Digitalradierer

Heute Abend hatte ich mal wieder eine Diskussion über den Digitalradierer. Das so ein Konzept nicht funktioniert kann man sich an einem einfachen Vergleich klar machen: Das Internet ist ein Netz von Kopiermaschinen; wenn ich da einmal etwas eingespeist habe, kann ich es nicht zurückrufen, weil viele Kopien davon angefertigt worden sind und im Umlauf sind. Selbst eine Funktion, die es mir nur dann erlauben würde, den Kopierer weiter zu benutzen, wenn ich eine bestimmte Seite vorher geschreddert habe, ist sinnlos, denn ich kann ja zwischendurch noch eine Kopie anfertigen und dann das Original in den Schredder geben und meine Kopie behalten.

Jede Datei, die ich mir auf dem Computer ausgeben lassen kann, besitze ich auch (wie das eben bei Kopiermaschinen ist) und kann sie auch „abheften“. Schon deshalb funktionieren Digitalradierer eben nicht. Die einzige Möglichkeit, die ich sehe, um Informationen im Internet „verschwinden“ zu lassen, besteht darin, viele neue Informationen zu schaffen, die dazu führen, dass es einen Informationsüberfluss gibt, in dem alte und (vermeintlich) unwichtige Informationen untergehen. Außerdem wird sich die Einstellung der Gesellschaft zu „alten“ Informationen auch mit der zunehmenden Nutzung des Internets ändern. Das soziale Problem, dass Menschen zu viel über sich preisgeben, lässt sich nicht durch technische Vorkehrungen lösen.

Letztlich hat die Online-Speicherung auch Vorteile: Politikeräußerungen bleiben in der Regel lange Zeit erhalten und geraten somit nicht in Vergessenheit. Das ist auch gut und richtig so. Ich vermute mal, dass leere Versprechungen immer seltener werden (Versprechungen sind im Gegensatz zu Versprechen übrigens immer leer), und somit wird die Welt dank fehlender Digitalradierer besser.

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