Sprachtipp: Plural der Substantive auf -el

Kürzlich habe ich in einer renommierten Zeitschrift einen Artikel über ein „Nano Zentrum“ gelesen (wir wissen inzwischen, dass die Schreibung Nano-Zentrum richtig wäre). Dort wurde über verschiedene „Partikel“ berichtet, die das Zentrum erforscht. Es muss in der deutschen Standardsprache allerdings Partikeln heißen. Hier die Regel:

Bei maskulinen Substantiven auf -el wird der Plural (außer im Dativ) ohne -n gebildet, bei femininen mit -n.

Beispiele: Maskulinum: der Apfel > die Äpfel, der Knödel > die Knödel (außer – wie schon berichtet – bei Karl Valentin), der Artikel > die Artikel; Femininum: die Regel > die Regeln, die Partikel > die Partikeln usw.

Hintergrund

Diese Regel ist einmal willkürlich festgelegt worden, um Singular und Plural bei den Feminina besser unterscheiden zu können, sonst würden nämlich Artikel und Substantiv die gleiche Form haben, und man wüsste nicht, ob von einer Partikel oder von mehreren Partikeln die Rede ist. Beim Maskulinum stellt sich das Problem aufgrund der unterschiedlichen Artikelformen nicht. Da aber Partikel so ähnlich klingt wie Artikel, dessen Plural eben ohne -n gebildet wird, kommt es hier häufig zu Fehlern.

Rechtschreibtipp: ß

Eigentlich wollte ich gar nicht über die (neue) ß-Regel schreiben, weil ich dachte, sie sei allgemein bekannt und völlig unproblematisch. Die Lektüre der letzten Tage hat mich allerdings eines Besseren belehrt. Hier also noch einmal die Regel:

Ein „scharfes“, also stimmloses [s] wird nach kurzem Vokal mit ss orthografisch wiedergegeben, nach langem Vokal oder Diphthong mit ß.

Beispiele: kurzer Vokal vor ss: Kuss, Fässer, Masse; langer Vokal vor ß: Fuß, Maße, Diphthong vor ß: weiß, außer (häufig sieht man falsches *ausser).
Eigentlich eine einfache Regel, wenn einem der Unterschied zwischen langen und kurzen Vokalen klar ist. Für die meisten deutschen Muttersprachler dürfte das aber kein Problem sein.
Schwierigkeiten ergeben sich am Wortende: Da dort wegen der Auslautverhärtung das s immer stimmlos ist, stellt sich die Frage, ob nicht vielleicht ein einfaches s reicht: Schreibt man Fleis? – oder Fleiß? Vlies oder Vließ? Mus oder Muß? Das „Verlängern“ des Wortes hilft, wo dies möglich ist: fleißig, also Fleiß, Vliese oder Vließe, also beides (Vließ ist eher süddeutsch/österreichisch); Mus lässt sich schlecht verlängern, der Plural müsste Muse sein, also ist Mus richtig (vgl. auch Gemüse, mit dem Mus entfernt verwandt ist). Übrigens ist Müsli ein Müslein und wird daher nicht mit ß geschrieben – wie auf mancher Speisekarte zu sehen.
Ganz trickreich ist das Suffix -nis: Da der Plural -nisse lautet, würde man für den Singular *-niss erwarten, aber man schreibt seit der Reform der deutschen Rechtschreibung von 1901 -nis im Singular.

Hintergrund

Das Latein kannte nur ein stimmloses s, das in der Schreibung des Deutschen für stimmhaftes s (IPA [z]) übernommen wurde. Stimmloses s wurde durch Doppelschreibung bzw. ß angezeigt, wobei ß eine Ligatur für ss war (in der Typografie). Später wurde dann die typografische Regel zu einer orthografischen: Nach kurzem Vokal wurde ss geschrieben, wenn das (Teil-) Wort nicht zuende ist und kein Konsonant folgt (Flüs-se), sonst (Fluß-u-fer). Die neue Regel mit der Vokallänge ist einfacher und passt besser in das Grundprinzip der deutschen Orthografie, dass Vokalkürze durch Doppelkonsonanten gekennzeichnet wird. Die neue ss/ß-Regel ist eine der wenigen überzeugenden Verbesserungen der neuen deutschen Rechtschreibung.
Die Schreibung -nis mit einfachem s wurde übrigens damit begründet, dass dieses Suffix immer unbetont ist. Die Begründung ist nicht wirklich überzeugend.

Rechtschreibtipp: Zusammen oder getrennt? (III) Adjektiv + Verb

Wie schon bei den Zusammensetzungen von Substantiv + Verb gilt auch bei Adjektiv + Verb, dass sie seit der Rechtschreibreform von 1996 (amtliches Regelwerk) in vielen Fällen getrennt geschrieben werden, obwohl sie eine Akzenteinheit bilden (der Hauptakzent also auf dem Adjektiv liegt).

Faustregel

Eine Faustregel kann wie folgt formuliert werden:

Wann immer ein Adjektiv als eigenständig angesehen werden kann, wird es auch getrennt vom Verb, zu dem es gehört, geschrieben. Die Auseinanderschreibung gilt immer für Adjektive auf -ig, -lich, -isch.

Hier ein paar Beispiele: nahe liegen, übrig bleiben, heilig sprechen, lächerlich machen usw.
Ein Kriterium für diese Eigenständigkeit ist die Steigerbarkeit des Adjektivs: zum Beispiel näher liegen, die aber nicht notwendig ist (vergleiche übrig bleiben). Ist ein Adjektiv im gegebenen Kontext nicht steigerbar, so ist Zusammenschreibung angesagt: krankschreiben, fernsehen, totschweigen …

Problem und Reform der Reform der Reform …

Leider ergibt sich eine Schwierigkeit bei dieser Regelung: Bedeutungs- und Betonungsunterschiede gehen verloren, wie eine Reihe von Beispielen zeigen. Dies ist auch einer der Gründe für die Reform der Reform (als PDF), in der verschiedene Auseinanderschreibungen zurückgenommen wurden. Ich nehme allerdings an, dass die Reform weiter reformiert werden wird. Das Ende der Reform wird wohl sein, die Zusammen- und Getrenntschreibung von Adjektiv + Verb freizustellen.

Hintergrund

Die Reformer wollten mit der Nicht-Steigerbarkeit offenbar ein klares Kriterium für die Zusammenschreibung einführen. Dem liegt die irrige Annahme zugrunde, dass nur die Zusammenschreibung zu regeln sei, da die Auseinanderschreibung den Normalfall darstelle. Das ignoriert die akzentuellen Gegebenheiten und die semantischen Unterschiede zwischen einem eigenständigen Wort und einem Kompositionsglied; man vergleiche: Der Torwart hat den Ball sauber gehalten. vs. Er hat das Auto sauber gehalten früher hier: saubergehalten. Im ersten Fall hat sauber metaphorische Bedeutung, die es im zweiten Beispiel nicht haben kann.
Ich halte es für sinnvoll, dass sich eine Orthografie an den phonologischen Gegebenheiten einer Sprache orientiert (hier also an der Akzentsetzung), daher ist eine Zusammenschreibung von Adjektiv + Verb weiterhin empfehlenswert, zumal wenn es zudem Bedeutungsunterscheidungen gibt.

Rechtschreibtipp: Zusammen oder getrennt? (II) Substantiv + Verb

Während die Faustregel für zusammengesetzte Substantive lautete, diese immer zusammenzuschreiben oder einen Bindestrich zu verwenden, heißt es bei der Kombination von Substantiv und Verb seit der Rechtschreibreform von 1996 (Kurzfassung der Reform): In der Regel werden sie auseinandergeschrieben, also: Rad fahren (als Substantiv allerdings: das Radfahren), Recht haben, Essen fassen (als Substantiv das Essenfassen) usw. Es gibt eine Ausnahme, nämlich bei so genannten verblassten Substantiven: preisgeben, teilnehmen usw. (preis- hat nicht mehr viel mit Preis zu tun, teil- wenig mit Teil). Natürlich entstehen bei der Abgrenzung von verblassten und nicht-verblassten Substantiven Probleme: so schreibt man Acht geben, obwohl Acht mindestens so verblasst ist wie preis-. Im Zweifelsfall würde ich die Wörter eher zusammenschreiben.

Hintergrund

Natürlich handelt es sich auch bei Substantiv + Verb um eine Komposition – wie bei Substantiv + Substantiv. Die Akzentuierung von Essen fassen und Essenfassen ist gleich und es liegt die gleiche semantische Modifikation vor. Die Entscheidung für die Auseinanderschreibung beim Verb liegt in einer besonderen Eigenschaft des Deutschen: Bei der Flexion eines Verbs (ich fahre Rad, ich fasse Essen wird das zusammengesetzte Verb getrennt. Das ist zwar nicht spektakulär, denn es geschieht auch bei Verben, deren Erstglied eine betonte Partikel ist (nachfragen: ich frage nach). Würde Rad fahren radfahren geschrieben (wie nach alter Orthografie üblich), müsste man auch ich fahre rad (wie ich nehme teil). Das wollten die Reformer wohl vermeiden.
Nun zum Thema Verblassung: Der unterschiedliche Status von Acht geben und teilnehmen ist eigentlich syntaktisch: Man kann Acht syntaktisch erweitern: Ich muss Acht auf meinen Hund geben. ist ein möglicher Satz, während *Ich muss Teil an dem Treffen nehmen. kaum möglich ist.

Rechtschreibtipp: Zusammen oder getrennt? (I) Substantive

Ich werde zunächst über die Zusammen- bzw. Getrenntschreibung von zusammengesetzten Substantiven schreiben, denn bei den Verben gibt es immer noch ein heilloses Durcheinander, zu dem ich später ausführlicher Stellung nehmen werde. Das wird dann kompliziert! Mit den Substantiven sollte man aber keine Schwierigkeiten haben, denn im Gegensatz zu anderen Sprachen, ist es im Deutschen ganz einfach: Zusammengesetzte Substantive, auch Komposita genannt, werden zusammengeschrieben, oder – wenn es die Lesbarkeit erhöht – werden die Bestandteile mit einem Bindestrich verbunden: Man schreibt also Parkkolonnade (oder Park-Kolonnade) und nicht (wie am Potsdamer Platz zu sehen): *Park Kolonnade; eben wie man auch Parkbank zusammenschreibt. Das gleiche gilt für das DB-Hochhaus am gleichen Ort.
Werden die Bestandteile eines zusammengesetzten Substantivs durch ein Leerzeichen getrennt, spricht man auch von einem Deppenleerzeichen oder gebildeter von einem Agovis. Beispiele gibt es unter den angegebenen Links mehr als genug.
Lediglich zusammengesetzten Wörter, die als ganze aus einer anderen Sprache entlehnt werden, dürfen auch so wie in der Gebersprache geschrieben werden: also Blue Jeans (die Großschreibung ist allerdings deutsch) neben Bluejeans oder Pommes Frites (auch hier ist die Großschreibung deutsch, und die Aussprache weicht vom Französischen mehr oder weniger ab).
Wenn nur der erste Teil des Wortes ein Fremdwort oder Eigenname ist, greift natürlich wieder die Zusammenschreibregel, also: Multimedia-Anwendungen, Windows-Betriebssystem, Curry-Huhn, Intel-Prozessor (alle diese Beispiele habe ich in den letzten Tagen falsch geschrieben gesehen). Besonders gern falsch geschrieben werden Komposita, deren erster Bestandteil eine Abkürzung ist. Richtig ist in diesem Fall die Schreibung mit einem Bindestrich: Mac-OSX-Plattform, DB-Hochhaus, DDR-Bürgerrechtler usw. Auch bei mehrgliedrigen Namen empfiehlt sich der Bindestrich: Rosa-Luxemburg-Gedenkstätte oder Carl-von-Ossietzky-Universität, die sich allerdings nicht entblödet hat, gegen die Rechtschreibung und für das Deppenleerzeichen zu optieren, und deshalb Carl von Ossietzky Universität heißt. Die Hamburger Uni-Bibliothek hat sich da besser aus der Affäre gezogen; sie heißt offiziell: Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg Carl von Ossietzky, denn nachgestellte Namen gehören nicht mehr zum Substantiv und können daher unverändert hinzugefügt werden, also auch in das Betriebssystem Windows XP oder die Firma AMD usw.

Hintergrund

In einem Kompositum gibt der erste Teil eine Zusatzinformation zum zweiten Teil: Eine Parkbank ist eine ‘Bank im Park’; man sagt: das erste Kompositionsglied (von Grammatikern auch „Determinans“ oder „Modifikans“ genannt) modifiziert semantisch das zweite (auch „Determinatum“ oder „Modifikatum“ genannt). Das Damen-WC ist ein ‘WC für Damen’, während die WC-Damen die ‘Damen des WCs’ sind (zum Beispiel diejenigen, die sich um die WCs kümmern – im Quartier 205 auf der Friedrichstraße in Berlin kann man es genau umgekehrt sehen. Außerdem erhält der erste Teil des Kompositums den Hauptakzent. Die semantische Modifikation und die Akzentuierung werden durch die Zusammenschreibung bzw. den Bindestrich angezeigt. So ist das DB-Netz (auf DB), das (Schienen-) Netz der Deutschen Bahn, während die DB Netz (jetzt hinten betont) eine Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn ist (auch DB Netz AG), es handelt sich bei diesem Eigennamen also nicht um ein Kompositum.

Rechtschreibtipp: -t oder -d erweitert

Ich habe im letzten Rechtschreibtipp noch eine Hintergrunderklärung für den Unterschied von tot-/tod- eingefügt, denn die Faustregel an sich lässt sich doch schlecht merken. Hier die Ergänzung:

Die Erklärung für diese Schreibung ist tatsächlich semantisch, das heißt aus der Bedeutung der Zusammensetzungen ableitbar:
Bei den Verben ist das Erstglied das Adjektiv, das den durch das Verb hervorgerufenen Zustand beschreibt:

  • totschlagen: ‘schlagen, bis jemand/etwas tot ist’,
  • sich totlachen: ‘lachen, bis man tot ist’ (bildlich gesprochen natürlich)
  • usw.

Bei den Adjektiven stellt das Erstglied einen Vergleich her:

  • todernst: ‘so ernst wie der Tod‘,
  • todsicher:’so sicher wie der Tod‘,
  • usw.

Das Erstglied solcher expressiven Bildungen, die alle einen besonders hohen Grad (Elativ) ausdrücken, ist immer ein Substantiv (vgl. auch haushoch, schnurgerade, spindeldürr usw.); bei todschick handelt es sich auch um eine solche Bildung, die sich nicht mehr sinnvoll semantisch analysieren lässt (‘so schick wie der Tod’?), aber natürlich auch zu diesem Muster (Substantiv+Verb) gehört.

Rechtschreibtipp: -t oder -d

Wir haben das alle in der Schule gelernt: Wenn man nicht weiß, ob am Wortende ein -t oder -d zu schreiben ist, müssen wir das Wort einfach „verlängern“ und hören automatisch, was dort richtig ist: Lied oder Liet? – Lied natürlich, weil es auch Lieder heißt. Das ist immer dann ganz einfach, wenn man das Wort „verlängern“ kann. Manchmal macht die „Verlängerung“ jedoch Schwierigkeiten; so findet man immer Unsicherheiten bei seit und seid, denn beide Wörter kann man nicht verlängern. Nach einigem Nachdenken möchte man gern die Verbalform von sein vielleicht mit -t schreiben, denn auch in ihr fragt, ihr habt usw. steht ja ein -t, aber bei sein ist das falsch: Erstaunlicherweise schreibt man ihr seid. Dafür wird das andere gleichklingende Wort, nämlich die Präposition bzw. Konjunktion seit mit -t geschrieben, weil dieses Wort möglicherweise entfernt etwas mit Seite zu tun hat.

Hintergrund

Die Schreibung ihr seid ist tatsächlich willkürlich festgelegt worden, möglicherweise um die Gleichschreibung (Homographie) von seid und seit zu vermeiden. Man hätte es auch umgekehrt handhaben können, dann hätte die Verbalendung übereingestimmt, allerdings wäre dann der Zusammenhang von seit und Seite nicht mehr offensichtlich gewesen, was aber kein wirklich wichtiger Zusammenhang ist.

Tod und tot

Auch hier hilft die „Verlängerung“ (Tod: Todes, Tode, tot: tote usw.), aber was macht man in Wortzusammensetzungen: schreibt man toternst oder todernst, totlachen oder todlachen, totkrank, totmüde, totschick, totsicher oder todkrank, todmüde, todschick, todsicher? Das macht nicht zuletzt den Bloggern das Leben schwer. Hier lässt sich nichts verlängern. Es hilft, über die Bedeutung der Wörter nachzudenken, um eine Lösung zu finden. Man kann auch auf eine einfache Faustregel zurückgreifen:

  1. Bei Verben ist das Erstglied meist tot-: totschlagen, totmachen, totlachen, totstellen, totschweigen….
  2. Bei Adjektiven/Eigenschaftswörtern liegt man mit tod- als Erstglied eher richtig: todernst, todkrank, todmüde, todschick, todsicher (sogar todbleich trotz der vermeintlichen „Verlängerung“ zu totenbleich).

Im Internet findet sich sogar eine Übung zu diesem Problem.

Hintergrund

Die Erklärung für diese Schreibung ist tatsächlich semantisch, das heißt aus der Bedeutung der Zusammensetzungen ableitbar:
Bei den Verben ist das Erstglied das Adjektiv, das den durch das Verb hervorgerufenen Zustand beschreibt:

  • totschlagen: ‘schlagen, bis jemand/etwas tot ist’,
  • sich totlachen: ‘lachen, bis man tot ist’ (bildlich gesprochen natürlich)
  • usw.

Bei den Adjektiven stellt das Erstglied einen Vergleich her:

  • todernst: ‘so ernst wie der Tod‘,
  • todsicher:’so sicher wie der Tod‘,
  • usw.

Das Erstglied solcher expressiven Bildungen, die alle einen besonders hohen Grad (Elativ) ausdrücken, ist immer ein Substantiv (vgl. auch haushoch, schnurgerade, spindeldürr usw.); bei todschick handelt es sich auch um eine solche Bildung, die sich nicht mehr sinnvoll semantisch analysieren lässt (‘so schick wie der Tod’?), aber natürlich auch zu diesem Muster (Substantiv+Verb) gehört.

Jagd und jagt

Das vom Verb jagen (er jagt) abgeleitete Substantiv schreibt sich Jagd, obwohl in manchen gesprochenen Varietäten des Deutschen der Plural Jagden wie *Jagten klingt (das Sternchen vor dem Wort zeigt an, dass diese Form nicht korrekt ist). In Norddeutschland hört man bisweilen sogar Jacht und Jachten; so sollte man Jagd(en) natürlich nicht schreiben, aber tatsächlich ist das Wort Jacht mit Jagd verwandt: Jacht ist nichts anderes als das niederdeutsche Wort für ‘Jagd’.

Wörter mit seltener „Verlängerung“

Es gibt ein paar Wörter, deren „Verlängerung“ selten ist, weshalb Unsicherheiten auftreten:

  • Standard/Standart?: die „Verlängerung“ zu Standards/Standarts? hilft nicht. Erst das seltene Wort Standardisierung gibt Aufschluss, was aber manche Sprecher auch falsch sprechen/schreiben, nämlich: *Standartisierung. Die Standarte ist aber etwas anderes, nämlich eine kleine Fahne.
  • Endgeld, Entgeld, Endgelt, Entgelt?: Die „Verlängerung“ End/tgelte ist sehr selten und hilft nicht, was den Anfang betrifft. Erst durch den Zusammenhang zum seltenen Verb: entgelten oder vergelten wird klar, wie man es schreiben muss.
  • Diplomand/Diplomant: Im Gegensatz zu Ministrant, Praktikant ist hier das -d richtig: Plural: Diplomanden; aber die Betroffenen wissen es hoffentlich sowieso (Doktoranden erst recht!).

Hintergrund

  • Man glaubt es kaum, aber Standard kommt tatsächlich von Standarte. Das Wort Standarte ist wahrscheinlich direkt aus dem altfranzösischen (e)standart ins (Mittelhoch-) Deutsche gekommen. Das Englische hat die altfranzösische Auslautverhärtung abgebaut und aus (e)standart standard gemacht, was dann aus dem Englischen ins Deutsche entlehnt wurde. Ursprünglich ist das altfranzösische Wort ein germanisches Lehnwort, das im Germanischen ungefähr standhart gelautet (und bedeutet) haben könnte.
  • Entgelt ist tatsächlich von entgelten abgeleitet und wird deshalb eigentlich auf der zweiten Silbe betont, denn ent- kann keinen Akzent tragen (im Gegensatz zu end-). Viele Sprecher des Deutschen erkennen den Zusammenhang nicht mehr und betonen Entgelt auf der ersten Silbe. Kein Wunder, dass die Schreibung schwierig ist!
  • Es handelt sich bei -ant und -and um unterschiedliche Endungen im Lateinischen: -ant ist die Endung des Partizip Präsens Aktiv, bezieht sich also auf jemanden, der wirklich handelt (der Ministrant ministriert, der Praktikant praktiziert, sammelt praktische Erfahrungen usw.); -and ist hingegen die Endung einer speziellen Adjektivform, die auch Gerundivum genannt wird, und die etwas in Zukunft zur Erfüllung Anstehendes bezeichnet, hier das Erreichen eines Diploms oder eines Doktortitels. Das soll natürlich nicht heißen, dass Diplomanden und Doktoranden dafür nichts tun…

Praktische Rechtschreibetipps für Blogger

Selbst auf sehr guten Blogs treffe ich oft auf störende Rechtschreibefehler. Sie im Einzelfall zu korrigieren ist müßig, besser ist da – wie immer – „Hilfe zur Selbsthilfe“. Mir unterlaufen zwar auch immer mal Fehler und das ist ja ganz normal (danke an Flosch, der meist der Erste ist, der sie entdeckt), aber ich werde jetzt mal in loser Reihenfolge ein paar praktische Rechtschreibetipps für Blogger hier posten. Vielleicht hilft’s.

Heute: das & dass

Hierbei handelt es sich um ein ziemlich häufiges Problem. Hier mal ein Beispiel, das ich so ähnlich in freier Wildbahn gesehen:

Finde es toll das du das verlinkt hast, das habe ich umgekehrt jetzt auch so gemacht. Das ist das Beispiel, das ich gesehen habe.

Hier muss das eine oder andere das mit ss geschrieben werden, aber welches? Dafür gibt es einen einfachen Test: Man ersetze jedes das durch dies. Immer wenn das möglich ist, kann auch das stehen:

Finde es toll das/? du das/dies verlinkt hast, das/dies habe ich umgekehrt jetzt auch so gemacht. Das/Dies ist das/dies Beispiel, das/? ich gesehen habe.

Wo die Ersetzung nicht möglich ist, versuchen wir eine weitere Ersetzung, nämlich mit welches:

Finde es toll das/? du das/dies verlinkt hast,... das/dies Beispiel, das/welches ich gesehen habe.

Wenn sich welches für das einsetzen lässt, ist das auch so richtig. Bleibt in unserem Beispiel nur das erste das, das eigentlich ein dass ist. Vor diesem dass steht übrigens immer ein Satzzeichen+Leerzeichen. Oft ist das Satzzeichen ein Komma. Hier noch einmal der reparierte Satz:

Finde es toll, dass du das verlinkt hast, das habe ich umgekehrt jetzt auch so gemacht. Das ist das Beispiel, das ich gesehen habe.

Es ist also ganz einfach: Wenn man das weder durch dies oder welches ersetzen kann, ist es ein dass. Man kann automatisch beim Schreiben immer schon die das/dies/welches-Ersetzung im Kopf durchführen. Dann hat man die meisten Fälle schon abgedeckt und gewinnt bald eine gewisse Sicherheit. Eigentlich eine einfache Sache – also ran an die Tastatur und beim nächsten Blogeintrag ausprobieren!

Hintergrundinformationen

Wie kommt es zu dieser Schwierigkeit in der deutschen Rechtschreibung? das und dass werden gleich ausgesprochen; es handelt sich aber um unterschiedliche Wortarten: bei das um ein Pronomen bzw. um einen Artikel, bei dass um eine Konjunktion. Irgendwann haben Sprachpfleger entschieden, dass die Konjunktion eine von den Pronomina und Artikel völlig zu unterscheidende Wortart ist und haben deshalb vorgeschlagen, sie anders zu schreiben. Solche Maßnahmen verkomplizieren natürlich die Rechtschreibung, können aber durchaus leserfreundlich sein.

Beide das(s) gehen eigentlich auf dasselbe das zurück (genau wie im Englischen that und that, die praktischerweise immer noch gleich geschrieben werden). Wie aus einem Pronomen eine Konjunktion entstanden ist, kann noch heute leicht nachvollzogen werden:

  1. Cecilia Bartoli singt. Ich wünsch mir das/dies!
  2. Ich wünsch mir das/dies: Cecilia Bartoli singt.
  3. Ich wünsch mir, dass Cecilia Bartoli singt.

Im dritten Beispiel ist dann kein dies mehr einsetzbar.

Ich hoffe, dass dieser kleine Rechtschreibtipp nützlich war. Bei Gefallen wird es eine Fortsetzung geben; so könnte ich zum Beispiel der Frage nach dem vertrackten letzten t nachgehen: Schreibt man: seit oder seid, Standart oder Standard, Doktorant oder Doktorand, Jagt oder Jagd, Tod oder tot usw.?