Sprachlicher Nebel in der Politik

Auf dem 28. Chaos Communication Congress (28C3) habe ich einen Vortrag gehalten unter dem Titel: „Die Koalition setzt sich aber aktiv und ernsthaft dafür ein“ – Sprachlicher Nebel in der Politik. Es handelt sich vor allem um eine Erweiterung meiner Überlegungen zur Politikersprache. Diesmal behandele ich so komplexe Phänomene wie das Guttenberg-Passiv, Präsuppositionen und Passepartout-Wörter.

Auf Youtube findet man die Video-Aufzeichnung des Vortrags. Zum Nachlesen gibt es eine Textfassung mit den bibliografischen Angaben.

Das Video gibt es auch in HD-Qualität (H264):

Natürlich würde ich mich freuen, wenn der Beitrag im Feedback-System des 28C3 positiv bewertet wird.

Datenspuren

Am letzten Wochenende fanden in Dresden mal wieder die Datenspuren statt. Das ist eine (nicht ganz so große) zweitägige Veranstaltung des CCC Dresden (c3d2). Ich mag die Veranstaltung sehr gern, denn es gibt immer sehr interessante Vorträge und Workshops und die Veranstaltung ist zudem sehr familiär und übersichtlich, das heißt: man trifft viele alte Bekannte und lernt immer neue Leute kennen, mit denen man dann auch die Zeit findet, sich in Ruhe zu unterhalten. Zudem ist die Veranstaltung kostenlos und um die Ecke gibt es auch gutes Essen, falls noch jemand nach guten Gründen sucht, in die Dresdner Neustadt zu fahren.

Besondere gut fand ich, dass die Debatte um Killerspiele und Gewalt am Samstag noch einmal von verschiedenen Seiten noch einmal beleuchtet wurde, denn die politische Diskussion (einschließlich der bekannten Studien) ist doch sehr vorurteilsbehaftet. Wenn man sich näher damit beschäftigt, wird schnell klar, dass es keinen zwingenden Zusammenhang gibt. Interessant war auch die statistische Auswertung der von Wikileaks publizierten Irak-Krieg-Daten. Da wird schnell deutlich, was man mit Statistik alles so machen kann.

Weniger gelungen war die Grünen-Werbeveranstaltung am Samstagabend. Hintereinander sprachen zwei Grünenpolitiker, von denen der erste die Vorschläge der Grünen-Landtagsfraktion nach dem Dresdner Handygate propagieren wollte. Das kam natürlich nicht gut an, zumal deutlich wurde, dass die Fraktion in Bezug auf Bürgerrechte etwas halbherzig ist, wenn sie Funkzellenabfragen prinzipiell für verfassungsgemäß hält. Das Beispiel mit den Gorleben-Sabotagen klang für mich etwas konstruiert und nicht wirklich überzeugend. Malte Spitz kam da deutlich radikaler und überzeugender rüber, allerdings kannte ich den Inhalt seines Vortrags schon.

Am Sonntag hatte ich ein Regiotreffen der Erfa-Kreise und Chaostreffs, weshalb ich den sicher interessante Vortrag von Peponi zu Bitcoins verpasst habe. Dann habe ich mir noch angehört, wie man Clouds selbst baut. Während des letzten Vortrags über den Staatstrojaner musste ich dann aber schon das Feld räumen, um den letzten bequemen Zug zu erwischen.

Insgesamt eine gelungene Veranstaltung, zu der ich gern wieder komme. Dann wird es hoffentlich nicht wieder eine Parallelität mit der OpenMind geben, so dass ich dort auch teilnehmen kann. Vielleicht hilft ja der Grid-Calendar bei der Koordination von Veranstaltungen (Übersicht über alle möglichen Kalender im Bereich freier Software usw.).

Datenspuren in Dresden

Dresden

Am ersten Oktoberwochenende fanden in Dresden mal wieder die Datenspuren statt. Das ist eine schöne kleine Veranstaltung des Chaos Computer Clubs Dresden (C3D2) über Datenschutz, informationelle Selbstbestimmung usw. Am Samstag und Sonntag gab es unter dem Titel Privacy off Vorträge und Workshops zu dieser Thematik – zum Teil von eingeladenen Experten, zum Teil von Dresdnern.

Hier ein paar Highlights: Peter Bittners Vortrag Wider das unauslöschliche Siegel über die Entfernung von Fingerabdrücken in Wissenschaft und Literatur war sehr kurzweilig und interessant. Ich konnte mir sogar ein paar Literatur- und Filmempfehlungen notieren. Das Jeopardy über Politikerzitate war auch sehr erhellend. Etwas trockener, aber sehr interessant waren zwei Vorträge über rechtliche Aspekte der Privacy-Thematik.

Statt Workshops zu besuchen, habe ich vor allem das Gespräch mit anderen Teilnehmern gesucht und gefunden. Allerdings sah der Workshop über OpenStreetMap sehr interessant aus.

Insgesamt waren die Datenspuren wie immer sehr besuchenswert. Man muss sich allerdings darauf einstellen, dass das Programm zwischendurch immer mal geändert wird. Das birgt das Risiko, dass man vorher ausgeguckte Vorträge eventuell kurzfristig verpasst, aber letztlich müssen Veranstalter und Teilnehmer einer kleinen Veranstaltung flexibel sein.

MetaRheinMain

Am letzten Wochenende war ich auf einer Veranstaltung des Chaos Computer Clubs Darmstadt (einschließlich Mainz und dem Umfeld aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet), die weil sie eben das Rhein-Main-Gebiet umfasst, den klangvollen Namen MetaRheinMain Chaos Days hat. Für mich war es vor allem eine Möglichkeit, Leute zu treffen, mit denen ich normalerweise nur virtuell zu tun habe. Daher habe ich mir auch gar nicht viele Veranstaltungen angesehen, sondern mehr mit anderen Teilnehmern gequatscht, zumal ich hoffe, dass viele Vorträge dann auch noch online zu haben sind.

Gleich am ersten Abend gab es einen Höhepunkt im Programm: Ein Podiumsgespräch zwischen padeluun, Julius Mittenzwei (CCC) und Brigitte Zypries. Anders als ich erwartet hatte, gab es kaum Politiker-Geschwurbel, dafür mehr Clownerien von padeluun. Hätte der Moderator Holger Klein ihn mehr gezügelt, wäre die Veranstaltung weniger unterhaltsam gewesen, dafür wäre Julius’ sachliche Argumentation besser zur Geltung gekommen. Überhaupt wurde deutlich, dass Politiker und Aktivisten gute Moderatoren brauchen, Holger ist sicher ein solcher! Schade war bloß, dass aus dem Publikum keine Fragen gestellt werden konnten.

Der Vortrag von Jörg Tauss am nächsten Tag hat mich etwas enttäuscht, denn es fehlte eine klare Linie. Er hat sehr assoziativ über alle möglichen Themen gesprochen, die ihm am Herzen liegen. Zum Glück waren die Fragen aus dem Publikum überwiegend sehr interessant. Den Auftritt von Franziska Heine habe ich leider verpasst, weil ich selbst einen Programmbeitrag parallel geleitet habe.

Insgesamt war die Veranstaltung sehr politiklastig. Ich frage mich auch, ob Politiker wirklich auf CCC-Veranstaltungen so prominent auftreten sollten. Sicher ist der CCC ein Bürgerrechtsverein, in dem es um die Verbindung von Technik und Politik geht, aber hier stand die Politik sehr im Vordergrund, was ja in den heutigen Zeiten auch nicht überrascht.

Gulasch-Programmiernacht in Karlsruhe

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An diesem Wochenende war ich zum ersten Mal in Karlsruhe und auch zum ersten Mal auf einer Gulasch-Programmiernacht. Ich fand die Veranstaltung sehr angenehm, weil ich endlich mal Zeit hatte, mich mit Leuten zu unterhalten, mit denen ich viel zu selten Gelegenheit habe, eben das zu tun. Die Hochschule für Gestaltung ist übrigens ein schöner Standort für solche Veranstaltungen.

Der Name der Veranstaltung stimmt übrigens überhaupt nicht:

  • Es gab zwar Gulasch, aber nur sehr wenig, so dass ich nur einen Teller abbekam und wahrscheinlich ein Kilogramm Körpergewicht verloren habe, was aber auch positiv ist. 🙂
  • Ich habe nicht programmiert, und die Gespräche kreisten aus gegebenem Anlass auch mehr um Politik als ums Programmieren.
  • Das Programm fand überwiegend zu den hellen Tagesstunden statt.

Ich komme sicher zurück nach Karlsruhe; schließlich blieb keine Zeit, die Sehenswürdigkeiten zu würdigen: schließlich gibt es da eine Universität, ein Schloss, das – wenn ich nicht irre – in Hoffmanns Roman Die Elixiere des Teufels eine Rolle spielt, die Bundesanwaltschaft (die ich von außen gesehen habe), den Bundesgerichtshof und das Bundesverfassungsgericht, das hoffentlich noch die Vorratsdatenspeicherung und das Zugangserschwerungsgesetz verhindern wird.

Das beiliegende Foto ist unscharf, um die Persönlichkeitsrechte der abgebildeten Teilnehmer zu schützen.

Silvester im Februar

Unix Timestamp Installation

Gestern war ich in der Kreativfabrik Wiesbaden zu einer Silvesterparty des Chaos Computer Clubs Mainz. Bevor sich jetzt jemand wundert, nach welchem Kalender gefeiert wurde: Es ging um die Unixzeit 1234567890, die um 1.31 Uhr erreicht wurde. Das wurde mit einer Party, Feuerwerk und allem, was man so zu Silvester macht, begangen. Die Mainzer haben da einen schönen Standort in Wiesbaden aufgetan, direkt hinterm Bahnhof (allerdings wird im Meta-Rhein-Main-Gebiet eher Auto gefahren), wo sie sich regelmäßig treffen und eben auch solche chilligen Veranstaltungen durchführen können.

Dort steht sogar ein Matemat, also ein mit Club Mate befüllter Getränkeautomat, und selbstverständlich gab es Tschunk und andere Cocktails. Die Mucke war am Anfang recht seltsam, wurde aber im Laufe des Abends immer besser. Die Stücke der Darmstädter Band Pornophonique haben mir besonders gefallen (“Gameboy meets Lagerfeuer”) – sehr zu empfehlen! Vielleicht spielen sie ja auf der sigint09.

Übernachtet habe ich als couch surfer in einer echten Nerd-WG in Frankfurt-Sachsenhausen, was mir unter anderem gezeigt hat, was man als Technikbegeisterter alles mit Autos anstellen kann. Nur Apfelwein gab’s diesmal keinen, dafür Lassi und leckeren Nerd-Kaffee.

Auf der Rückfahrt habe ich mich im Zug mal wieder so richtig verwöhnen lassen, und zwar mit einer Käseplatte und Spätburgunder. Ich weiß gar nicht, warum so wenige Leute Bahn fahren. Gibt es was Schöneres?

25th Chaos Communication Congress

maha's Neusprech Talk by nr1@flickr cc-by-sa

This year’s Chaos Communication Congress was an overwhelming experience, mostly because of the great number of participants and the good atmosphere, although everybody had a hard time to find empty seats in the lecture halls. Fortunately, the lectures were streamed. So, I didn’t always fought my way through the crowd, but simply watched the stream instead. This is, of course, not quite the same thing. Here are some impressions of the lectures I attended or watched as a stream:

  • I was late at the opening event and wasn’t particularly captured by the keynote, so I gave up on it after some minutes. I cannot tell exactly why the keynote didn’t touch me; possibly it was John Gilmore’s way of speaking. Moreover, the opening event should be more stimulating.
  • As expected, Hacking the iPhone was the highlight of the first day. The lecture hall was very crowded; fortunately, I came early enough to get into the room and sit on the floor. Unfortunately, one of the speakers was almost incomprehensible, but the talk was certainly very interesting.
  • My personal favorite of the first day was the live feature on Kurt Gödel. Such presentations are always very funny and informative at the same time. I hope there will be more!
  • The talk on swarm robots on the second day was very thought-stimulating. In this project, the robots communicate through infra-red sensors, but it gave me an idea of how they could communicate even without a special communication device. Perhaps, I should start my own project on robot communication….
  • Magnus Manske’s talk on DNA sequencing was interesting to me, because it’s a field I don’t know anything about.
  • Rose White’s talk The Infinite Library was very entertaining, although it didn’t yield much new information. I liked it nonetheless for its entertainment value.
  • I started the third day with my own contribution on Newspeak (recording) which provoked some interesting discussions. I even gave four interviews afterwards: a very short videocast on Netzpolitik (with closed eyes), 🙁 one for Bayerischer Rundfunk (aired on January 9th, 2009), one for a free radio in Southern Germany and another one for the German Free Radio Network. I’m very happy that so many people found my ideas interesting.

I followed some other lectures, but passed most of the time in the Speakers’ Room, which is a cosy, unfortunately a little too small room where speakers like myself were accepted and could prepare their talks (there is always need for last-minute preparations). I coordinated the Speakers’ Room volunteers, which was an easy task this year, because the group worked together very harmoniously and effectively. Moreover, the Speakers’ Room is always a good place to meet interesting people.

Not surprisingly, with so many people around, it is easy to catch some viruses (computer viruses and others). Unfortunately, I caught a bad cold and had to spend the first days of the new year in bed. 🙁

Easterhegg – dritter Tag

Der dritte Tag des Easterheggs ging ganz gemütlich los. Irgendwie verpasste ich nach und nach alle Vorträge und Workshops, sondern nutzte die Gelegenheit, mit vielen Leuten zu plaudern. Abends fuhr ich dann mit blackwing zu bef, wo intensiv gekocht und lecker gegessen wurde. Es gab Zucchini-Suppe, Pasta mit Ruccola-Walnuss-Pesto und dann ein südostasiatisches Gemüse-Reis-Gericht, dessen Name ich leider vergessen habe. Dazu gab es eine Riesling-Spätlese vom Mittelrhein (Weinbaugebiet) (sehr lecker!) und zum Nachtisch einen Griesbrei mit Obst und Muffins. Das Dinner war auch Daizys Geburtstagsfeier und Treffen der icmp4-Orga.

Danach bin ich dann wieder zurück ins Bürgerhaus Stollwerck, wo ich dann noch zwei meiner Blog-Leser und Podcast-Hörer (yuize und yath) kennen lernen konnte (ich freu mich ja immer darüber, wenn ich mal wieder feststelle, dass das hier jemand liest, den ich noch nicht kenne). Dann testete ich noch das neue Web 2.0-Tool dopplr, über das es noch keinen Wikipedia-Artikel gibt (cutting-edge!). Mal sehen, wie das so funktionieren wird! Jedenfalls freute es mich, dass mein Nick noch frei war.

Easterhegg – Tag 2

Der zweite Tag des Easterheggs begann gleich sehr spannend mit einem Vortrag von Paul über Pflanzen für Geeks. Leider ging es nur um Pflanzen, die mich persönlich weniger interessieren, aber der Vortrag war trotzdem sehr gut, weil ihn eine Steigerung durchzog, die an ein absurdes Theaterstück erinnerte: zunächst glaubte man, da züchte jemand nur ein paar Pflanzen, aber dann steigerte sich die „Sophistizierung“ fast ins Unermessliche.

Ein Programmpunkt über die Zukunft des Chaos Computer Clubs war hingegend ernüchternd, weil alle aneinander vorbeiredeten. Glücklicherweise ergaben sich im Nachhinein ein paar interessante Vier- bis Sechs-Augen-Gespräche, die letztlich bis in den frühen Morgen andauerten.

Easter(h)egg – Tag 1

Gestern bin ich in Köln eingetroffen, um am Easterhegg teilzunehmen, aber bevor es so richtig losging, traf ich heute zunächst einen Freund, den ich seit zehn Jahren nicht gesehen hatte. Leider konnte ich nicht sehr lange mit ihm sprechen, denn kurz drauf traf ich jemanden, den ich fünfundzwanzig Jahre nicht gesehen hatte. Das war schon sehr bewegend. Immerhin bin ich nicht der Einzige, der älter geworden ist!

Anschließend habe ich dann den Workshop über Stricken besucht. Das ist schon spannend! Ich hoffe, dass ich da noch ein paar Fertigkeiten hinzugewinne, denn Stricken ist die ideale Ergänzung zum Podcast-Hören im Zug. Danach habe ich noch an einem Massage-Workshop teilgenommen. Ich habe die Massage immer unterschätzt, aber die Tatsache, dass plötzlich jemand neben mir ohnmächtig wurde, zeigt doch, dass es sich schon um eine ernst zu nehmende Tätigkeit handelt.

Der weitere Abend verlief dann weniger spektakulär. An netten und interessanten Gesprächen mangelt es jedenfalls nicht. Im Vergleich zu den letzten drei Easterheggs wirkt dieser allein durch die Location, das Bürgerhaus Stollwerck, größer und eindrucksvoller.