Die Meistersinger von Bayreuth

In dieser Woche habe ich bei den Bayreuther Festspielen Die Meistersinger von Nürnberg gesehen. Obwohl das nicht meine Lieblingsoper von Richard Wagner ist, war ich am Ende doch begeistert: Wie üblich war die künstlerische Leistung ausgezeichnet, besonders die Chöre haben mich sehr beeindruckt. Was ich aber besonders gelungen fand, war die Inszenierung. Es war mein sechster Besuch in Bayreuth (wenn man das Public Viewing mit einrechnet) und das zweite Mal, dass ich die Meistersinger gesehen habe (das letzte Mal in der Inszenierung von Katharina Wagner, die mir nicht gefallen hat), aber diese Inszenierung war die beste Inszenierung, die ich in Bayreuth überhaupt gesehen habe. Der Regisseur Barry Kosky hat richtiges Theater auf die Bühne gebracht. Da war viel Bewegung und Witz in der Inszenierung, was in Bayreuth häufig fehlt (am meisten bei Tankred Dorsts Ringinszenierung).

Mir gefiel es auch, dass es zum ersten Mal in Bayreuth auf der Bühne auch um eine Auseinandersetzung mit Richard Wagners Antisemitismus ging. Denn gerade in dieser Oper lassen sich (oft wegdiskutierte) antisemitische Anklänge finden (in der Person Beckmesser). Die Idee, die Handlung in Wagners Villa Wahnfried beginnen und im Saal der Nürnberger Prozesse enden zu lassen, war jedenfalls aufschlussreich und gelungen umgesetzt (wobei ich mir nicht erklären kann, warum die Uhr in den Chorszenen rückwärts lief). Damit bekam die Inszenierung auch eine aktuelle politische Botschaft, denn sie zeigte, wohin Diskriminierung, Rassismus und Verbrechen gegen die Menschlichkeit führen.

Insgesamt fand ich die Aufführung sehr kurzweilig. Sie hat mich darin bestärkt, weiter nach Karten virtuell „anzustehen“, denn die sechs Stunden im Festspielhaus gehen sehr schnell vorüber und sind ein außergewöhnlicher Kunstgenuss.

 

Leidkultur und Leetkultur

In letzter Zeit sprechen viele Politiker wieder von Leidkultur. Ich schreibe das absichtlich mit d, denn was soll das anderes sein, als die Kultur, die uns der Deutschunterricht in der Schule verleidet hat? Eine Leitkultur mit t kann es nicht geben, denn Kultur ist immer vielfältig und es gibt keine „Kulturhierarchie“. Auch das Wort Subkultur ist seltsam, denn wer entscheidet, was Leit- oder Sub- ist?

Zum Glück gibt es die selbsternannte Leetkultur (bzw. 1337kultur in Leetspeak) als Gegenentwurf zum unsinnigen Konzept der Leidkultur; leet steht für élite und spielt mit dem elitären Kulturbegriff, denn Leetkultur ist eben nicht elitär, sondern Kultur aus der Nerd-Perspektive. Es geht dabei darum, die Prinzipien der Hacker-Ethik auf die (nicht nur technische) Kultur zu übertragen. Das könnte so aussehen:

  • Der Zugang zu Kultur und allem, was einem zeigen kann, wie diese Welt funktioniert, sollte unbegrenzt und vollständig sein.
  • Alle Informationen müssen frei sein.
  • Misstraue Autoritäten – fördere Dezentralisierung!
  • Beurteile einen Urheber nach dem, was er tut und nicht nach Kriterien wie Aussehen, Alter, Rasse, Geschlecht oder gesellschaftlicher Stellung.
  • Man kann mit einem Computer Kunst und Schönheit schaffen.
  • Kultur kann dein Leben zum Besseren verändern.
  • Mülle nicht in den Daten anderer Leute.
  • Öffentliche Daten nützen, private Daten schützen.

Ich habe hier lediglich zweimal Computer (im Plural) durch Kultur ersetzt und Hacker durch Urheber. Damit ist eigentlich schon alles gesagt. Über 1337kultur, also über Kultur aus dieser Perspektive plane ich, einen Podcast zu machen, der auch 1337kultur.de heißt. Darin wird es über alle Arten von Kultur gehen: Bücher, Musik, Filme, Kunst, Sport usw. Die folgenden Themen stehen schon fest:

  1. Labsal Weltliteratur: Bücher, die wir kennen, aber nicht gelesen haben (Folge 1)
  2. Beredte Bilder: Comics und Comic-Verfilmungen (Folge 2)

Wem in den Titeln ungewöhnliche Wörter auffallen, soll sich bis zur Sendung gedulden; sie werden dort erklärt. Jedes Mal soll nämlich auch ein leider zu wenig verwendetes Wort vorgestellt werden, das ich auch immer versuche, in den Titel einzubauen.

Die Folgen will ich übrigens schon bei der Aufnahme streamen, so dass die Möglichkeit besteht, über Twitter/Identi.ca und Internet Relay Chat mitzumachen. Die erste Folge wird am Sonntag 13.3.2011 um 13.37 Uhr gestartet, die zweite am gleichen Tag um 15.30 Uhr. Einige Tage später wird dann die erste Folge auch im Podcastfeed sein (technisch überarbeitet von Christopher Schirner, den aufmerksame Hörer schon vom Klabautercast kennen), die zweite Folge noch ein paar Tage später. Für den Stream kann ich dankenswerterweise den Server von xenim.de nutzen. Dort gibt es auch ein Archiv, ich empfehle aber den Rückgriff auf die technisch bearbeiteten Podcastversionen unter 1337kultur.de.

Der Podcast steht natürlich unter einer Creative Commons-Lizenz, nämlich cc-by-sa und darf entsprechend weiter- bzw. wiederverwendet und verbreitet werden – gern auch über Radio.

Update: Das Streaming war eine interessante Erfahrung: im Chat haben so zwanzig bis dreißig Leute mitgemacht und der direkte Feedback war sehr hilfreich. Es sind auch gleich zwei Pads mit den Shownotes geschrieben worden, eins zu Labsal Weltliteratur und eins zu den beredten Bildern.

Lange Nacht der Museen und Staatsoper für alle

An diesem Wochenende fand zum 25. Mal die Lange Nacht der Museen statt, für mich war es wohl die dreiundzwanzigste, was ja auch keine schlechte Zahl ist. Auch diesmal war ich wieder mit ein paar netten Leuten unterwegs und erkundete die nächtliche Museenlandschaft.

  • Wir starteten wie so oft beim Schwulen Museum. Die Zeichnungen von Herbert List fand ich zwar nicht so überzeugend wie seine Fotos, aber dafür ist die Lange Nacht ja da, dass man auch mal was anderes sieht. Die Dauerausstellung und die Sonderausstellung der Sammlung Piske lohnen jedoch einen Besuch.
  • Pariser Platz
  • In der Akademie der Künste Berlin haben wir dann die Ausstellung Kunst und Revolution über die Wendezeit in Berlin. Das nebenstehende Foto habe ich aus dem Akademiegebäude aufgenommen. Die Ausstellung ist an sich nicht so interessant, aber zusammen mit der dazu passenden Ausstellung im Kunstgewerbemuseum Berlin mit dem Titel „In Grenzen frei“ ergibt sich ein interessanter Eindruck.
  • Der Tod von Edward Kennedy hatte mich spontan auf die Idee gebracht, das private Museum The Kennedys direkt gegenüber der Akademie zu besuchen. Die Ausstellung zeigt sehr schön, wie die Medien von den Kennedys ausgenutzt wurden, um sich ins rechte Licht zu setzen (von wegen Vierte Gewalt!).
  • Danach ging es zur Ausstellung ]Mythos Germania[ der Berliner Unterwelten über Albert Speers Projekt einer Welthauptstadt Germania. Die Ausstellung, die noch bist zum Jahresende zu sehen ist, kann ich sehr empfehlen, da sie einmal mehr die Abgründe des Nationalsozialismus sehr plastisch vor Augen führt.
  • Der anschließende Besuch im Kunstgewerbemuseum Berlin ergänzte den Besuch in der Akademie der Künste. Die Ausstellung „In Grenzen frei“ zeigt zum Teil staatliche Auftragsarbeiten derselben Künstler, die auch in der Akademie ausstellen: Diese Arbeiten wirken natürlich ganz anders – wie mir bei Roger Melis auffiel. Außerdem lernte ich, dass es offenbar nur Frauenmode im Exquisit-Laden gab. Jedenfalls scheint keine Männermode beworben worden zu sein.
  • Im Musikinstrumenten-Museum Berlin sahen wir dann den Stummfilm Der letzte Mann (1924) von Friedrich Wilhelm Murnau mit dem ersten Oscar-Preisträger Emil Jannings. Der Film wurde auf der Wurlitzer-Kinoorgel live begleitet. Das war recht eindrucksvoll, obwohl ich die Begleitung zu strauss-lastig fand.

Open Air Concert

Die Lange Nacht hatte ein „Nachspiel“ im sonntäglichen Freiluft-Auftritt der Staatskapelle Berlin: Unter dem Titel Staatsoper für alle wurde unter Daniel Barenboim auf dem Bebelplatz die Ouvertüre Romeo und Julia und die fünfte Sinfonie von Pjotr Iljitsch Tschaikowski gegeben. Durch den Kontrast mit der frühen Ouvertüre wirkt die fünfte Sinfonie besonders beeindruckend – zumal bei gutem Wetter und bester Stimmung auf dem mit 53000 Zuschauern übervollen Bebelplatz.

Eurovision 2009

Gestern gab es anlässlich des Eurovision Song Contest 2009, den ich immer noch lieber „Grand Prix Eurovision“ nenne, wieder eine Grand-Prix-Party, an der ich teilnahm. Natürlich war es wieder spannend, der Entscheidung entgegenzufiebern. Diesmal lag ich beim Gewinner Alexander Rybak aus Norwegen vollig falsch, hatte ich ihn doch eher zwischen Platz 5 und 10 eingestuft. Dafür lag ich beim zweiten Platz genau richtig, denn auch ich fand den isländischen Beitrag sehr gut und hatte ihn auf meiner persönlichen Favoritenliste auf Platz 2 eingeordnet, gleich nach Patricia Kaas, die mich am meisten beeindruckt hatte, obwohl ich sicher war, dass sie bestenfalls auf Platz 5 gelangen würde (sie erreichte dann den achten Platz). Hingegen habe ich Sakis Rouvas gleich als Sieger gesehen (vor allem wegen der perfekten Show), Griechenland belegte aber nur den siebten Platz. Außerdem sah ich die Band Regina aus Bosnien unter den ersten fünf, es reichte aber nur für Platz 9.

Auf der anderen Seite der Skala habe ich Litauen (schließlich auf Platz 23) und Spanien platziert, letzteres Land erreichte dann Platz 24. Schlusslicht Finnland hatte ich auf Platz 18 erwartet. Den deutschen Beitrag hatte ich zwischen Platz 10 und 15 eingeordnet, er erreichte aber nur Platz 20. Es fehlen Deutschland wirklich verlässliche Unterstützer. Denn die spielen trotz einer Fachjury in allen Ländern immer noch eine wichtige Rolle. Leider ist mir nicht klar, wie das Juryurteil mit dem Publikumsurteil verrechnet wurde. Es war von einem hälftigen Verhältnis gesprochen worden, aber im Detail sind ja verschiedene Berechnungsmethoden denkbar.

Natürlich braucht Deutschland auch bessere Beiträge. Mit dem Sänger war ja schon ein guter Griff getan worden (er hätte nur vielleicht aus Russland kommen sollen!), aber der Beitrag selbst war nicht mitreißend genug, musikalisch eher Hausmannskost und unpassend für ein Schlagerfestival. Der neue deutsche Kommentator Tim Frühling ist ein würdiger Nachfolger von Peter Urban. Seine Kommentare waren treffend und auch immer wieder lustig.

Update: Hier fehlt noch ein Link auf die Übergriffe auf Schwule und Lesben durch staatliche Sonderpolizei auf dem Christopher Street Day, der zeitgleich mit dem Grand Prix in Moskau stattfand (aber nicht genehmigt war – wie auch, wenn der Moskauer Bürgermeister das nicht will – „gelenkte Demokratie“ eben!). Kunar hat ja schon einen schwedisch-mehrsprachigen Link gepostet, hier noch ein Erfahrungsbericht aus der taz.

My 2008 favorites

Schönberg und Kantscheli

Vorgestern hatte ich das Vergnügen, mal wieder die Bamberger Symphoniker unter Jonathan Nott zu hören. Das Konzert begann gleich mit dem Höhepunkt des Abends, nämlich mit Arnold Schönbergs Konzert für Streichquartett und Orchester B-Dur nach Georg Friedrich Händels Concerto grosso Opus 6 Nr. 7. In einer Einführung vor dem Konzert gab es auch Ausschnitte aus Händels Original. Ich frage mich bloß, warum man nicht gleich das ganze Concerto grosso als erstes Stück gespielt hat. Das hätte viel besser gepasst, als nach dem Schönberg noch ein Konzert für Oboe, Violine, Streicher und Basso continuo von Johann Sebastian Bach (nach Bach-Werkeverzeichnis 1060) nachzulegen. Wahrscheinlich hat man das nur gemacht, um zu verhindern, dass zu viele Konzertabonnenten nach dem modernen Schönberg die Flucht ergreifen. (Die Leute neben mir sind aber trotz des gefälligen Bachs gegangen.)

Nach der Pause ging es dann weiter mit einem sehr gewagten Stück, nämlich Voice & Violin des georgischen Komponisten Gia Kantscheli. Es ist ein Konzert für Tonband, Solovioline und Streichorchester. Auf dem Tonband ist die Stimme von Hamlet Gonashvili, einem verstorbenen georgischen Sänger, der Kantscheli zu seinem Stück inspirierte und dem dieser ein Denkmal setzen wollte. Die dissonanten Dauertöne der Geige sind allerdings gewöhnungsbedürftig und forderten das Publikum etwas, das dann aber durch Franz Schuberts Unvollendete wieder versöhnt werden sollte.

Kantschelis Komposition ist durchaus interessant, auch wenn ich mehr erwartet hatte. In jedem Fall hätte ich sie an den Anfang gestellt, dann Händels Concerto grosso aufgeführt und nach einer Pause schließlich Schönbergs Version. Damit wäre der Abend viel abgerundeter gewesen, so wirkte er etwas konzeptlos. Schönbergs Händelbearbeitung fand ich auch deshalb so eindrucksvoll, weil sie das Orchester und besonders die Solisten sehr gefordert hat, was ich gut finde, denn so können die Künstler zeigen, was sie wirklich können. Das wäre am Ende eines Abends sicher noch wirkungsvoller gewesen als Schuberts gefällige Unvollendete, die wie ein Stück aus dem Standardrepertoire wirkte. Dass der Dirigent sie auswendig dirigiert, verstärkt diesen Eindruck leider nur.

Musenstadt Berlin

Dieses Wochenende stand für mich ganz im Zeichen der Kultur: Von Samstag auf Sonntag gab es mal wieder die Lange Nacht der Museen in Berlin:

  1. Ich startete mal wieder beim Schwulen Museum, obwohl mich die Ausstellung über Lesben in Berlin nicht so sonderlich interessierte. Sie war jedoch erwartungsgemäß gut gemacht. Bedauerlich war bloß, dass die übliche Führung um 17 Uhr nicht stattfand, mit der ich eigentlich gerechnet hatte. Die Dauerausstellung des Museums hatte ich seit längerem nicht gesehen und muss zugeben, dass sie enorm an Umfang gewonnen hat und fast schon beängstigend voll ist.
  2. Danach ging es zur Museumsinsel, wo wir zunächst im Alten Museum der Nofretete unsere Aufwartung machten. Da war ich zwar erst bei der letzten langen Nacht, aber das Ägyptische Museum ist ja immer einen Besuch wert und passte so wunderbar zu unserem nächsten Ziel, dem Pergamonmuseum
  3. Dort findet zur Zeit die Ausstellung Babylon – Mythos und Wahrheit statt. Ich hatte mir zum Glück zuvor ein kostenloses so genanntes „Zeitfensterticket“ besorgt, das es ermöglichte, an der doch sehr langen Schlange vorbeizukommen. Die Ausstellung ist wirklich sehr eindrucksvoll. Ich finde es zwar gewöhnungsbedürftig, dass Ausstellungsgegenstände aus den unterschiedlichsten Epochen zusammenstehen, aber museumspädagogisch ist diese Ausstellung so gut aufbereitet, dass man mit Spannung so lange dort herumlaufen kann, bis die Füße wehtun.
  4. Nachdem wir viel Zeit in der Babylonausstellung verbracht hatten, besuchte ich anschließend das Bode-Museum, das mich aber nicht so beeindruckte. Irgendwie wirken die mittelalterlichen Skulpturen nach der großartigen Ausstellung im Pergamonmuseum nicht so richtig. Der Aufenthalt im Bode-Museum war auch deshalb so kurz, weil ein Wärter meine Begleiterin wegen ihrer Handtasche nicht ins Museum lassen wollte, obwohl wir anstandslos in die anderen Museen gekommen waren (wo es zum Teil viel strikter zuging). Außerdem gab es andere Besucher mit viel größeren Taschen (und sogar einem Rucksack!).
  5. Leider mussten wir den Weg bis zum Medizinhistorischen Museum zu Fuß zurücklegen, weil die Bus- und Tramverbindung vom Bode-Museum zum BMM nicht berauschend ist. Ich finde ja die Präparatesammlung nicht so angenehm zu betrachten und sparte sie mir dann auch. Unser eigentliches Ziel war die Sonderausstellung über Magnus Hirschfeld und sein Institut für Sexualwissenschaft, sowie dessen Schicksal im Zusammenhang mit der Bücherverbrennung 1933 in Deutschland (ausführliche Information zur Ausstellung).

Bekanntlich fand die Bücherverbrennung der Nazis (mit dem Bestand von Hirschfelds Bibliothek) ja auf dem heutigen Bebelplatz
neben der Staatsoper Unter den Linden statt. Dort führten mich meine Wege am Sonntag hin, denn es wurde dort ein Freiluftkonzert von Ludwig van Beethovens 9. Symphonie mit der Staatskapelle Berlin unter Daniel Barenboim. Die Symphonie ist schon sehr mitreißend und entfaltet auf dem Forum Fridericianum so richtig seine Wirkung. (Ich empfehle die Beschreibung der Symphonie in der Wikipedia!) Leider verhielt sich das Publikum etwas störend: Manche klatschten zwischen den Sätzen und einige sogar mitten im letzten Satz in der Generalpause.

last.fm

Gestern habe ich nach viel zu langem Zögern endlich last.fm ausprobiert. Ich war immer davon ausgegangen, dass das für mich mit meinem konfusen Musikgeschmack nicht taugt, denn ich mag ja besonders klassische Musik (Johann-Sebastian Bach, Franz Schubert, Gustav Mahler, Peter Tschaikowski, Richard Wagner und auch „Neoklassik“ wie Charles Ives, Edward MacDowell, Benjamin Britten), ein paar Unterbereiche des Jazz (Bossa Nova, Swing), a cappella-Gesang (von Johannes Brahms bis zu den Wise Guys), entspannte elektronische Musik, Chansons und vieles mehr. Und siehe da: meine ersten Versuche bei last.fm haben Erstaunliches zu Tage gebracht. Ich habe ein paar tolle Neu- und Wiederentdeckungen gemacht. Besonders interessant war die folgende Erfahrung: Ich schätze Hans Zimmer ja schon lange als Komponist genialer Filmmusik, aber habe seine Kompositionen praktisch nie losgelöst von Filmen wahrgenommen. Da mir last.fm ständig seine Kompositionen nahelegte, habe ich dann mal reingehört und war gleich begeistert. Hans Zimmer komponiert für seine Filme richtig gute (neu-) klassische Musik in Verbindung mit elektronischer und verwendet sehr geschickt Wagners Leitmotiv-Technik, die ja überhaupt sehr gut in die Filmmusik passt.

Da hätte die Musikindustrie gestern ganz schön an mir verdienen können, aber sie hat es mal wieder verbaselt: Den neuen Soundtrack von The Dark Knight gibt es zwar schon (The Dark Knight (soundtrack), Rezension, Interview mit den Komponisten Hans Zimmer und James Newton Howard), er wird aber in Deutschland erst vom 22. August an verkauft, dem Start des Kinofilms. Warum das so ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Es ist jedenfalls gar nicht verkaufsfördernd. Die Regelung, dass man erst auf den deutschen Filmstart warten muss, hat doch in der globalisierten Welt überhaupt keinen Sinn (und auch sonst nicht) – genauso wenig wie der Regionalcode für DVDs. Man hat geradezu den Eindruck, die Musikindustrie möchte ihren Markt zerstören.

Und noch eine Wiederentdeckung habe ich gemacht, die ich sogar schon auf meinem Rechner hatte: God Wrote in LISP (Text) – wer’s noch nicht kennt, aber schon mal was von Programmiersprachen gehört hat: Dieser Song und diese Programmiersprache sind ein Muss!

Update: Da mich mehrere Leute gefragt haben, hier mein last.fm-Nick: mahabln (nur für den Fall, dass mich jemand dort kontaktieren will).

Freiluft-Wagner

Am letzten Sonntag besuchte ich mal wieder die Bayreuther Festspiele, allerdings war ich nicht auf dem Grünen Hügel selbst, sondern bei der Siemens Festspielnacht, einem Public Viewing auf dem Bayreuther Volksfestplatz.

Um uns einen guten Platz zu sichern, waren wir schon um 13 Uhr auf dem Festplatz. Um 16 Uhr begann dann die Übertragung der Wagneroper Die Meistersinger von Nürnberg in der Inszenierung von Katharina Wagner. Dass die Inszenierung umstritten ist, wusste ich ja schon vorher. Ich fand sie einfach zu plakativ. Es ist doch unnötig, seine Botschaft ad nauseam zu wiederholen bzw. auf jede erdenkliche Weise wieder und wieder zum Ausdruck zu bringen. Skandalträchtig ist die Inszenierung übrigens nicht – und wäre auch nicht sehr mitreißend, gäbe es nicht die Musik und die Leistungen von Chor, Orchester und Solisten, deren Anstrengungen in den Nahaufnahmen richtig deutlich wurden.

Der Freilicht-Wagner war rundum ein tolles Erlebnis – vor allem aufgrund der angenehmen sommerlichen Atmosphäre auf dem Festplatz und dem funktionierenden Catering. Es gibt dazu sogar einen Festspiel-Podcast.

Dave Van Ronk & Gus Van Sant

Der neuste Film von Gus Van Sant Paranoid Park kam beim sonntäglichen Videoabend allgemein nicht so gut an, was vielleicht an der etwas eindimensionalen Geschichte lag. Filmisch fand ich ihn schon sehr interessant – vielleicht etwas zu anspruchsvoll im Vergleich zum Inhalt, den ich hier natürlich nicht verrate. Sehr ansprechend sind die Skateboard-Szenen, die mit einer verrauschten Camcorder-Technik aufgenommen wurden, diese und vielleicht zu häufig eingesetzte Zeitlupe haben eine sehr eigene, aber durchaus ansprechende Ästhetik. Jedenfalls gelingt es dem Regisseur, Gefühle und Stimmungen optisch zu vermitteln. (Bei dieser Gelegenheit muss ich gleich mal auf das Portal:Skateboarding und den Skateboarder-Jargon in der Wikipedia hinweisen, die hoffentlich nicht so bald den „Wikipedia-Löschern“ zum Opfer fallen werden.)

Auch dieser Film hat eine nicht-lineare Erzählstruktur (ich muss wohl nicht wieder erwähnen, dass ich das mag), die sich daraus ergibt, dass der Protagonist mehrfach ansetzt, seine Geschichte zu erzählen. Die Unterschiede zwischen den Versionen sind übrigens sehr interessant und lassen letztlich daran zweifeln, ob die letzte Version auch wirklich die einzig Richtige ist, bzw. ob sie genau so richtig ist, wie sie hier erzählt wurde.

Nach dem Film legte hukl dann noch ein paar Songs von Dave Van Ronk auf, von denen ich einige kannte, ohne Dave Van Ronk zu kennen, der dann aber gleich zu meinen Lieblingssängern aufstieg – zumindest für verregnete Sommerabende, wenn der Blues über einen kommt.