden kann. Ich finde es zum Beispiel sehr schlimm, dass ein kulturelles Phänomen wie der Tschunk einfach für irrelevant erklärt und dem enzyklopädischen Vergessen anheimgestellt wird. Das widerspricht geradezu dem Wort Enzyklopädie, das ja umfassende Lehre oder Bildung bedeutet. Wo – wenn nicht in der Wikipedia – soll man so etwas finden? Pavel hat ja schon die Absurdität der Relevanzkriterien deutlich angeprangert. Dass da Handlungsbedarf besteht, ist kaum zu bezweifeln. Die Löschung von Tschunk, nachdem dieses Lemma bereits einen Löschversuch überstanden hat, zeigt auch, dass das Argument falsch ist, dass Relevanz in der deutschen Wikipedia nicht verjähre.

Zudem sollten aus Relevanzgründen gelöschte Artikel für alle Nutzer zum Beispiel in einem besonderen Namensraum zugänglich bleiben, denn ein Artikel wie Tschunk ist kaum ausbaubar, wenn man ihn nur unter großen Schwierigkeiten überhaupt findet. Und wenn eine Schule – aus welchen Gründen auch immer – an Relevanz gewinnt, möchte man vielleicht auf Vorarbeiten zurückgreifen. Ich muss allerdings sagen, dass ich kaum verstehen kann, warum Schulen an sich irrelevant sein sollten, und über freiwillige Feuerwehren möchte ich lieber in der Wikipedia etwas lesen als auf herbeigegoogleten Seiten. Auch die Geschichte eines 120 Jahre alten Landgasthauses macht die Wikipedia noch nicht zu einem Restaurantführer. Hier zeigt sich wieder, dass Relevanz keine Eigenschaft von Lemmata ist (weshalb die meisten Relevanzkriterien eigentlich irrig sind), sondern damit zu tun hat, wie viel und was über ein Lemma geschrieben wird. Wikipedia wird nur dann zu einem „Verzeichnis“, wenn Lemmata aufgenommen werden, über die keine interessanten Artikel geschrieben werden. Und ich finde es ausgesprochen schade, dass ich zu bestimmten Themen regelmäßig auf die englische Wikipedia zurückgreifen muss (zum Beispiel wenn es um Filme geht, die demnächst ins Kino kommen). Das ist letztlich eine Provinzialisierung der deutschen Sprache, vor der ich als Sprachwissenschaftler nur warnen kann. Wie Leser der deutschen Wikipedia kulturell in die Irre geführt werden, zeigt sehr schön die Suche nach den Morlocks in der deutschen, englischen, französischen und portugiesischen Wikipedia. Die entscheidenden Morlocks fehlen in der deutschen Wikipedia – vermutlich aus Relevanzgründen.

Ich habe noch einen sehr radikalen Vorschlag zur Lösung der Löschproblematik, auf dessen Durchsetzbarkeit ich mir allerdings keine Hoffnungen mache: Ich schlage vor, die Administratoren abzuschaffen. Schon jetzt gibt es die Möglichkeit, dass fleißige Wikipedianer Artikel „sichten“ können; dabei könnte man ihnen auch gleich die Administrator-Schaltflächen geben. Dann entstünde eine ganz neue Situation: Die Zahl der „Admins“ (die dann nicht mehr so hießen) wäre größer und direkt bzw. automatisch an die Intensität der Mitarbeit gebunden. Die beobachteten konservativen Tendenzen der jetzigen Admins würden wahrscheinlich verschwinden. Da nun jeder, der unangenehm auffiele, seinen Zugriff auf die entsprechenden Schaltflächen verlöre, ist zu erwarten, dass insgesamt zurückhaltender vom Löschen und Sperren Gebrauch gemacht würde, wobei es natürlich ein Löschen aus Relevanzgründen eigentlich gar nicht mehr gäbe (weil da nur noch in den Namensraum: „auszubauen“ verschoben würde). Das wäre doch einen Versuch wert!

Das Löschen von Artikeln ist immer sehr frustrierend für die Leute, die Arbeit darein gesteckt haben. Daher halte ich die Verschiebung in einen besonderen Namensraum für sinnvoller, denn dann kann an dem entsprechenden Artikel weitergebaut werden, bis er ansehnlich und/oder aus anderen Gründen plötzlich an Relevanz gewinnt. Zwei Dinge sollten verhindert werden: Das Entstehen von Machtstrukturen und das Frustrieren von aktiven Autoren, denn beides kann sich eine Quelle freien Wissens nicht erlauben. Daher besteht jetzt auch dringender Handlungsbedarf, der erstaunlicherweise von manchen nicht gesehen wird.

57 Gedanken zu „Ideen zur Wikipedia“

  1. Was gerne vergessen geht: Es gibt nicht nur die Wikipedia, entsprechend muss nicht alles bei WP zu finden sein … es lohnt sich, einen Blick auf Fach- und Spezial-Wikis jenseits der WP zu werfen.

    Ansonsten aber: Inkludismus ahoi! 🙂

  2. Es dreht sich nach meiner Meinung alleine um die Beurteilung der Relevanz. Nach meiner Auffassung ist ein Artikel für die Wikipedia dann relevant, wenn das Lemma von dem Artikel verständlich beschrieben wird. Nicht mehr nicht weniger.

  3. @mds: ja, es gibt Fach- und Spezial-Wikis, das vergesse ich auch nicht; ich mach ja selbst bei der Glottopedia mit, und auch fürs Kochen und Cocktails-Mixen gibt es einiges, aber das spricht ja nicht gegen Inkludismus.

  4. Danke für Deinen Beitrag. Deinen Vorschlag zu einem eigenen Namensraum für gelöschte Artikel finde ich sehr gut, und sei es nur, weil in den Artikeln meistens einiges an Arbeit drinsteckt, die mir grundsätzlich erhaltenswert scheint. Problematisch dabei ist, daß wir auf Dauer gesehen sozusagen eine Parallel-Wikipedia erhalten könnten, in der sozusagen all die toten Artikel weiterleben. Und natürlich müßte auch hier darüber gewacht werden, daß alle möglichen Arten problematischer Inhalte verhindert werden (rassistische, faschistoide, beleidigende, nachweislich unwahre Behauptungen usw.). Das erfordert also zusätzlichen Sichtaufwand etc., was man nicht unterschätzen sollte.

    Zweifel habe ich, ob man die Selbstverwaltung des Projekts soweit treiben könnte, daß man die ganze Administration gleich auch den Sichtern überträgt. Der Admin ist ja nicht Sichter, sondern sozusagen Richter: Er muß Entscheidungen treffen, die über das Sichten (=Abwesenheit von Spam und Vandalismus, keine inhaltliche Kontrolle!) hinausgehen. Er muß den Stichentscheid in den Löschdiskussionen treffen, und wenn es dort total an den maßgebenden Kriterien vorbeigeht, muß er trotzdem den Überblick behalten und eine sachgerechte Entscheidung begründen und umsetzen. Diese Aufgabe kann man nicht jedem übertragen, sonst wird der Unmut und der Zank auf Dauer zu groß werden.

    Macht braucht zur Legitimation ein allgemein akzeptiertes Verfahren. Also benötigt man andere Regeln, die dann eben vorsehen sollten, daß im Zweifel ein Artikel eher zu akzeptieren ist, als daß man ihn löscht (was ich schon immer für vernünftig gehalten habe).

  5. wikipedia hat für mich viel an relevanz verloren in den letzten jahren. wie schade, dass brockhaus nur so kurz durchgehalten hat. es hätte alles noch mal richtig spannend werden können.

    aber das wird es auch wieder.

    .~.

  6. Ich finde einen „Irrelevant“-Namensraum auch sehr gut.

    Und ich stimme meinem Vorredner zu, dass der Inhalt natürlich trotzdem noch auf Neutralität geprüft werden muss (durch Edits, nicht durch Löschen), damit da nicht irgend ein Extremismus entsteht.

    Aber ich bin bzgl. des dazugehörigen Arbeitsaufwandes eigentlich optimistisch. Es wird natürlich etwas mehr Arbeit kosten, das alles zu kontrollieren, aber es wären vermutlich auch mehr Leute dabei.

    Denn: Wenn ich mich in meinem Bekanntenkreis umgucke, dann haben 100% derjenigen, die sich mal bei Wikipedia aktiv beteiligt haben, inzwischen resigniert aufgegeben (eben wegen des Exkludismus). Wenn man das hochrechnet, würde sich also die Zahl der aktiven Editoren um einen Faktor von Unendlich erhöhen, wenn die Wikipedia wieder liberaler und offener und freundlicher wird.

  7. Der Vorschlag ist gut.

    Wenn ein Artikel dann so gut ausgebaut wird oder durch Ereignisse an Relevanz gewinnt, ist er sofort in voller Pracht da.

    Nur sollte es eine Möglichkeit geben, Spaßartikel ala „Dies ist ein Test“ schnell zu löschen, ohne sie auszubewahren.

    Aber alle Artikel, in denen Sinnvolles steht, sollten nicht einfach voll gelöscht werden

  8. Am 5.11. soll ja eine Diskussion zu dem Thema stattfinden: http://blog.wikimedia.de/2009/10/20/kein-mensch-ist-irrelevant/ Das könnte ganz interessant sein und da sollte diese Position auch vertreten werden.

    Eine Notiz am Rande: Es kam auf identi.ca angesichts der Wikipedia-Diskussion die Idee eines verteilten Wikis auf. In der Softwareentwicklung kennt man verteilte Versionskontrollsysteme, da gibt es funktionierende Implementierungen. Diese ermöglichen jedem Entwickler eine eigene Codeversion zu pflegen, bei der er einzelne Versionen anderer Entwickler mit aufnimmt – oder auch nicht.

    Übertragen auf die Wikipedia hieße dies: Jeder kann privat in seinem eigenen Wiki einen Artikel entwicklen – ohne Löschstress und Druck von außen. Einige andere pflegen öffentliche Wikis mit Artikeln und Änderungen vieler Leute. Darin könnte der privat entwickelte Artikel einfließen – wenn der Betreiber des öffentlichen Wikis diesen akzeptiert. Dabei könnte es exludistische und inkludistische öffentliche Wikis geben.

    Das mal so als grundsätzliche Anmerkung, wie ein solches Wiki funktionieren könnte. Es gibt Implementierungen solcher Wikis, beispielsweise http://atonie.org/2008/02/git-wiki
    Auch ich traue mir zu, auf einem verteilten Versionskontrollsystem als Backend ein einfaches Wiki dieser Art zu implementieren. Vielleicht bietet sich hier ein Ausweg aus dem derzeitigen Dilemma der Wikipedia.

  9. Den “Irrelevant”-Namensraum halte ich für eine sehr gute Idee. Oh wie wäre es schön, wenn ich das noch erleben dürfte. Was kann ich tun um die Idee innerhalb der Wikipedia zu fördern?
    Die Aufwertung der Sichter halte ich ebenfalls für eine gute Idee. Zumindest käme es auf einen Versuch an.

  10. @mnementh: Ob eine komplett verteilte Wikipedia funktionieren würde, kann ich nicht beurteilen, aber es ist eigentlich eine gute Idee, so eine verteilte Struktur zu haben, aus der sich dann eventuell verschiedene Wikipediaversionen zusammensetzen lassen. Dann könnte jeder Nutzer für sich entscheiden, was relevant ist. Darüber sollten man mal nachdenken. Eine kurzfristige Lösung wäre das aber nicht.

  11. @Mnementh und @maha: Problem bei der verteilten Lösung: 1. Löst das grundsätzliche Problem nicht, was „relevant“ sein sollte. Man muß an die Regeln heran. 2. WP soll als Referenz dienen. Auf welche WP beziehe ich mich bei Zitaten denn dann? Auf meine, Deine, unsere oder auf die „richtige“ WP? 😉

  12. @maha: Sicherlich keine kurzfristige Lösung. Ich werde mal versuchen so etwas aufzusetzen und ein paar Erfahrungen damit sammeln. Mal sehen was dabei herauskommt.

  13. @maha und @Philipp: Die „Schnellöschung“ wurde schon oft mißbraucht und nicht nur für offensichtliche Spaßartikel oder sonstigen Unsinn genutzt, leider.

  14. Danke, Maha. Ähnliche Ideen sind mir auch im Kopf rumgewandert, aber ich war zu angepisst, um mich konstruktiv mit der Sache auseinanderzusetzen.

  15. „Blick auf Fach- und Spezial-Wikis jenseits der WP zu werfen.“

    Ich denke das ist der einzig sinnvolle Weg. Das „Wissen der Welt“ einer Instanz anzuvertrauen ist dämlich. Aber wenn man auf andere Wikis hinweist, dann kommt sofort die „geh doch nach drüben“ Keule.

    Also nicht Inkludismus. sondern Plurakludismus;)

  16. Hallo,

    das geht jetzt nicht direkt an den Autor dieses Artikels, auch wenn es ihn u.U. auch betrifft:

    598+ aktuell 24 Personen entscheiden darüber was für 82,5 Mio. Deutsche gut und richtig ist. Inkl. all der Maßnahmen über welche sich die sog. Netznutzer hübsch offen erregen, also auch alle Wikipedianer im Falle von drohenden staatlichen Sperrmaßnahmen.

    Wie viele Wissenswächter entscheiden darüber was für wenigstens rund 250 Mio. deutschsprachige relevant ist, und was nicht? So etwa 330 bis 350?

    Durch wie viele Unterdespoten sollen diese ersetzt werden, laut der Auffassung der Wikipedianer? Die Kommastelle der Wissensdiktatoren eins nach rechts?

    Daumen hoch. Das ist echt so was von Basisdemokratisch. Meine Bewunderung.

    Die Wikipedia ist ergo organisatorisch auch nur ein Spiegelbild dieser Gesellschaft. Das Experiment transparente Demokratie wird auch dort per se als Gescheitert erklärt, noch bevor es, z.B. durch die Nutzung des Internet, zur vollen Blüte hätte gelangen können.

    Aber Hey! Wer braucht schon die Leser, die Konsumenten, den Nutzer? Wieso sollte man die/den/den an irgend einem Prozess auch nur (teil)beteiligen? Nur weil dies durch Datentechnik plötzlich möglich ist? Schwachsinn. Das ist schön Deutsch. So denken wir in Seinem ehemaligen Land. Entweder Du gibst dein Leben für die Wikipedia, oder Du hälst dich gefälligst ganz heraus du Weichei.

    Illusionen, Visionen, Fiktionen und immer an sich Selber denken, damit der Blick ja nicht nach Aussen wandert. Man könnte, von Draußen hinein blickend Dinge sehen die einem nicht gefallen. Z.B. das sich die Wikigemeinschaft nunmehr direkt mit Bertelsmann assoziieren lässt (Ein Konzern der freie verfügbares Wissen nicht gerade unterstützt). Hui. Auf zum fröhlichen Hals wenden! Das haben wir ja alle eingeübt. Macht ja nichts. Lasst uns doch, unter der Zuhilfenahme des Internet, genau die Dinge exakt so Falsch machen wie sonst auch, denn das haben wir „ohne Internet“ auch schon immer so gemacht.

    Die Wikipedianer sollten sich mal mit kritischen Blick von Aussen Lesen. Wenn schon unsere Regierung es nicht vermag, die Wikipedia bekommt die Vielfalt der Meinungsbildung schon kaputt. Wenigstens durch Selbstaufgabe u./o. Ideenverrat. Heute sind es die Blogs, oder unliebsame Einzelpersonen (die man ja nicht lieben, aber wenigstens respektieren sollte), morgen braucht dann die Verwaltung Seiten nicht einmal mehr zu sperren. Sie sind in der Wiki nicht mehr zu finden, dann auch nicht mehr in Google und wie ja alle wissen:

    „Steht es nicht in Google, existiert es nicht!“
    (oder hat keine Relevanz)

    Gruß

  17. Unsere beiden Lösungen ( http://poelzi.org/blog/2009/10/23/gedanken-zu-einer-basisdemokratischen-wikipedia/ ) zeigen Ähnlichkeiten und wird zumindest auf http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia_Diskussion:Relevanzkriterien#.C3.9Cberlegungen_zur_Restrukturierung_der_RK diskutiert, ähh debattiert. Ich will ja nicht annehmen dass irgendjemand seine Meinung ändern könnte 😉 Wieso habe ich das Gefühl, daß sich auf den Seiten über Relevanzkriterien nur Exkludist und Admins mit Angst vor Machtverlust zu finden sind.

    Ich zitiere einfach mal was mir besonders gut gefällt:
    > ui: „Gedanken zu einer basisdemokratischen Wikipedia“ – schon ab dem 4. wort fällt es mir schwer weiterzulesen …Sicherlich Post 15:59, 24. Okt. 2009 (CEST)

  18. Pingback: hoenn.net/blog
  19. Der Zustand bei WP ist ein Spiegel der Zeit – Das ist nicht nur bei WP so.
    Je mehr Druck auf die Menschen ausgeübt wird, desto verstärkter äussert sich das Verhalten einzelner Personen.
    Dies zeigt sich z.B. bei WP sehr deutlich, sieht jedoch der einzelne das auch?

    Oftmals wird die Hitzigkeit einer Debatte übersehen.
    Gemeint ist nicht der Eifer des Gefechts, denn eifrig etwas zu erarbeiten, hat grundsätzlich nichts schlechtes.

    Selbst wer in tagelanger Arbeit einen noch so interessant- informativen Artikel verfasste, setzt sich selbst -und auch andere- der Gefahr des Burnout aus.
    Zunächst inhaltlich infrage gestellt, wird im weiteren Verlauf ein Artikel zunehmend stärker analysiert, bis zuletzt Personen stärker in den Fokus gerückt werden, als der eigentliche Artikel selbst.

    Ob nun Eigenliebe oder Stolz, dahinter verbirgt sich oft die Eitelkeit einzelner.
    Sowohl destruktiv als auch konstruktiv – Kritik zu üben ist einfach; darin gibt es wahre Meister.

    Man muss sich nicht immer einig sein, um eine Übereinkunft herbeizuführen.
    Solange jedoch Eitelkeit über kollektivem Handeln gestellt wird, kann kein Plan gelingen.

    In diesem Sinne ist jeder einzelne gefordert, bei sich selbst anzufangen.
    Das allerdings setzt auch den Geist der Bereitschaft voraus, welcher -meistens- aus Erkenntnis entspringt.

    Der Spiegel der Zeit nun offenbart uns, dass die Intelligenz der Erkenntnis nicht jedem Geist innewohnt.
    Viele Menschen innerhalb der Hetz-Gesellschafft haben eines nicht erkannt: Wer das Leben beschleunigt, verkürzt es nur.
    Wer innerhalb eines solchen Geistes handelt, setzt -ganz automatisch- andere unter Druck.

    Wie also kann -auch bei WP- kollektives Handeln zum Wohle aller herbeigeführt werden?
    Wenn die Menschen das zusammenrücken in guten Zeiten nicht gelernt haben, wie wollen sie es in schlechten Zeiten umsetzen?

    Fragen über Fragen.

    Meine -ganz persönliche- Prognose:
    Je mehr Druck ohne Lösungsansätze von der Obrigkeit ausgeübt wird, desto schlimmer wird es zugehen.
    Die Zeit wird es zeigen.

    Mein Lösungsvorschlag?
    Ein sogenannter Runder Tisch.
    Regelmässig.
    Wo es kein vertrauliches Gespräch gibt, wird kein Plan gelingen.

    Liebe Grüsse, ein einfaches Menschle

  20. Irgendwie hab ich Deine Idee nicht ganz verstanden:

    „Da nun jeder, der unangenehm auffiele, seinen Zugriff auf die entsprechenden Schaltflächen verlöre, “

    Wie soll das funktionieren? Wer konkret entzieht den Unangenehmen die Schaltflächen?

  21. Das Erweitern der Rechte von Sichtern wird nicht funktionieren, da damit jeder Dahergelaufene sich auf einmal wie ein machthungriger Admin aufspielen würde.
    Ihc verstehe jedoch nicht, warum das prinzipielle Konzept der Wikipedia – die Kontrolle der Gemeinschaft – nicht auch konsequent betrieben wird. Ein Löschen von Artikeln ist doch nicht nötig, denn: Wen stört ein vielleicht nicht allzu relevanter Artikel? Wikipedia ist eben KEINE Enzyklopädie im klassischen Sinne; Man hat keine begrenzte Seitenanzahl wie in einem Buch und der Speicherplatz auf den Servern kann auch kein wirkliches Argument sein.
    Ein Wikipedia Artikel sollte nur von seinen Qualitätskriterien abhängen und für Artikel, die diesen noch nicht entsprechen, ist die Idee eines Speziellen Benutzernamenraumes nicht verkehrt. Doch ist es letztendlich abstrus, wenn man sich zum Ziel setzt das Wissen der Welt zu sammeln, und dann irgendein Wissen (aus welchen Gründen auch immer) ausschließt.

    Meiner Ansicht nach ist das eigentliche Problem die Definition von „Enzyklopädie“ – neue Techniken erfordern manchmal neue Definitionen…

  22. Mir ist gerade noch ein weiterer Punkt eingefallen: Bevormundung, Konsequenz und Solidarität.

    Was mich an dem Löschdiskussionen nachdenklich stimmt sind die Verhalten beider Parteien. Nicht misszuverstehen, es sind normale menschliche Verhaltensweisen, die sowohl Inkludisten und Exkludisten an den Tag legen. Doch sind sie besorgniserregend.
    Was mich auch schon immer an der Kindererziehung gestört hat, sind solche bevormundenden Äußerungen, als würde man mit einem minderwertigen Menschen reden. Eltern halten ihre Kinder – wenn auch nicht bewusst – oft für blöd und reden mit ihnen auf eine ziemlich herablassende Art, als könnten sie die Welt ja garnicht verstehen.
    Das gleiche ist mit bei den Löschdiskussionen aufgefallen. Die „Wiki-Insider“ nehmen interessierte Beteiligte nicht für voll und diffamieren sie als IP’s und Sockenpuppen, obwohl gerade diese Gelegenheitsschreiber den Geist der Wikipedia ausmachen. Sie sind genauso Menschen mit genauso ernst zu nehmenden Anliegen und Bedenken wie Leute, die sich öfter in der Wikipedia bewegen.
    Hinzu kommt noch das Problem der Konsequenz. Niemandem fällt es wirklich leicht öffentlich zuzugeben, dass er falsch lag und seinen Fehler zu revidieren. Admins, die einen Artikel gelöscht haben, werden im seltensten Fall mit „neutralem Ausgang“ in eine Löschdiskussion hinein gehen, sondern werden bis zuletzt versuchen, ihren Standpunkt durchzusetzen. Auch wenn sie durch die Diskussion ins zweifeln gekommen sind, ist das beharrten auf einem einmal eingeschlagenen Weg die natürliche menschliche Reaktion. Und die Solidarität unter der Wiki-„Pseudo“-VIPs tut ihr übriges. Ihr würdet doch auch in einer Schlägerei z.B. eher eurem Nachbarn, Arbeitskollegen oder einem Anhänger eures präferierten Fußballvereins zur Hilfe eilen, als jemandem, zu dem ihr keinen Bezug habt, oder?
    Natürlich ist vor Allem die Konsequenz auch ein großes Problem der Inkludisten, doch ist die Konzentration der Macht nunmal auf der Seite der Exkludisten, wie es aussieht.

    Aber mein Punkt bei den Ausführungen ist eher: Mit den bisherigen Strukturen kann man gar nicht weiter kommen. Auf keiner Seite, denn sowohl das Löschen eines Artikels, als auch das Diskutieren dieser Löschung wird meist als persönlicher Angriff aufgenommen. Und auch ein Zusammensetzen an einem runden Tisch ändert daran nichts.

    In dem Projekt der Wikipedia müssen eher die Strukturen des einzelnen aufgebrochen werden, denn auch die Wikipedia ist kein Individualist.

    1+1>2

  23. maha: Du weißt so gut wie ich, dass die Bürokraten das nicht leisten können. Sie entscheiden heute ja nicht einmal selbst, wen sie zum Admin machen und wem sie den Status wieder entziehen. Sie setzen lediglich nach wochenlangen Abstimmungsprozessen und meist sehr eindeutigen Entscheidungen ein Häkchen in der Admin-Datenbank.

    Letztlich plädierst Du für die Schaffung von neuen Super-Admins, was dann wieder eine ganze Reihe von Willkür-Problemen schafft. Jedem Sichter die Möglichkeit zu geben, spezielle Artikelversionen zu löschen – was besonders bei Verleumdungen notwendig ist – würde meines Erachtens niemandem helfen.

  24. @mib: Die Sichter sind nicht Dahergelaufen, sondern haben diesen Status ja erst bekommen, nachdem sie sich bewährt haben.

    @Torsten: Die Bürokraten hätten ja nur noch die Aufgabe, Sichtern, die sich auffällig verhalten, die entsprechenden Schaltknöpfe abzuschalten. Das ist sicher machbar. Ansonsten halten sie sich genauso zurück wie bisher, damit entstehen wohl auch keine neuen Super-Admins. Möglicherweise gibt es auch Zwischenlösungen, z.B. dass verschiedene Personen unterschiedliche Dinge tun; wichtig ist bloß, dass es keine Hierarchie gibt, die in (möglicherweise vermeintlichen) Machtstrukturen mündet. Wahrscheinlich muss einfach ein bisschen experimentiert werden, getreu dem Motto: „Sei mutig!“

  25. Ich befürchte Du unterschätzt die Komplexität der Aufgabenstellung bei weitem. Alleine die Grabenkämpfe darum was „auffällig“ ist, würden die Diskussionen um Relevanzkriterien bei weitem übersteigen. Zudem: Du brauchst mehrere Hundert Leute, damit sie auch nur innerhalb einer Woche bemerken, dass es irgendwo knallt.

    Die von Dir geforderte Aufgabenteilung hat Wikipedia doch schon seit Jahren. Nur ein sehr kleiner Kreis von Admins will sich noch in die Löschhölle vorwagen weil sie – egal was sie machen – von einer Seite übelst beschimpft werden.

    Um „mutig“ zu sein, müsste man schon ein konkretes Ziel haben. Es ist keinn Mut, wenn ich aufs Gradewohl an irgendeiner Schraube drehe, bis sich alles von selbst regelt oder das Ganze zusammenbricht.

  26. Der Tschunk würde imo viel besser auf rezeptewiki.org (oder noch besser in ein cocktailwiki) passen. Ich stimme Dir zwar zu, bin aber auch der Meinung daß man (normalerweise) nicht ins Lexikon schaut wenn man sich einen Drink mixen will.

  27. Wie sollte man Artikel sperren können, wenn alle Benutzer Administratoren sind? Vandalismus ist ein enormes Problem bei größeren Artikeln.

    Irgendwo haben Informationen auch einen Wert und man muss sie nicht archivieren nur „weil mans kann“. Es gibt so viel Irrelevantes auf der Welt, einfach weil fast alle Menschen irrelevant sind und keine Information zu bieten haben!
    Artikel ohne Quellen und mit 5 Treffern bei Google zu erstellen find ich jetzt nicht so sinnvoll. Es gibt einfach keine Rechtfertigung außer „wir haben ja genug Platz“. Quantität statt Qualität und so. Das mit dem Namensraum ist aber ne gute Idee um zumindest vielversprechende Artikel überarbeiten zu können. Das stellt für mich zumindest einen vernünftigen Kompromiss dar.

    Übrigens, was ist ein Tschunk?

  28. Bei Indymedia gibt es die wundervolle Einrichtung, Kommentare in zwei Relevanzkategorien zu sortieren, ohne daß die irrelevanteren („Kommentare, die keine inhaltliche Ergänzung darstellen“) deshalb völlig verschwinden würden.

    Wäre es nicht möglich, bei Wikipedia eine ähnliche Unterteilung einzurichten, die den Exkludisten erlauben würde, einen hochrelevanten Kernbestand an Artikeln zu sichern und den Inkludisten, die Unbegrenztheit des Netzes auszunutzen.

    Dazu müßte es dann natürlich auch möglich sein, die Einordnung jederzeit zu ändern.

  29. Ich finde den Vorschlag eines Bereichs „Auszubauen“ sehr gut! Das erinnert mich an die etablierte Struktur beim Programmieren:

    Wieso gibt es nicht einfach eine CURRENT-Version und eine RELEASE-Version?

    Das ganze könnte man ganz gut auf Artikel-Ebene umsetzen. So wäre es auch möglich, auf Artikel-Basis einen Peer-Review-Prozess einzuführen. Entsprechend gereviewte Artikel würden dann eben als solche kenntlich gemacht. Damit hätte man dann auch gleich ein gutes Konzept für die Zitierfähigkeit von Artikeln: Die Release-Versionsnummer und das Prädikat „peer-reviewed“…

    Grüße,
    Jochen

  30. Die Wikipedia mit ihrer Administratorenmannschaft ist nach meiner Meinung längst gescheitert.

    Gerade im Bereich LGBT werden hier homophobe Sockenpuppenkonten geschützt und nicht dauerhaft gesperrt. Dafür wird dem Treiben solcher Konten monatelang zugeschaut und homophobe Edits zugelassen.

    Meines Erachtens ist die Wikipedia daher gescheitert und das schreibe ich hier bewusst auch in meiner Eigenschaft als Jurist.

    Gruss aus NRW

    Gerd

  31. Ich empehle Dir einmal die Edits des homophoben Sockenpuppenkontos von Benutzer:Susanne und Stefanie (eine Trollsocke).

    Das Konto ist seit Monaten aktiv und dazu geselleen sich Konten von homophoben Autoren wie Irmgard (mit Adminstellung und ganz schlimm imm Bereich LGBT), jergen, GregorHelms (sich selbst überschätzender anmaßender homophober Typ aus Ostfriesland) sowie die homophoben Konen von Ninety Mile Beach und von Konto:Dikskriminierung.

    All diese Konten bleiben auf der Wikipedia und sind fleisig mit homophoben Edits unterwegs, ohne das ein Admin sich einschaltet. Stattdessen steigen solche Konten sogar selbst zu Admins auf, wie dies das Konto Irmgard zeigt.

    Nein die Wikipedia ist in ihrer Machtstruktur gescheitert.

  32. http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Diskussion:Benedikt_XVI.&diff=66874467&oldid=66141809

    Für einen solchen Edit, der eine FRAGE und keine Meinungskundgabe oder Tatsachenfeststellung beinhaltet, bekommt man also bereits auf der Wikipedia als langjähriger Autor eine UNBESCHRÄNKTE Sperre.

    Dies zeigt wie „runtergekommen“ die Wikipedia mittlerweile ist und dort Machtstrukturen einiger Admins vorhanden sind, die das Gegenteil der Wikipedia mittlerweile darstellen und die Wikipedia zur Zensurpedia verkommen lassen.

    Da wird man also bereits für die FRAGE auf der Diskussionsseite (!) nach der sexuellen Orientierung einer prominenten Person dauerhaft gesperrt.

    Was ist daran provokativ, wenn ich diese Frage stelle: es ist Nichts schlimmes dran, ob eine prominente Person hetero, bi oder homo ist.

    Hatte ich bereits lange prophezeit, dass die Wikipedia zu einer religiösen heterosexuellen Zensurpedia sich wandelt.

    Herzlichen Gruß

    Gerd

  33. So ich halte die Wikipedia für gescheitert, wenn es bereits für Fragen auf Diskussionsseiten eine dauerhafte Sperre gibt.

    Das Konto GLGermann wurde dauerhaft gesperrt und da ist eine ganze Meute an Admins nicht interessiert, dies rückgängig zu machen.

    Mir als Juristen zeigt dies, dass die Wikipedia halt das Gegenteil von dem ist, was suggeriert wird und in Wahrheit doch ein Pool ist, wo sich paar Leute vernetzt haben und die Wikipedia mit ihrer Meinung kontollieren wollen.

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