Warme Meilen

Gestern habe ich an einer Tagung von gay-web in Köln teilgenommen. Neben einer anstrengenden Sitzung war der Höhepunkt des Tages eine Stadtführung durch das schwule Köln unter dem Titel „Warme Meilen“, veranstaltet vom Centrum Schwule Geschichte Köln (warum die sich mit C statt mit Z schreiben, konnte sich mir nicht erschließen). Die Stadtführung begann am ehemaligen Polizeipräsidum, wo sich weiland eine schwule Klappe befunden hat, die dem Kölner Regierungspräsidenten Franz Grobben in den 1960er Jahren zum Verhängnis wurde; von dort ging es durch die schwule Karnevalsmeile und Lederszene an der Hohen Pforte zur Gedenkstätte neben St. Maria im Kapitol, dann am Gürzenich vorbei zum ehemaligen Tom Tom, der Kneipe, die eine Rolle in der Kießling-Affäre gespielt hat, und weiter über den Alter Markt zu Groß St. Martin und zum Gedenkstein für die schwulen und lesbischen Opfer des Nationalsozialismus am Rheinufer (Domseite) unterhalb der Hohenzollernbrücke. Überall konnte man etwas erfahren vom schwulen Leben in Köln seit dem Mittelalter bis in die jüngste Vergangenheit. Ich habe eine Menge gelernt und kann das eine oder andere in die Wikipedia einpflegen. Es ist sehr interessant, eine Stadt mal aus so einer etwas ungewöhnlichen Perspektive zu erschließen, weil sich plötzlich ganz neuartige Zusammenhänge ergeben. Anschließend gab es noch ein gemeinsames Abendessen im Bürzel, dessen „warme Küche“ ich durchaus empfehlen kann.

Wahlplakate

Eigentlich mag ich keine Blogs über die bevorstehende Bundestagswahl 2005 meht lesen. Aber ich kann mich dem allgemeinen Wahltrubel doch nicht entziehen. Keine Sorge! Ich schreibe hier nichts über mein Wahlomat-Ergebnis, verweise höchtens auf den alternativen Wahlautomat der Surfpoeten und schweige zum gestrigen TV-Duell der Kandidaten. Es soll vielmehr um Wahlplakate gehen, sofern sie in diesem Wahlkampf überhaupt der Rede wert sind. Nur die Wahlplakate der Grünen sind einigermaßen lustig (das „Schwarzarbeiter“-Plakat gefällt mir wegen der doppelten Mehrdeutigkeit besonders!). Im Allgemeinen überwiegt die Langeweile – von typografischen Entgleisungen mal abgesehen (die überlass ich kundigen Typografen wie hukl).
Ich bin, wie ich bin. Die einen kennen mich. Die anderen können mich.Neulich habe ich aber im Internet ein virtuelles Wahlplakat der CDU entdeckt, das mir – wider Erwarten – doch zu denken gegeben hat. Kurz nachdem ich es gesehen hatte, war es auch schon wieder verschwunden! Deshalb veröffentliche ich es mal hier, weil es von der CDU sicher eher stiefmütterlich behandelt und vorerst wohl kaum gedruckt plakatiert werden wird.
Das Adenauer-Zitat erinnert an den Song „I am what I am“ aus dem Musical La Cage aux Folles – besser bekannt allerdings in der Version von Gloria Gaynor. Adenauer war also seiner Zeit offensichtlich voraus! Allerdings stellt sich die Frage, ob hier wirklich Gay pride zum Ausdruck kommt, oder doch eher die deutsche Version von Don’t ask, don’t tell nach US-amerikanischem Vorbild. Dass es sich um ein konservatives Plakat handelt, erkennt man auf jeden Fall bei genauerem Hinsehen an der unter dem unteren Textfeld sichtbaren Boxershorts. 🙂
Jedenfalls kann das Plakat – schon dank dem fotogenen Model – leicht vergessen machen, was die Einflussreichen bei CDU/CSU denken und sagen wie Norbert Geis, Günther Beckstein, Peter Gauweiler und auch Paul Kirchhof. Die haben bekanntlich Vorstellungen, die Schwulen, Lesben und überhaupt allen „Que(e)r-Denkern“ ziemlich querkommen dürften – nicht zuletzt auch den Leuten von den Lesben und Schwulen in der Union.

Lange Nacht der Museen in Berlin

Gestern fand in Berlin mal wieder eine Lange Nacht der Museen statt. Das ist ja immer ein kultureller Höhepunkt in Berlin und so durfte ich nicht fehlen. Hier zunächst eine Übersicht über die Museen, die ich besucht habe:
1. Schwules Museum
2. Martin-Gropius-Bau
– Die neuen Hebräer. 100 Kunst in Israel
– Seelenverwandt. Ungarische Fotografen 1914–2003
– Urbane Realitäten: Focus Istanbul
3. MoME
4. T-Com-Haus
5. Daimler-Chrysler-Sammlung im Haus Huth
6. Filmmuseum Berlin
7. Neue Nationalgalerie

  1. Angefangen habe ich mit der Ausstellung zum 50. Todestag von Thomas Mann im Schwulen Museum. Irgendwie hat mir die Führung durch die Ausstellung gefehlt. Ich habe den roten Faden leider nicht wirklich entdecken können. Interessanter ist da schon die Dauerausstellung des Museums in ersten Stock.
  2. Anschließend fuhr ich mit dem Bus-Shuttle zum Martin-Gropius-Bau. Dort gab es gleich drei interessante Ausstellungen:
    1. Als erstes ließ ich mich durch die Ausstellung Die neuen Hebräer. 100 Kunst in Israel führen. Hier ist eine Führung auch sehr nützlich (vorausgesetzt der Führer kann Hebräisch, was leider gestern nicht der Fall war!). Es gibt aber auch eine Audio-Führung. Interessant ist die Vielfalt der ausgestellten Objekte. Ich bin zwar im Allgemeinen der Meinung, dass Kunstobjekte nicht als historische Dokumente herhalten sollten, aber bei dieser Ausstellung ist die historische Einordung teilweise zumindest gerechtfertigt.
    2. Dann habe ich mir die Fotoausstellung Seelenverwandt. Ungarische Fotografen 1914–2003 angesehen. Es handelt sich um Fotos, die der ungarische Schriftsteller Péter Nádas zusammengestellt hat. Dabei hat er sich selbst etwas zu sehr in den Vordergrund gespielt (zumindest für meinen Eindruck); dennoch ist die Ausstellung sehenswert.
    3. Eine ausgesprochene Überraschung war die dritte Ausstellung Urbane Realitäten: Focus Istanbul, die ich eigentlich nur kurz mitnehmen wollte. Es geht sehr stark um den Kulturkontakt Türkei-Deutschland. Dabei gibt es ein paar sehr schöne Beiträge, zum Beispiel Videointerviews mit deutsch-türkischen bzw. türkisch-deutschen Schülern in Deutschland und der Türkei, bei denen man wirklich sehen kann, wie eigentümlich die Identität eines Menschen sein kann.
  3. Weiter ging’s zum Heiz- und Kühlkraftwerk der Bewag, das unter dem Namen MoME geöffnet war. Ich habe einige Zeit benötigt, herauszufinden, was MoME bedeutet (das wurde nämlich nicht wirklich verraten). Ich verrat’s mal nicht (Interessenten können ja dem Link folgen).
  4. Anschließend ging es zum T-Com-Haus. Das ist ein Fertighaus, das alle möglichen aktuellen Haushalts-IT-Technologien miteinander verbindet. So kann man zum Beispiel die Temperatur seines Wasserbetts mit dem PDA von der Küche aus regeln (das Hausnetz ist ein WLAN mit WEP-Verschlüsselung und nutzt Windows). 🙁 Scheidungswillige Eheleute können damit bestimmt viel Spaß haben – Hacker vielleicht weniger, denn wie mir erst im Nachhinein aufgefallen ist, gibt es da nirgends einen Computer (abgesehen vom Server in einer Abstellkammer). Man kann lediglich die PDAs wie etwas schlauere Universalfernbedienungen verwenden. Ich würde mich übrigens auch gern mal ein Wochenende dort einquartieren lassen.
  5. Mein nächstes Ziel war die Daimler-Chrysler-Sammlung im Haus Huth. Hier wurde minimalistische Kunst ausgestellt – sehr minimalistisch!
  6. Im Filmmuseum Berlin sah ich mir sodann die Sonderausstellung zum Nachlass von Marika Rökk an, die sich allerdings kaum lohnt, so dass ich mich gleich wieder aufmachte zum nächsten Ziel.
  7. Als Schluss blieb noch – sozusagen als Höhepunkt – die Brücke-Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie. Es war zwar nicht wirklich der Höhepunkt, aber zum Glück war es zu später Stunde dort nicht mehr so voll, so dass man alle Bilder gut sehen konnte. Leider waren einige der wenigen wirklichen Meisterwerke dort schon vor ein paar Jahren gezeigt worden – bei der Ausstellung über Ernst Ludwig Kirchner und den Potsdamer Platz.

Insgesamt habe ich viel gesehen und viele neue Eindrücke gewonnen, aber andere Museumsnächte haben mir mehr Spaß gemacht… Man muss sich weniger vornehmen und lieber etwas Spaß haben, indem man mit ein paar netten Leuten auf Entdeckungsreise geht.

Christopher Street Day Berlin 2005 und Wikimedia Pre-Party

Heute fand mal wieder ein Christopher Street Day in Berlin statt. Ich habe ja seit 2001 an keinem mehr teilgenommen, weil ich immer etwas anderes zu tun hatte. Da war es natürlich mal wieder schön beim Berliner CSD dabei zu sein. Das Wetter war zunächst sehr gut, aber auch der kurze Regenschauer tat der Stimmung keinen Abbruch, sondern war eine willkommene Abkühlung.
Ich hatte mich mit ein paar Freunden am Kurfürstendamm/Ecke Meinekestraße verabredet. Das ist immer ein guter Startpunkt. Von da aus sind wir dann los. Es war eine ziemlich nette Gruppe – auch wenn wir uns immer mal wieder verloren haben und ich vorwiegend mit Thomas unterwegs war, der dank seines sportlichen freien Oberkörpers schon für Aufsehen sorgte.
Abends bin ich dann zur Pre-Party der Wikimedia-Mitgliederversammlung in die c-base gegangen. Das wäre beinahe ein Kontrastprogramm gewesen, hätte ich nicht schon vorher einen Wikipedianer (und Wikimedianer) auf einem der CSD-Wagen gesehen. So schloss sich dann der Kreis.
Die Party war recht nett und zog sich trotz des Wetterumschwungs lange hin. Allerdings war ich nachher sehr k.o., wie man sich leicht denken kann, hatte ich doch schon anlässlich des CSDs 12 km durch ganz Berlin zurückgelegt.

Gay Night at the Zoo

Am 23. Juni 2005 darf natürlich kein Eintrag fehlen. Am Abend war ich bei einem außergewöhnlichen Event, der Gay Night at the Zoo: Mitten im Berliner Zoo spielte das BVG-Orchester Swing. Zudem sang auch noch Luci van Org, die schon eine gute Swing-Stimme hat. Allerdings durfte sie dieses schrille rote Latex-Kleid wohl nur auf einer schwul-lesbischen Veranstaltung tragen. (Jemand in meiner Nähe sprach etwas despektierlich von einer roten Presswurst.)
Die Moderation um sie und das Orchester herum war allerdings etwas gewöhnungsbedürftig.
Apropos Kleidung: eigentlich war ja Abendgarderobe angesagt, weshalb ich mal wieder meinen Smoking hervorgekramt hatte. Ich habe ja viel zu selten Gelegenheit, dieses durchaus sommerlich bequeme Kleidungsstück zu tragen. Allerdings war ich (wenn man mal von einigen Lesben absieht) fast der einzige Smoking-Träger und somit wahrschein einer der wenigen adäquat gekleideten Gäste. Man durfte aber auch im Tierkostüm erscheinen. Manchen Muskelshirt-Trägern fehlte dafür nur noch eine tierische Gesichtsmaske. 🙂
Der befackelte Zoologische Garten ist eine tolle Party-Location für einen Sommerabend, und dieses Event wird sich bestimmt im nächsten Jahr wiederholen. Am besten schon mal vormerken!

Im Würzburger Chaos

Montag und Dienstag musste ich dienstlich in an einer Tagung über die Vergabe von Leistungspunkten an europäischen Unis teilnehmen. Das konnte ich natürlich schick mit einem touristischen Besuch verbinden. Am Sonntag erklomm ich also die Festung Marienberg, die ich Dank meiner Jahreskarte für bayerische Schlösser ohne weitere Kosten, dafür aber mit Führung besichtigen konnte. Da das Wetter dann plötzlich kalt und nass wurde, besuchte ich noch eine Sauna. Von dort war es dann nicht weit zu dem Lokal, wo sich der Würzburger Chaostreff sonntagsabends zusammenfindet. Dort gab es sogar Club-Mate, allerdings zum Rekordpreis von 2,5o Euro. Dafür kann man allerdings mit dem Kellner würfeln. Wenn man mehr Augen auf den beiden Würfeln hat als der Kellner, zahlt man nicht. Besser wäre es allerdings, wenn ohne das Würfeln die Mate an sich billiger wäre…
Am Montag und Dienstag musste ich dann angestrengt tagen. Es war zwar interessant, aber doch anstrengend. Zudem war das Mercure-Hotel außer teuer eher schlecht. Man hörte das Schnarchen der Zimmernachbarn, in meinem Zimmer war noch ein gebrauchtes Handtuch des Vorgastes, und beim Checkin wurde eine Kreditkarte als Absicherung für die Minibar verlangt. Das habe ich noch nie erlebt.
Am Montag blieb zwischendurch noch etwas Zeit für die Besichtigung der Würzburger Residenz. Die ist wirklich beeindruckend! Die Tiepolo-Fresken sind atemberaubend! Im Rahmenprogramm der Tagung gab es noch eine sehr interessante Führung durch den staatlichen Hofkeller unter der Residenz, bei der ich einiges über Wein lernen konnte, so wurde unter anderem das Geheimnis des Müller-Thurgaus gelüftet und ich erfuhr, was Malolaktik ist (demnächst mehr davon in der Wikipedia).