Rehrücken

Gestern war ich zum Rehrückenessen eingeladen, denn meine Gastgeber hatten von einem befreundeten Jäger ein frisch geschossenes Reh an Land gezogen. Als Vorsuppe gab es eine klare Tomaten-Consommé mit Tomaten aus dem eigenen Garten, dazu einen Rotling vom prämierten Winzer Sauer aus Franken und einen Handthaler Kerner), der mit dem Jahrgang 1997 fast schon an der Grenze war. Zum Hauptgang genossen wir zunächst einen Château Haut-Bages Libéral, der vielleicht mit seinen sechs Jahren noch zu jung war, mir aber dennoch sehr gut schmeckte. Mindestens vergleichbar war dann der 1985er Château d’Armailhac, der noch unter dem Namen Mouton-Baronne Philippe de Rothschild firmierte (wegen der Verwechslungsgefahr mit dem Château Mouton-Rothschild wurde dieser Wein in Château d’Armailhac zurückbenannt). Beide Weine kommen übrigens aus Pauillac, dem Ort mit dem „längsten Marathon der Welt“. Es folgte dann noch ein Wein aus Burgund, der mir vergleichsweise wenig gemundet hat. Ich hatte eh schon genug Wein intus und trank dann nur noch einen Calvados zum Dessert, das aus einem Soufflé bestand.

Insgesamt ein tolles Essen mit hervorragenden Weinen, das mir sicher noch lange in Erinnerung bleiben wird, zumal die „Mitesser“ waren interessante Leute waren, von denen fast alle gerade ein Buch schreiben oder publiziert hatten, sogar ein Krimiautor war dabei, von dem ich leider bisher noch nichts gelesen habe; das muss sich ändern! Am Einheitstag habe ich dann erst mal kräftig ausgeschlafen, um ausgeruht wieder an mein eigenes Buch gehen zu können.

Wiener Kaffeehauskultur

Gestern habe ich mit „Starbug“ die Wiener Innenstadt mit der Bim umfahren. Das ging erstaunlich schnell, was beweist, dass Wien – zumindest die Innenstadt – gar nicht so groß ist. Anschließend waren wir im berühmten Café Landtmann neben dem Burgtheater. Dort haben wir jeder einen speziellen Wiener Kaffee gekostet: ich einen „Kaffee Maria Theresia“ mit Cointreau und Starbug einen „überstürzten Neumann“. Sehr lecker! Dazu aß ich eine Marroni-Blüte und Starbug eine Kardinalsschnitte, die wahrscheinlich so heißt, weil sie eine rote Kappe hat und rot-weiß gestreift ist (wie eben ein Kardinal).
Das Café Landtmann ist ja besonders bekannt für seine Pressekonferenzen. Also haben Starbug und ich dort auch über Pressearbeit gesprochen.

Heuriger

Am ersten Abend des Wiener Easterhegg wollte ich mal erfahren, wie eigentlich ein Heuriger funktioniert und verabredete mich mit einem österreichischen Kollegen und seiner Frau in Neustift am Walde zum Heurigen. Zusammen mit Salmannsdorf gibt es dort eine Reihe von nicht ganz so touristisch überlaufenen Heurigenlokalen wie in Grinzing. Da sich die beiden auskannten, fanden wir uns in einem sehr schönen Lokal am Kaminfeuer zusammen, nämlich beim Fuhrgassl-Huber. Dort gab es einen sehr frischen Neuburger aus den typischen großen Bechern (aus denen man anderswo eher Bier trinken würde), der sehr mundete. Dazu konnte man sich an einem Büffet Fleisch und Salat geben lassen: Ich kostete eine halbe Debreziner, ein Stück Schopfbraten (in Deutschland: Schweinenacken) und einen kleinen Streifen Geselchtes, das unserem Kasseler ähnelt. Zum Nachtisch gab es eine leckere Mehlspeise, nämlich eine Rumkugel.

Da Karfreitag war (in Österreich kein gesetzlicher Feiertag), gab es keine Musik, allerdings gab es im Nachbarraum eine Geburtstagsfeier und dort spielte jemand kurz auf dem Akkordeon. Das Fehlen der typischen Musik fand ich aber sehr positiv, da man sich besser unterhalten konnte. Natürlich konnte man wegen des anhaltend kalten Wetters leider noch nicht draußen im Weinberg sitzen. Das muss ich dann noch einmal bei einem sommerlicheren Besuch nachholen. Ich weiß ja jetzt, wo ich hingehen muss.

Four things

I got the idea from Sushee’s blog, so blame her, if you don’t like it! ^_^

Four jobs I’ve had:

…mostly in linguistics.

Four places where I’ve lived:

I only listed those places where I spent more than 5 years.

Four movies I watch over and over again:

Four TV shows I love:

Four books I’ve recently read and liked a lot:

Four places I’ve been to on vacation:

Four of my favorite dishes:

Four pieces of music I often listen to:

Four web sites I visit daily:

Four places where I would rather be right now:

Four men I had sex with and hated it:

You wouldn’t wanna know… 🙂

Lange Nacht der Museen

Es gab mal wieder eine Lange Nacht der Museen in Berlin, diesmal bereits zum 19. Mal. Diesmal bin ich mit fh unterwegs gewesen. Wir starteten beim Museum Kreuzberg-Friedrichshain, wo wir uns die Dauerausstellung und dann einen Film über die Geschichte der Blues-Messe in Berlin-Friedrichshain. Dieser Film wurde im Rahmen des Themenabends über Protestbewegungen gezeigt, zu denen es leider keine spezielle Ausstellung gab, wie ich erwartet hatte. Lediglich im Rahmen der Dauerausstellung wurde auch die Geschichte der Kreuzberger Hausbesetzungsszene aufgegriffen.
Anschließend fuhren wir zum Gesundbrunnen, um das Museum des Vereins Berliner Unterwelten anzusehen. Die Ausstellung ist sehr vielfältig und lohnt einen Besuch! Dann fuhren wir weiter zum Bahnhof Zoo, um im Museum für Fotografie die neueste Helmut Newton-Ausstellung zu sehen. Besonders gefallen hat mir der Film My Life über Helmut Newton von Gero von Boehm – sehr witzig und schön erzählt!
Von dort ging es weiter zum Internationalen Design Zentrum. Hier wollte ich gern den Vortrag „Typographie um Mitternacht“ hören. Das „Design Food“ und der Wein Errazuriz (baskisch: ‘mit weißem Rauch’) mundeten zwar, aber der Vortrag war schier unerträglich. Alles war sehr assoziativ und wenig witzig, die Fotos waren zum Teil ältere Schnappschüsse und um Typografie ging es fast gar nicht. Zudem hatte der ungeübte Sprecher ein erhebliches Zeitproblem und litt unter Selbstüberschätzung. Daher brachen fh und ich einmütig diese Erfahrung ab und machten uns noch auf zur Medizinhistorischen Sammlung der Charité. Die ist immer sehenswert, und um ein Uhr nachts ist es dort auch nicht mehr so voll.
Insgesamt war es eine interessante Nacht, nicht zuletzt auch dank der unterhaltsamen Begleitung. Eigentlich sollte die Lange Nacht der Museen länger dauern. Die nächste werde ich wahrscheinlich verpassen, weil sie genau in der Zeit liegt, in der Der Ring des Nibelungen in Bayreuth gegeben wird, was ich mir dank vorhandener Karten nicht entgehen lassen will.

Semmelnknödeln

Gestern konnte das übliche Treffen des Erlanger Chaos Computer Clubs nicht wie gewohnt im E-Werk statt, weil dort mal wieder eine FSK30-Party stattfand. Das ist eine Party für Über-30-Jährige, die offenbar der reinste Publikumsmagnet ist. Ich finde solche Altersbegrenzungen (nach oben wie nach unten) ja immer etwas sonderbar, denn Alter ist doch irgendwie kein wirklich relevantes Kriterium – na, die Partyveranstalter werden wissen, was sie tun.
Kurzerhand hat uns blackwing in sein Studentenwohnheim zum Essen eingeladen. Es gab Gulasch mit Semmelknödel (oder heißt es Semmelnknödeln?) :-), und die waren sogar aus alten Brötchen handgemacht vom Meister persönlich! Das Fleisch war etwas zäh, aber die Soße und die Knödel dafür umso leckerer, und dafür muss man ja den Koch loben, zumal das Erstellen von Semmel(n)knödel(n) bestimmt eine Menge Arbeit macht.
Ich hatte als kleinen Beitrag einen leckeren Wein mitgebracht, einen Garnacha von 2002 aus dem Hause Príncipe de Viana (benannt nach dem Príncipe de Viana, dem Titel der Erben des Königreiches Navarra. Leider war eine Flasche für uns alle dann doch etwas knapp. Ich habe dann später noch ein lokales Kellerbier getrunken, das auch gut geschmeckt hat, aber an dessen Namen ich mich nicht mehr erinnere. 🙁
Zum Nachtisch gab es dann noch Maronen und blackwings Einführung in GNU Screen. Nebenbei habe ich vom Gastgeber einen Buchtipp bekommen (von dem ich später berichten werde) und einen Hinweis auf das 23-Wiki, das ich noch nicht kannte, obwohl ich ja schon über die 23 berichtet habe.

Weinprobe

Gestern abend war ich ziemlich spontan zu einer Weinprobe eingeladen worden. Es gab dabei auch sehr gutes Roastbeef und andere Leckereien. Etwas enttäuscht hat der Wein der Marke Infinitus. Viel besser war da schon das Angebot der Finca Antigua. Ich werde wohl einen Karton ihres Syrah kaufen. Das Spitzenprodukt war natürlich ein 1996er Château Batailley aus Pauillac, der leider käuflich nicht mehr zu erwerben ist. Ich habe allerdings noch drei Flaschen 2000er Château d´Armailhac (früher Château Mouton-Baronne-Philippe-de-Rothschild) nachbestellen können. Leider ist das eine Rarität, von der unser Händler nur noch wenige Flaschen hat, weshalb ich möglicherweise mit einem jüngeren Vorlieb nehmen muss. Dieser Wein ist ein hervorragender Cinquième Cru.

22c3-Programmplanung, offenes Wasser, Plan 9

Meinen Geburtstag, der sich am letzten Dienstag begab, habe ich an diesem Wochenende in zwei Teilen nachgefeiert: mit einem Tortenessen am Samstag und am Sonntag mit einem Essen und zwei Kinofilmen im Berliner Chaos Computer Club. Zu essen gab es einen Schinken mit Sauerkraut und Erbspüree. Der Schinken musste den ganzen Tag im Ofen sein (ca. 7 Stunden). Zwischendurch konnten Chefkoch Wuerfel und ich noch an einem philosophischen Frühstück in der c-base teilnehmen. Anschließend schälte ich Kartoffeln während des 22c3-Programmplanungstreffen. Die Programmplanung kommt eigentlich recht gut voran. Ich freue mich sehr auf das ziemlich abwechselungsreiche Programm!
Nach dem Essen schauten wir Open Water, einen Low-Budget-Film, der keinem so recht gefallen wollte, und anschließend den Kultfilm Plan 9 from Outer Space von Ed Wood, der die Meisten wohl wieder versöhnt hat. Es soll ja der schlechteste Film aller Zeiten sein! Besonders schön ist der Rahmentext, den The Amazing Criswell spricht. Demnächst sollten wir dann noch den Film Ed Wood sehen. Zu den Filmen gab es (ausnahmsweise wegen meines Geburtstags) Augustiner Bier. Ansonsten sind wir ja drogenfrei, denn geraucht wird inzwischen vor der Tür. Diese strikte Regelung hat mich etwas überrascht, ist aber gut!

Die andere Art von Sex

Ich glaube, in Steven Levys Buch Hackers: Heroes of the Computer Revolution habe ich zum ersten Mal vom Hacker Mode gelesen, obwohl mir das Phänomen schon längst bekannt war. Man kann es im Chaos Computer Club ständig beobachten: Um drei Uhr in der Nacht sitzen da die Nerds an ihren Rechnern und versuchen noch schnell irgendwelche Programme zu kompilieren oder zu debuggen. Das kann dann schon mal länger dauern. Manche vergessen dabei sogar, zu schlafen oder zu essen – oder sie essen zuviel (passiert mir eher).
Nachdem mir Tim den Floh ins Ohr gesetzt hatte, ich bräuchte unbedingt den Firefox 1.5_beta 1 (Deer Park), hab ich mich mal wieder ins Howto von Gentoo Linux eingelesen und mich daran gemacht, die Beta-Version von Mozilla Firefox zu installieren. Das dauerte natürlich etwas länger. Zum Glück war ich gestärkt durch Wuerfels Kohlrabi mit Stampfkartoffeln (sehr lecker!). Dazu gab es einen Sausenheimer Höllenpfad Dornfelder Rotwein von 1995 (jetzt trinken, er ist gerade reif), der mir auch sehr gemundet hat. Zum Glück verfiel nicht sehr viel Wein auf mich (dafür mehr Essen), so dass ich für den Bau der neuen Browserversion noch einen einigermaßen klaren Kopf hatte. Natürlich gibt es beim Kompilieren immer viel Leerlauf, so gönnte ich mir zwischendurch eine weitere Folge Seinfeld (The Hamptons mit dem Retro-Soundtrack der Beach Boys). Ich kann die Folge sehr empfehlen.
Wenn man dann das neue Programm und der neue Kernel läuft, gibt es ein unheimlich tolles Gefühl der Befriedigung, das so ein bisschen an das Gefühl erinnert, das sich nach gutem Sex einstellt. Daher meine Erkenntnis, die bestimmt schon jemand anders hatte: Hacking – The other kind of sex. Das gleiche Gefühl tritt natürlich auch ein, wenn man ein Manuskript fertig gestellt oder ein anderes vertracktes Problem gelöst hat. Möglicherweise ist das ja auch der Grund, warum Hacker, Wissenschaftler, Schriftsteller und andere, die regelmäßig in den Hacker-Modus verfallen, eine gewisse Tendenz zur Asexualität haben.
(Ja, ich weiß – man darf nicht verallgemeinern – und es stimmt auch so pauschal nicht, wie man nicht zuletzt bei Su-shee lesen kann; ich muss eh ins Bett, denn ich schreibe schon Dornfeld statt Seinfelder und anderen Unsinn.)

Russisches Bier & Brasilianische Küche

Heute abend habe ich mich mit einem Freund am Rosenthaler Platz im Gorki Park (das schreibt sich wirklich in zwei Wörtern!) getroffen. Dort gibt es ganz brauchbares russisches Bier vom Fass. Danach sind wir weiter zum „Ipanema“ in der Torstraße 164, von dem sogar Brasilianer sagen, dass es eins der besten brasilianischen Restaurants in Deutschland sei (auch im Brasilienwiki gelistet, es gibt auch meiner Ansicht nach unberechtigte negative Kritik). Ein wenig wie in einer Churrascaria gab es ein großes Büffet mit Beilagen, Fleisch- und Fischtöpfen und Nachtisch. Ständig wurde auch etwas nachgestellt. Man konnte sich richtig satt essen für nur 6 Euro, was wirklich ein guter Preis ist (die Getränkepreise sind entsprechend höher). Traditionell ist in Brasilien die Feijoada, also Bohnen mit Schwarten, die natürlich richtig sättigen. Überhaupt gab es viel Churrasco, das den Getränkekonsum deutlich forcierte, bis das Weizenbier vom Fass schließlich zur Neige ging. Es gab auch eingewickelten Fisch (Moqueca), auf den ich aber wegen des leckeren Fleisches verzichtet habe. Dass das Essen gut ist, kann man auch daran sehen, dass an den anderen Tischen überwiegend Brasilianer speisten, unter anderem der Hertha BSC-Spieler Marcelinho, der hier Stammgast ist und sich mehrmals mit anderen Gästen fotografieren ließ. Ich fand ihn etwas dick für einen Sportler, was aber an seiner unvorteilhaften Kluft gelegen haben könnte.
Ich kann einen Besuch in diesem Restaurant nur empfehlen. Allerdings muss man brasilianische Musik im Hintergrund mögen (manchmal wohl auch live). Es wurde aber eine wesentlich größere Bandbreite eingespielt, als der Name des Restaurants vermuten lässt. Die länglichen Tische sind bei größeren Gruppen etwas unkommunikativ.