Brahms an der Regnitz

Heute Abend war ich seit längerem mal wieder bei den Bamberger Symphonikern, und zwar zu einem Brahms-Abend unter Leitung von Herbert Blomstedt. Den Abend eröffnete die Tragische Ouvertüre, die sich unverkennbar an Beethoven anlehnt. Blomstedts Einspielung war sehr präzise und zugleich ausdrucksstark. Ich war sofort begeistert! Es folgten Vier ernste Gesänge op. 121 für eine Singstimme mit Orchester-Begleitung, die mich weder orchestral noch vom Sänger Rudolf Rosen her begeisterten. Dieser sang zwar präzise, jedoch ausdrucksschwach-technisch. Als Opernsänger wäre etwas mehr Ausdruckskraft und Blickkontakt zum Publikum schon wünschenswert; wenigistens sah er gut aus! Als er es dann aber für nötig hielt, die Ehrenjungfer zu küssen, die ihm Blumen überreichte, war er bei mir endgültig durchgefallen.

Nach der Pause wurde der Abend dann gerettet von der 3. Sinfonie, die mir gut gefallen hat, obwohl man das eine oder andere etwas romantischer hätte ausspielen können. Wieder erwies sich Blomstedts Einspielung als angenehm präzise. Den gefälligen Abschluss bildete die Akademische Festouvertüre. Obwohl das Stück sehr gefällig ist, wurde mir seine Genialität in der heutigen Interpretation so richtig klar: Im Grunde strebt das Stück auf einen Choral zu (das Gaudeamus igitur) – kurz zuvor jedoch wagt sich Johannes Brahms harmonisch sehr weit vor. Hier wird er für kurze Zeit doch wagneresque, was ich ihm gar nicht zugetraut hätte. Wahrscheinlich habe ich Brahms einfach als Orchesterkomponisten verkannt, denn seine a cappella-Lieder gehören seit Jahren zu meinen Favoriten.

Der Ring in Dortmund

An den letzten beiden Wochenenden habe ich am Theater Dortmund den Ring des Nibelungen gesehen. Das ist ja immer etwas Besonderes: 18 Stunden Oper an vier Tagen! Ich kann das eigentlich nicht oft genug bekommen. Das nächste Mal im Juli im Staatstheater Nürnberg. Da kann man dann richtig schön vergleichen! Ich fand ja die Dortmunder Inszenierung von Christine Mielitz der Bayreuther Inszenierung von Tankred Dorst überlegen, weil sie viel dynamischer war. Dass die Bayreuther Inszenierung statisch war, wird einem richtig klar, wenn man die Dortmunder Inszenierung gesehen hat. Allerdings ist man dann die fallenden Vorhänge in Dortmund bald leid. An manchen Punkten war da die Inszenierung an der Bayerischen Staatsoper noch besser. Auch das Bayerische Staatsorchester war leicht besser als das Dortmunder, während mir die Künstler gesanglich in Dortmund am besten gefallen haben. Das mag natürlich auch daran liegen, dass ich in der ersten Reihe saß.

Ich muss ausdrücklich sagen, dass mir die Künstler nur gesanglich gefallen haben, denn ich finde die jugendlichen Helden waren alle entweder zu alt besetzt oder zu dick. Im Zeitalter des Castings sollten auch Opernsänger mehr fürs Auge bieten, aber wahrscheinlich verlange ich da zu viel.

Wegen der Leitmotiv-Technik muss man Richard Wagner oft hören, um ihm auf die Schliche zu kommen. Dann ist es wirklich beeindruckend, wieviel Information in der Musik steckt. Das ist natürlich für mich faszinierend, weil es zeigt, dass Musik durchaus funktional aufladbar ist, also Zeichen-Charakter bekommen kann.

Grand Prix Eurovision

Den Grand Prix Eurovision konnte ich diesmal aufgrund von Terminschwierigkeiten nicht – wie in den vergangenen Jahren – auf einer Grand-Prix-Party begehen, aber ich habe den Sängerwettstreit zumindest zeitversetzt verfolgen können, und ich muss sagen: es war sehr spannend und hat mir aufgrund der Vielfalt sehr gut gefallen. Mein Tipp war:

  1. Serbien
  2. Ukraine
  3. Weißrussland

Abgesehen von Weißrussland lag ich damit auch goldrichtig: Während ich im letzten Jahr mit Lordi (oder 2004 mit Ruslana) nur den ersten Platz vorhersagen konnte, gelang mir diesmal sogar die Vorhersage des zweiten Platzes, was aber auch nicht wirklich schwierig war. Dass die Serbinnen gewinnen war mir deshalb gleich klar, weil es nicht nur ein schönes und wirklich gut vorgetragenes Lied ist, was natürlich Punkte besonders bei den Nachbarstaaten bringt, sondern weil viele auch den lesbischen Aspekt des Auftritts gut finden.

Vielleicht kann ich mich ja wirklich als Nachfolger von Peter Urban) ins Gespräch bringen, wenn ich jetzt auch noch sage, was mein Tipp für die letzten Plätze war:

  1. Frankreich
  2. Irland
  3. Vereinigtes Königreich

OK, ich habe Irland und Großbritannien vertauscht, aber sonst kam das doch dem richtigen Ergebnis ziemlich nahe.

Die Kritik am Abstimmungssystem kann ich übrigens nicht so richtig nachvollziehen, denn obwohl es unschöne Abstimmungskartelle gibt, wurden die ersten und letzten Plätze verdientermaßen besetzt. Und gern würde ich auch noch mehr von Mikko Leppilampi, dem Grand-Prix-Moderator, sehen.

Das Wagner-Wochenende

Das vergangene Wochenende stand ganz im Zeichen von Richard Wagner: Am Samstag habe ich eine sehr eindrucksvolle konzertante Aufführung der Oper Das Rheingold durch die Bamberger Symphoniker gesehen unter Leitung von Jonathan Nott. Das war wirklich sehr schön! Die konzertante Aufführung hat mir fast besser gefallen als die richtige Vorstellung im Rahmen der Richard-Wagner-Festspiele in Bayreuth. Sehr gut gefallen hat mir auch der Einführungsvortrag von Stefan Mickisch, der sehr geistreich war und sehr deutlich die Beziehungen zu anderen Werken hergestellt hat.

Am Sonntag bin ich dann nach München gefahren, um in der Bayerischen Staatsoper Wagners Bühnenweihfestspiel Parsifal zu sehen. Sicher war das eine Reise wert, allerdings bin ich nicht wirklich von der Inszenierung überzeugt. Es gab gute Ideen (zum Beispiel die erste Gralsenthüllung), aber irgendwie gab es immer störende Kleinigkeiten, so dass ich fast versucht bin, die Giftspritze zu zücken und zu sagen, dass das Eindrucksvollste der Sonnenuntergang auf der Treppe des Nationaltheaters in der ersten Pause war.

Da ich bis zur Rückfahrt dann noch etwas Zeit totschlagen musste, bin ich noch ins Andechser am Dom eingekehrt und habe mich dort als Ausländer geoutet, denn statt korrekt Fleischpflanzerl zu sagen, hab ich Fleischküchle gesagt. Der Kellner fragte dann gleich, ob ich aus Schwaben sei. Ich habe das verneint und gesagt, in Franken sage man auch so. Ich hätte ihm ja schlecht sagen können, dass das für mich eine Bulette oder hochdeutsch Frikadelle ist.

Mal sehen, am 6. Mai läuft an der Staatsoper Der Rosenkavalier von Richard Strauss. Ich denke, dazu werde ich die Reise nach München noch einmal antreten und hoffentlich tiefer beeindruckt sein. Ich kann ja in München nur sonntags ins Theater gehen, weil nur in der Nacht von Sonntag auf Montag noch ein später Intercity Express nach Norden fährt.

Götterdämmerung in München

Am letzten Sonntag bin ich nach München gefahren, um dort die Götterdämmerung von Richard Wagner in der Bayerischen Staatsoper zu sehen. Die Aufführung war sehr eindrucksvoll und hat mir sogar besser gefallen als die diesjährige Neuinszenierung bei den Bayreuther Festspielen. Natürlich ist die Bayreuther Atmosphäre immer außergewöhnlich und unbedingt erlebenswert, aber die Personenregie, die Leistung des Bayerischen Staatsorchesters und möglicherweise die künstlerische Leistung einzelner Sänger war Bayreuth weit überlegen!

Es war mein zweiter Besuch im Nationaltheater München. Das Treppenhaus und die Vorräume zum Zuschauerraum haben eine abstoßende Fünfzigerjahre-Ausstrahlung, aber die vorderen Räume sind sehr repräsentativ. Interessant ist das Emblem mit den übereinander gesetzten Buchstaben M und i. Es steht für König Maximilian I.. Interessant ist, dass der erste Herrscher mit einem Namen schon zu Lebzeiten mit einer I signiert. Das liegt wohl daran, dass er damit seinen neuen Status als König unterstreichen will, denn vorher war er als Maximilian IV. Joseph Herzog von Bayern und Kurfürst.

Die Fahrt hat sich sehr gelohnt! Mit dem Zug geht das leider nur am Sonntag, weil es nur sonntagabends um Mitternacht (genau genommen am Montag um 0.01 Uhr) einen Zug gibt, mit dem man aus München wegkommt (der letzte davor fährt um 20.44 Uhr!). Vor der Aufführung habe ich lecker bei Hacker-Pschorr gegessen und zwischen Aufführung und Zug noch ein kühles Bier beim Augustiner-Bräu getrunken. München ist zwar teuer, aber durchaus lebenswert.

Brokeback Mountain

Ja, ich weiß, ich locke damit niemanden mehr hinter dem Ofen hervor, und ich bin wahrscheinlich der Letzte, der diesen Film gesehen hat, aber heute abend war ich im Kino und habe endlich Brokeback Mountain gesehen. Und ich war beeindruckt. Der Film ist besser als die gleichnamige Kurzgeschichte von E. Annie Proulx. Ich hatte die Kurzgeschichte schon vorher als Hörbuch gehört und fand, dass sie trotz aller Wirkung Schwächen hat: Ich hatte das Gefühl, dass sie irgendwie unzeitgemäß war, eben so eine Geschichte aus den 1980ern, als schwule Liebe einfach unerfüllt bleiben musste, aber die mächtige Bildersprache und die sehr gelungene filmische Adaptation haben mich nun doch überzeugt: Es ist ein großartiger Film! Beeindruckend ist, wie deutlich die Erbärmlichkeit der Rancher wurde. Trotz aller Tragik ist der Film durchaus optimistisch, denn es wird schnell klar, dass hier Menschen nicht deshalb Probleme haben, weil sie schwul oder sonstwas sind, sondern weil sie sich selbst im Wege stehen und sich Dinge einreden, die nicht eigentlich so sind, wie sie meinen. So richtig verarbeitet habe ich das noch gar nicht, und ich hoffe, in dieser Nacht einigermaßen Schlaf zu finden…
Die Filmmusik ist übrigens auch sehr schön. Ich hatte mir die CD zum Film (Lyrics) ja schon vor einiger Zeit gekauft, was ein Fehler war, denn wenn man einen Soundtrack schon gut kennt, kommt er einem im Film zu bekannt vor. Ich empfehle also, erst den Film zu sehen und dann den Soundtrack zu erwerben. Verdientermaßen hat der Film bei der Oscarverleihung 2006 je einen Oscar für die Regie, die Drehbuch-Adaptation und die Musik bekommen!

Es ist schon erstaunlich, dass ich in weniger als einer Woche mit Capote und diesem Film zwei herausragenden Hollywood-Filme gesehen habe, nachdem in den letzten zwei Jahren ja eher mittelmäßiges Hollywood-Kino dominierte. Das lässt hoffen, und ich traue mich jetzt auch öfter ins Kino zu gehen.

Eurovision Song Contest 2006

Ich finde ja die alte Bezeichnung des Eurovision Song Contest viel stilvoller: Grand Prix Eurovision de la chanson. Daher heißen die dazugehörigen Partys wohl auch immer noch Grand-Prix-Partys. Auch ich war heute wieder auf einer solchen, denn der Grand Prix ist ja in schwulen Kreisen so ungefähr das, was die Männerfußball-Weltmeisterschaft für Heteros ist. Kurz vor der Party hatte ich noch das Halbfinale gesehen und war mir da schon ziemlich sicher, dass beim Eurovision Song Contest 2006 die Finnen eine gute Chance hätten, sofern nicht noch was anderes Sensationelles hinzukommen würde. Da das nicht geschah, tippte ich auf die Finnen und dass Deutschland auf den 14. Platz kommen würde, denn sie waren auf diesem Platz auf meiner Favoritenliste. Ziemlich genauso ging es ja auch aus. Auch ich fand den finnischen Beitrag originell, obwohl ich persönlich die lettische a cappella-Gruppe Cosmos am interessantesten fand, aber es war natürlich klar, dass sie wenig Chancen hätten, denn ihre Musik war einfach zu revolutionär für den Schlagergeschmack (etwa die lettische Version der Wise Guys). Auch der russische Beitrag hat mir gefallen, sofern man von der Frau im Klavier absieht.

Dieser Grand Prix war von der musikalischen Vielfalt wahrscheinlich einer der außergewöhnlichsten, auch wenn mich das Gewinnerlied jetzt nicht wirklich so sehr anspricht. Auf jeden Fall war es ein lohnendes Ereignis – natürlich auch wegen der netten Leute auf der Party. Ich habe mich dann noch sehr angeregt mit Christoph und Jan unterhalten, was auch sehr interessant war. Christoph ist ein talentierter Nachwuchsfilmer, dem bestimmt noch eine große Karriere bevorsteht, wenn er sein Talent auszubauen versteht und sich mit weniger depressiven Themen auseinandersetzt. Und von Jan wird man bestimmt auch noch hören oder lesen…

Four things

I got the idea from Sushee’s blog, so blame her, if you don’t like it! ^_^

Four jobs I’ve had:

…mostly in linguistics.

Four places where I’ve lived:

I only listed those places where I spent more than 5 years.

Four movies I watch over and over again:

Four TV shows I love:

Four books I’ve recently read and liked a lot:

Four places I’ve been to on vacation:

Four of my favorite dishes:

Four pieces of music I often listen to:

Four web sites I visit daily:

Four places where I would rather be right now:

Four men I had sex with and hated it:

You wouldn’t wanna know… 🙂

Musik aus Italien und Frankreich

Ich habe ein Faible für italienische Cantautori (Liedermacher) und kürzlich mal wieder einen neuen entdeckt, nämlich Gianmaria Testa (mit eigener Webseite). Mit seiner rauchigen Stimme und dem norditalienischen Akzent erinnert er entfernt an Paolo Conte. Die Chansons gehören fast schon in die Kategorie Easy Listening. Natürlich geht nichts über den 1999 verstorbenen Fabrizio De André, der mir natürlich auch wegen seines politischen Engagements und wegen seiner Dialekttexte sehr gefällt.
Auch in der französischen Chanson-Szene tut sich Einiges. Es gibt jetzt so etwas eine junge Generation von Chansonniers. Meine neueste Entdeckung ist Vincent Delerm, der Sohn des Schriftstellers Philippe Delerm. Beide sind unbedingt empfehlenswert!

Camp, Cage und Co.

Gestern fragte mich ein Freund: „Kennst du noch Andreas Dorau?“ Ich musste zunächst passen, aber dann kam ich (mit seiner Hilfe) darauf, dass Andreas Dorau ja zur Neuen Deutschen Welle gehört, einer Popmusik-Richtung, für die selbst ich fast schon zu jung bin. Ich erinnerte mich aber dunkel, als mir ein paar Titel vorgespielt wurden. Heute würde man diese Musikrichtung wohl Trash nennen oder etwas positiver als Camp bezeichnen.
Wir kamen darauf, weil Andreas Dorau kürzlich zu Gast bei Wolfgang Müller in der Raststätte Gnadenbrot war, einer ebenfalls sehr trashigen, campigen oder kultigen Kneipe in Berlin-Schöneberg. Und damit man mir nicht immer nachsagt, zu spät auf interessante Kulturereignisse hinzuweisen, nämlich erst dann, wenn sie vorbei sind, gibt es jetzt ausnahmsweise mal einen Programmtipp: Die Pianistin Susanne Kessel ist am 26. November um 21 Uhr im „Gnadenbrot“ zu Gast. Es geht um Mozart, Cage und Satie, die hoffentlich nicht nur besprochen, sondern auch vorgespielt werden.
Vor einigen Jahren habe ich ja schon mal einen Vortrag über Cage und Robert Rauschenberg von Jonathan D. Katz gehört, von dem es auch eine Internetfassung gibt, und nun habe ich zum Geburtstag auch noch eine Cage-Biografie geschenkt bekommen. Da ich mich so langsam zum Cage-Fan entwickele, muss ich demnächst wohl auch nach Halberstadt fahren, wo das Cage-Orgel-Projekt in einer dortigen Kirche beheimatet ist: Ein Stück von Cage soll so langsam wie möglich gespielt werden. Daher hat mein Besuch keine Eile, denn der jetzt gespielte Ton dauert noch etwa 200 Jahre. Aber reinhören möchte ich schon mal.