Die fette Ecke

Heute war ich bei der Eröffnungsparty der neuen Kreuzberger Eckkneipe Die fette Ecke (Schlesische Straße/Cuvrystraße), eines Ablegers der Bar 23 aus dem Umfeld der Pyonen bzw. von ArtEvent, alles Gruppen die mit dem Berliner Chaos Computer Club in einem wie auch immer gearteten Zusammenhang stehen. Der Name Die fette Ecke erinnert zunächst an Joseph Beuys oder an fette Hennen, ist also schon etwas ungewöhnlich für eine angesagte Kneipe, passt aber wohl besser nach Kreuzberg als Bar 23, was wiederum besser in den Prenzlberg passt.
Es war proppenvoll, und dazu gab es ziemlich lauten Humppa-Techno (dieses Kompositum ist von mir, trifft aber die Musikrichtung ziemlich gut), also eine wenig interessante Form der Technomusik. Das Publikum zerfiel in zwei Gruppen: es gab ein paar Zwanzig- bis Dreißig-Jährige, die überwiegend aus der „Chaosfamilie“ waren und zudem eine große Gruppe von gesichtsalten Über-Dreißig-Jährigen, die wahrscheinlich aus der goldenen Technozeit übriggeblieben waren. Die eine oder andere verwelkte Techno-Hippe hatte allerdings einen knackigen Jung-Lover im Schlepptau (wie machen die das bloß?).
Da dann bald die ersten Gläser umfielen, hab ich mich nach dem zweiten Pilsner Urquell abgesetzt. Ich werde Die fette Ecke aber noch einmal im Normalbetrieb aufsuchen; dann wird es sicher eine nette Eckkneipe sein. Übrigens: man sollte sich nicht durch das Pseudo-Fraktur-Schild über dem Eingang abschrecken lassen (auf dem die in einer Frakturschrift obligatorische ck-Ligatur fehlt); die Location ist schon cool.

Camp, Cage und Co.

Gestern fragte mich ein Freund: „Kennst du noch Andreas Dorau?“ Ich musste zunächst passen, aber dann kam ich (mit seiner Hilfe) darauf, dass Andreas Dorau ja zur Neuen Deutschen Welle gehört, einer Popmusik-Richtung, für die selbst ich fast schon zu jung bin. Ich erinnerte mich aber dunkel, als mir ein paar Titel vorgespielt wurden. Heute würde man diese Musikrichtung wohl Trash nennen oder etwas positiver als Camp bezeichnen.
Wir kamen darauf, weil Andreas Dorau kürzlich zu Gast bei Wolfgang Müller in der Raststätte Gnadenbrot war, einer ebenfalls sehr trashigen, campigen oder kultigen Kneipe in Berlin-Schöneberg. Und damit man mir nicht immer nachsagt, zu spät auf interessante Kulturereignisse hinzuweisen, nämlich erst dann, wenn sie vorbei sind, gibt es jetzt ausnahmsweise mal einen Programmtipp: Die Pianistin Susanne Kessel ist am 26. November um 21 Uhr im „Gnadenbrot“ zu Gast. Es geht um Mozart, Cage und Satie, die hoffentlich nicht nur besprochen, sondern auch vorgespielt werden.
Vor einigen Jahren habe ich ja schon mal einen Vortrag über Cage und Robert Rauschenberg von Jonathan D. Katz gehört, von dem es auch eine Internetfassung gibt, und nun habe ich zum Geburtstag auch noch eine Cage-Biografie geschenkt bekommen. Da ich mich so langsam zum Cage-Fan entwickele, muss ich demnächst wohl auch nach Halberstadt fahren, wo das Cage-Orgel-Projekt in einer dortigen Kirche beheimatet ist: Ein Stück von Cage soll so langsam wie möglich gespielt werden. Daher hat mein Besuch keine Eile, denn der jetzt gespielte Ton dauert noch etwa 200 Jahre. Aber reinhören möchte ich schon mal.

Russisches Bier & Brasilianische Küche

Heute abend habe ich mich mit einem Freund am Rosenthaler Platz im Gorki Park (das schreibt sich wirklich in zwei Wörtern!) getroffen. Dort gibt es ganz brauchbares russisches Bier vom Fass. Danach sind wir weiter zum „Ipanema“ in der Torstraße 164, von dem sogar Brasilianer sagen, dass es eins der besten brasilianischen Restaurants in Deutschland sei (auch im Brasilienwiki gelistet, es gibt auch meiner Ansicht nach unberechtigte negative Kritik). Ein wenig wie in einer Churrascaria gab es ein großes Büffet mit Beilagen, Fleisch- und Fischtöpfen und Nachtisch. Ständig wurde auch etwas nachgestellt. Man konnte sich richtig satt essen für nur 6 Euro, was wirklich ein guter Preis ist (die Getränkepreise sind entsprechend höher). Traditionell ist in Brasilien die Feijoada, also Bohnen mit Schwarten, die natürlich richtig sättigen. Überhaupt gab es viel Churrasco, das den Getränkekonsum deutlich forcierte, bis das Weizenbier vom Fass schließlich zur Neige ging. Es gab auch eingewickelten Fisch (Moqueca), auf den ich aber wegen des leckeren Fleisches verzichtet habe. Dass das Essen gut ist, kann man auch daran sehen, dass an den anderen Tischen überwiegend Brasilianer speisten, unter anderem der Hertha BSC-Spieler Marcelinho, der hier Stammgast ist und sich mehrmals mit anderen Gästen fotografieren ließ. Ich fand ihn etwas dick für einen Sportler, was aber an seiner unvorteilhaften Kluft gelegen haben könnte.
Ich kann einen Besuch in diesem Restaurant nur empfehlen. Allerdings muss man brasilianische Musik im Hintergrund mögen (manchmal wohl auch live). Es wurde aber eine wesentlich größere Bandbreite eingespielt, als der Name des Restaurants vermuten lässt. Die länglichen Tische sind bei größeren Gruppen etwas unkommunikativ.

Kurort Wedding

Unter dem Namen Kurort Wedding soll gerade der Berliner Stadtteil Wedding beworben werden. Das hat der Wedding eigentlich gar nicht nötig, denn inzwischen ist er schon sehr angesagt. Gestern hatte ich Gelegenheit, mich dort ein wenig umzusehen, denn ich bin für jemanden eingesprungen, zwei Stunden die Galerie Laine-Art zu beaufsichtigen, die ja durch die Kleinkunst-Truppe Brauseboys und den Gay Photo Award bekannt geworden ist. Ich fuhr also mit dem Fahrrad quer durch den Wedding, um beim Café Cralle den Schlüssel für die Galerie abzuholen. Das Café ist ein etwas alternativ angehauchtes Kiez-Café, so wie man es eher aus Berlin-Kreuzberg kennt: Die Barfrau kennt ihre Gäste, die direkt aus Herr Lehmann zu kommen scheinen. Dann fuhr ich durch die Hochstädter und die sehr lebendige Maxstraße zur Galerie und spielte zwei Stunden lang einen ehrenamtlichen Museumswärter. Es kam zwar kein Besucher, aber ich konnte in Ruhe die Bilder anschauen, Die Zeit und den aktuellen Têtu lesen, den ich mir aus Frankreich mitgebracht hatte, und schließlich mit meiner Ablösung noch einen Kaffee trinken, um dabei über Kunst, das Leben und Ofenbau zu plaudern.
Dann fuhr ich durch die mit Gaslicht beleuchteten Weddinger Straßen, die trotz der einbrechenden Herbstkälte noch mediterran wirkten nach Mitte und verbrachte noch einen netten Abend im CCCB bei Tortellini und Feigen.

Bewag wird Vattenfall

Zurück von meiner Odyssee durch Deutschland (Berlin – Göttingen – Bamberg – Köln – Saarbrücken – Berlin) finde ich ein Schreiben der Bewag in meiner Post, das mir mitteilt, dass ab 1.1.2006 die Bewag Vattenfall heißen wird. Es liegt eine vielfarbige Broschüre über Vattenfall dabei und natürlich fehlt auch nicht ein Link auf die deutsche Vattenfall-Homepage, ein Link auf die diesbezüglich viel informativere Bewag-Homepage fehlt. Ich bin ja nur deshalb Kunde bei der Bewag geblieben, weil es eben die Berliner Elektrizitätswerke sind. Berlin ist ja eine Stadt, zu der ich mich bekennen will. Wenn das nun alles Vattenfall Europe ist, kann ich mich ja mal um einen anderen Anbieter bemühen, zum Beispiel um Ökostrom aus Schönau im Schwarzwald. Ich glaube, die Entscheidung, auf den Namen Bewag zu verzichten, war keine gute für den Konzern.

Nicht auflegen, Urinstinkt

Berlin ist groß! Das merkt man besonders, wenn man mit dem Rad von Berlin-Schöneberg nach Berlin-Weißensee will und es ist draußen sehr heiß… Ich war bei einem Bekannten eingeladen, der direkt an der Grenze zwischen Weißensee und Prenzlauer Berg wohnt. Wir haben dort gemütlich auf dem Balkon gesessen, aber irgendwie fehlte es an gemeinsamen Gesprächsthemen. Da kann die Zeit ziemlich lang werden. Unterhaltsam war bloß, dass der Typ angefangen hat, seinen etwas überkandidelten hochdeutschen Akzent mit wat, dat, weeßte und zwee zu spicken, was völlig lächerlich klingt. Hiermit ergeht eine Bitte an alle zugereisten Neu-Berliner: Bitte nicht berlinern! Das klingt einfach nicht mit schwäbischem, rheinischen oder niederländischen Akzent.
Zum Glück konnte ich dann noch zwei Filme auf dem antiken Videobeamer des Berliner CCC genießen: Erst den wirklich tollen low-budget-Film Phone Booth, deutsch: Nicht auflegen oder französisch Phone Game (!) – außer in Kanada, wo auf den Franglais-Titel verzichtet wurde und der Film einfach La cabine heißt (schön sind die Kommentare auf der französischen Wikipedia-Seite). Sehr überzeugend switcht Colin Farrell vom Top zum Bottom (ob mir je jemand soviel Denglish verzeihen wird? Aber wie soll ich es sonst formulieren?). Den Film halte ich für unbedingt empfehlenswert. Es ist übrigens ein Realzeitfilm, was ich ja sowieso mag. 80 Minuten Spannung pur!
Anschließend gab es dann noch den Film Basic Instinct, der mich auf den zweiten Blick nicht mehr so sehr überzeugt hat. Der Soundtrack ist aufdringlich, die schauspielerische Leistung ist auch nicht überzeugend (außer vielleicht bei Sharon Stone, aber Marlene Dietrich konnte das besser!) und die Story ist ja wirklich etwas sonderbar. Toll ist lediglich die Autoverfolgung auf der Küstenstraße bei Sausalito, wenn man sie auf einer größeren Leinwand genießen kann. Ich bin da ja auch schon lang gefahren, allerdings im Minibus eines Altenheims, aber das ist eine andere Geschichte…

Einstein in Berlin

Anlässlich des Einsteinjahrs hat Stattreisen Berlin einen Rundgang zum Thema Einstein in Berlin ins Programm genommen, an dem ich heute teilgenommen habe. Er begann am Kronprinzenpalais, in dem noch bis Ende September eine Einsteinausstellung zu sehen ist. Von dort ging es über den Bebelplatz zur Humboldtuniversität. Auf dem Bebelplatz (vormals Opernplatz) wurden anlässlich der Bücherverbrennung 1933 in Deutschland auch Einsteins Schriften verbrannt, hier befand sich bis nach dem ersten Weltkrieg auch die Verwaltung der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft, die dabei mitgewirkt hatte, Einstein nach Berlin zu holen. Weiter ging es zur Staatsbibliothek zu Berlin, der ehemaligen Akademiebibliothek und zum ehemaligen Physikalisch-Chemischen Institut der Humboldtuniversität in der Bunsenstraße, neben dem ARD-Hauptstadtstudio. Der Zwischenhalt an dem nach Marie-Elisabeth Lüders benannten Gebäude des Bundestages sollte daran erinnern, dass Einstein mit ihr und anderen zusammen die Deutsche Demokratische Partei gegründet hatte. Dann ging es zum Theater am Schiffbauerdamm, um von Einsteins Verhältnis zu Brecht zu hören. Schließlich schloss der Rundgang im Scheunenviertel, wo Einstein als Jude thematisiert wurde. Die Führung, die von der Stadtführerin Barbara Müller geleitet wurde, war sehr interessant und gut ausgearbeitet – unvorteilhaft war der gelegentlich etwas feministische „Touch“ der Führung (Einstein als Macho, Physiker als Männerclub) und dass die Führerin darauf beharrte, dass Einstein „Ministerpräsident“ von Israel werden sollte, obwohl es um das Amt des Staatspräsidenten ging.
Nach der Tour bin ich in den Chaos Computer Club Berlin (auch so ein Männerclub, s.o.). Diesmal gab es dort nichts zu essen (jedenfalls nichts Gekochtes und die Küche lud nicht sehr zum Kochen ein), und so machten sich ein paar von uns auf, um im Tagore 2 am fernen Rosenthaler Platz indisch zu essen. Das ist ein günstiges, aber leckeres Indisches Restaurant. Auf dem Weg zurück kamen wir dann noch bei Newthinking vorbei; der Laden war zwar geschlossen, aber durch das Schaufenster sahen wir Markus Beckedahl dort sitzen, der uns hineinließ. Wir plauderten dort noch ein wenig und tranken eine Club-Mate. Es war mein erster Besuch bei Newthinking und fand die Räumlichkeiten ganz schön. Anschließend ging es zurück in den Club, wo wir unter anderem Musik von Meiko Kaji hörten.

La Cocotte

Die Deutsche Bahn hat mich wieder erholsam zurück in die Hauptstadt gebracht, und gleich abends habe ich mich im französischen Restaurant „La Cocotte“ mit einem früheren Mitarbeiter getroffen. Man kann dort schön im Vorgarten sitzen und französisch essen. Die Preise sind einen Tick zu hoch, denn so überragend ist die Qualität nicht, sie orientieren sich eben am französichen Modell. Cocotte bedeutet nichts Unanständiges, sondern heißt auf Deutsch ‚Kokotte‘. Das ist nicht nur eine Prostituierte, sondern vor allem ein besonderer Kochtopf, in dem man zum Beispiel Bœuf bourguignon macht, was ich auch dort gegessen habe. Komischerweise gab es hier Pfifferlinge dazu… Als Vorspeise gönnte ich mir ein Taboulé und als Wein teilten wir uns eine Flasche Saint-Emilion (Macquin-Saint-Georges von 2002). Zum Nachtisch konnte ich mir die Crêpe Suzette natürlich nicht verkneifen (die Mandeln fehlten!). Ein Abendspaziergang durch Schöneberg rundete den Abend ab.

Lange Nacht der Museen in Berlin

Gestern fand in Berlin mal wieder eine Lange Nacht der Museen statt. Das ist ja immer ein kultureller Höhepunkt in Berlin und so durfte ich nicht fehlen. Hier zunächst eine Übersicht über die Museen, die ich besucht habe:
1. Schwules Museum
2. Martin-Gropius-Bau
– Die neuen Hebräer. 100 Kunst in Israel
– Seelenverwandt. Ungarische Fotografen 1914–2003
– Urbane Realitäten: Focus Istanbul
3. MoME
4. T-Com-Haus
5. Daimler-Chrysler-Sammlung im Haus Huth
6. Filmmuseum Berlin
7. Neue Nationalgalerie

  1. Angefangen habe ich mit der Ausstellung zum 50. Todestag von Thomas Mann im Schwulen Museum. Irgendwie hat mir die Führung durch die Ausstellung gefehlt. Ich habe den roten Faden leider nicht wirklich entdecken können. Interessanter ist da schon die Dauerausstellung des Museums in ersten Stock.
  2. Anschließend fuhr ich mit dem Bus-Shuttle zum Martin-Gropius-Bau. Dort gab es gleich drei interessante Ausstellungen:
    1. Als erstes ließ ich mich durch die Ausstellung Die neuen Hebräer. 100 Kunst in Israel führen. Hier ist eine Führung auch sehr nützlich (vorausgesetzt der Führer kann Hebräisch, was leider gestern nicht der Fall war!). Es gibt aber auch eine Audio-Führung. Interessant ist die Vielfalt der ausgestellten Objekte. Ich bin zwar im Allgemeinen der Meinung, dass Kunstobjekte nicht als historische Dokumente herhalten sollten, aber bei dieser Ausstellung ist die historische Einordung teilweise zumindest gerechtfertigt.
    2. Dann habe ich mir die Fotoausstellung Seelenverwandt. Ungarische Fotografen 1914–2003 angesehen. Es handelt sich um Fotos, die der ungarische Schriftsteller Péter Nádas zusammengestellt hat. Dabei hat er sich selbst etwas zu sehr in den Vordergrund gespielt (zumindest für meinen Eindruck); dennoch ist die Ausstellung sehenswert.
    3. Eine ausgesprochene Überraschung war die dritte Ausstellung Urbane Realitäten: Focus Istanbul, die ich eigentlich nur kurz mitnehmen wollte. Es geht sehr stark um den Kulturkontakt Türkei-Deutschland. Dabei gibt es ein paar sehr schöne Beiträge, zum Beispiel Videointerviews mit deutsch-türkischen bzw. türkisch-deutschen Schülern in Deutschland und der Türkei, bei denen man wirklich sehen kann, wie eigentümlich die Identität eines Menschen sein kann.
  3. Weiter ging’s zum Heiz- und Kühlkraftwerk der Bewag, das unter dem Namen MoME geöffnet war. Ich habe einige Zeit benötigt, herauszufinden, was MoME bedeutet (das wurde nämlich nicht wirklich verraten). Ich verrat’s mal nicht (Interessenten können ja dem Link folgen).
  4. Anschließend ging es zum T-Com-Haus. Das ist ein Fertighaus, das alle möglichen aktuellen Haushalts-IT-Technologien miteinander verbindet. So kann man zum Beispiel die Temperatur seines Wasserbetts mit dem PDA von der Küche aus regeln (das Hausnetz ist ein WLAN mit WEP-Verschlüsselung und nutzt Windows). 🙁 Scheidungswillige Eheleute können damit bestimmt viel Spaß haben – Hacker vielleicht weniger, denn wie mir erst im Nachhinein aufgefallen ist, gibt es da nirgends einen Computer (abgesehen vom Server in einer Abstellkammer). Man kann lediglich die PDAs wie etwas schlauere Universalfernbedienungen verwenden. Ich würde mich übrigens auch gern mal ein Wochenende dort einquartieren lassen.
  5. Mein nächstes Ziel war die Daimler-Chrysler-Sammlung im Haus Huth. Hier wurde minimalistische Kunst ausgestellt – sehr minimalistisch!
  6. Im Filmmuseum Berlin sah ich mir sodann die Sonderausstellung zum Nachlass von Marika Rökk an, die sich allerdings kaum lohnt, so dass ich mich gleich wieder aufmachte zum nächsten Ziel.
  7. Als Schluss blieb noch – sozusagen als Höhepunkt – die Brücke-Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie. Es war zwar nicht wirklich der Höhepunkt, aber zum Glück war es zu später Stunde dort nicht mehr so voll, so dass man alle Bilder gut sehen konnte. Leider waren einige der wenigen wirklichen Meisterwerke dort schon vor ein paar Jahren gezeigt worden – bei der Ausstellung über Ernst Ludwig Kirchner und den Potsdamer Platz.

Insgesamt habe ich viel gesehen und viele neue Eindrücke gewonnen, aber andere Museumsnächte haben mir mehr Spaß gemacht… Man muss sich weniger vornehmen und lieber etwas Spaß haben, indem man mit ein paar netten Leuten auf Entdeckungsreise geht.

Die Berliner Fotografin Elisabeth Niggemeyer

Rolf Engelbart, Profil-PortraitGestern war ich bei einem sehr interessanten Vortrag von Rolf Engelbart über die Fotografin Elisabeth Niggemeyer. Die Fotografin hat in den fünfziger und sechziger Jahren atemberaubende Schwarz-Weiß-Fotos von London, Berlin, München und Bonn gemacht. Besonders gefallen haben mir das Bonn-Buch, in dem auch dank der Texte von Erich Kuby die Befindlichkeiten der Adenauer-Republik besonders deutlich wurden, und die beiden Bücher über Berlin: Die gemordete Stadt, in der Alt- und Neu-Berlin der 1950er und 1960er Jahre eindrucksvoll gegenübergestellt werden (mit Texten von Wolf Jobst Siedler und Die verordnete Gemütlichkeit, in der die historisierende Stadtverschönerung von Berlin abgebildet wird. Aus den Bildern ist immer eine gewisse Ironie ersichtlich, was für die Zeit sehr gut passt. Rolf hat ja sehr viel über den Berliner Fotografen Fritz Eschen gearbeitet (und vorgetragen), dessen Bilder aus dem Trümmer-Berlin ja unerreicht sind. Die späteren Bilder werden dann etwas trocken bei Eschen, weil er eben doch ein neo-realistischer Dokumentator ist. Das ist bei Elisabeth Niggemeyer anders. Bei ihr geht es ironischer zu! Sie ist mit der (späteren) Ursula Arnold besser zu vergleichen, allerdings ist Ursula Arnold sehr viel melancholischer. Besonders schön ist die Berlin-Fotografie natürlich dort, wo man etwas wiedererkennt, wie zum Beispiel die Uralt-Kneipe Leydicke, gleich bei mir in der Nähe…
Die neueren Arbeiten von Elisabeth Niggemeyer über Kinder im Vorschulalter gefallen mir weniger. Das mag daran liegen, dass ich zu diesem Thema keinen Zugang habe, vielleicht aber auch daran, dass ihre Ästhetik (Kleinbild immer ohne Blitz) für die Porträt-Fotografie (auch wenn es sich um dokumentarische Porträts handelt) nicht passt (oder besser: mir nicht passt).
Ich hoffe, mir gelingt es, mal antiquarisch eines der Berlin-Bücher oder auch das Bonn-Buch von Elisabeth Niggemeyer zu erhaschen.